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Technik-Doping:Motor im Rad

"Wir kennen keine Methode, die wir derzeit nicht entdecken können", hatte der Weltverband im Juli noch behauptet. Recherchen nähren jetzt erneut Zweifel an jener Testmethode, mit der die Kontrolleure Motordoping im Radsport entdecken wollen.

Die Zweifel an den Tests, mit denen der Radsport-Weltverband UCI technologischen Betrug verfolgt, haben neue Nahrung erhalten. Laut Berichten des französischen TV-Senders France 2, der ARD und des italienischen Corriere della Sera sind die Nachweise längst nicht so effektiv wie vom Weltverband behauptet.

Die Journalisten untersuchten dafür die neuen Tablet-Scanner der UCI, die versteckte Motoren entdecken sollen. Kontrolleure des Weltverbands fahren mit diesen Tablets an Rennrädern entlang, um magnetische Ströme aufzuspüren, die auf technische Hilfe deuten. Laut UCI wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 40 000 Räder untersucht, in diversen Disziplinen und Altersklassen. Motoren wurden dabei nie entdeckt, bis auf den Fall der Cross-Nachwuchsfahrerin Femke Van Den Driessche aus Belgien. Trotzdem gab es immer wieder Berichte, dass auch Profis Motoren nutzen. Mark Barfield, Inspekteur bei der UCI, sagte der SZ bei der vergangenen Tour im Juli: "Wir kennen keine Methode, die wir derzeit nicht entdecken können."

Tests der Journalisten beim Fraunhofer-Institut in Saarbrücken zeigten nun, dass Barfields Tablets zwar gewöhnliche Motoren aufspüren - wie den von Van Den Driessche - bei neuartigen Techniken aber nicht ausschlagen, wie bei elektromagnetischen Induktionsrädern. Derartige Hilfen lassen sich mit Röntgentests enttarnen; die UCI setzt diese Methode aber nur vereinzelt ein, wie auch Wärmebildkameras. Am Montag teilte der Verband mit, die Tablets hätten sich "sowohl in der Theorie als auch der Praxis als sehr effektiv erwiesen". Die Experten, die die Tablets in den TV-Berichten untersuchten, hätten "kein Training" erhalten. Auf die Frage, warum die Tablet-Scanner keine neuartigen Technologien erkennen, ging die UCI nicht ein.