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Teamvergleich Deutschland vs. Brasilien:Mit bayerischen Muskeln gegen höhere Kräfte

Germany Training & Press Conference - 2014 FIFA World Cup Brazil

Seht her, Brasilianer: So sieht ein eine Schweinsteiger-Wade aus Oberaudorf aus!

(Foto: Getty Images)

Die Brasilianer glauben an den Allmächtigen, die Deutschen an die Eistonne: Eine genaue Analyse der Stärken und Schwächen beider Mannschaften zeigt, worauf es im WM-Halbfinale im Brüllkessel von Belo Horizonte ankommen wird. Und die Niederländer mischen auch mit.

Brasilien gegen Deutschland - seit der Auslosung im Dezember des vergangenen Jahres lief die Fußball-Weltmeisterschaft auf dieses Halbfinal-Duell zu. Es konnte gar nicht anders laufen: Die beiden Verbände führen die ewige WM-Tabelle an (Brasilien vor Deutschland), ihre Teams haben die meisten WM-Partien absolviert (Deutschland vor Brasilien), die meisten WM-Tore geschossen, die meisten Siege errungen (zweimal Brasilien vor Deutschland). Nur bei der Anzahl der Titel drängelt sich Italien dazwischen.

Wer gewinnt das Spiel an diesem Abend in Belo Horizonte? "Kleinigkeiten werden darüber entscheiden, wer ins Finale einziehen wird", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Ein V-Mann im Fifa-Hauptquartier an der Copacabana spielte Süddeutsche.de die Liste der entscheidenden Kleinigkeiten zu. Alles, was bislang wichtig war im Turnier, kulminiert demnach im Éstadio Mineirão.

Bissfestigkeit

Der Mexikaner Marco Rodríguez ist Schiedsrichter der Partie. Eine logische Wahl, schließlich übersah er den Biss des Urugayers Luis Suárez, weshalb der Fußball-Weltverband seelenruhig eine nie gekannte Strafe aussprechen konnte. Der Spanier Carlos Verdasco Caballo hingegen sah das Foul des Kolumbianers Zúñiga gegen Neymar, ahndete es aber nicht. Die Fifa konnte der brasilianischen Sehnsucht nach Rache nicht nachkommen.

Im richtigen Moment nicht hinzuschauen, ist das Beste, was ein WM-Schiedsrichter machen kann. Für wen das am Dienstag ein Vorteil ist, darüber wird heftig debattiert. Einen Biss immerhin müssen die Deutschen nicht fürchten. Auch wenn David Luiz noch so sehr die Zähne fletscht, Thomas Müller kriegt er trotzdem nicht. An Mesut Özil ist nichts dran und sollte er Bastian Schweinsteiger in den Oberschenkel knabbern, wird er erfahren, was eine oberbayerische Muskelfaser ist.

Punkt für Deutschland.

Zentimeterglück

Eine alte, ungeschriebene Regel bei Fußball-Turnieren heißt: Du hast nur einmal Glück. Nie hat eine Mannschaft während einer WM zweimal ein Elfmeterschießen gewonnen. Ganz selten gelingt es einer, sich zweimal durchzumogeln. Insofern müssen die Brasilianer schon nach 90 Minuten alles klarmachen.

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Chile verlangte ihnen im Achtelfinale so viel ab, dass die Brasilianer ihr WM-Glück gänzlich aufgebraucht haben. Eigentlich reichte das Zentimeterglück der Seleção in diesem Spiel für zwei Turniere. Nach 120 Minuten knallte Mauricio Pinilla den Ball gegen die brasilianische Latte. Beim letzten Schuss im Elfmeterschießen von Gonzalo Jara machte sich die Kugel das Vergnügen, von der Innenseite des rechten Pfostens um den linken Pfosten herum ins Toraus zu fliegen. Ein seltenes Kunststück, das Brasilien weiterkommen ließ.

Und Deutschland? Hat Manuel Neuer.

Minuspunkt für Brasilien.

Verbindung nach oben

Die Spiele der Brasilianer sind aufgeladen mit Emotionen, Leidenschaft, Glücksexplosionen und Gesprächen mit höheren Kräften. Es wird gekniet und gebetet mitten auf dem Rasen. Das Elfmeterschießen gegen Chile dürfte nach dem Fronleichnamsumzug die größte Prozession des Jahres in Brasilien gewesen sein. Dazu arbeitet die Seleção mit der Mentaltrainerin Regina Brandão zusammen. Auch sie weist offenbar den Weg zum Allerheiligsten. Kapitän Thiago Silva sagte: "Das erste Zeichen war der Ball am Pfosten gegen Chile. Es gibt Dinge, die außerhalb des Fußballs sind, die wir mit Regina besprechen. Sie beeinflussen uns trotzdem."

Die Frage ist nun: Weist Gott den Brasilianern den Weg zum heiß erwünschten Weltpokal? Oder hat er doch Besseres zu tun, als ein Elfmeterschießen zu beeinflussen? Ist Letzteres der Fall (und aufgeklärte Europäer können sich nichts anderes vorstellen), dann fahren die Deutschen wesentlich besser mit ihrem Hans-Dieter Hermann. Der Teampsychologe sagte zuletzt: "Wir versuchen, die Bedingungen zu optimieren." Brasiliens Fußballgott wird erfahren, was es bedeutet, wenn Deutsche sich gut vorbereiten.

Punkt für Hermann, äh, Deutschland.

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