Team Oracle beim America's Cup:König der Aufholjagd

Oracle Team USA tactician Ainslie speaks to members of the media after winning Race 18 of the 34th America's Cup yacht sailing race against Emirates Team New Zealand in San Francisco

Taktiker beim US-Team: Ben Ainslie.

(Foto: REUTERS)

Ben Ainslie gilt als taktisches Hirn hinter dem Team Oracle beim America's Cup. Dank seiner Kniffe hat der US-Katamaran den 1:8-Rückstand in ein 8:8 gewandelt. Der Brite steht vor der Krönung seiner Karriere - in seiner Heimat wird er mit David Beckham verglichen.

Bevor Ben Ainslie auf den Katamaran steigt, gibt es etwas zwischen die Zähne. Ohne ein ordentliches "Beef Wellington" im Magen bestreitet der Segeler kein wichtiges Rennen. Das Rindersteak im Blätterteigmantel ist seine Lieblingsspeise, "das macht mich stark", sagt Ainslie. In der Szene wird er nur "Big Ben" oder "King Ben" gerufen.

Der Engländer ist viermaliger Olympiasieger, holte elf WM-Titel, gilt als einer der besten Segler der Geschichte. Nun steht er nach einer unglaublichen Aufholjagd beim 34. America's Cup vor der Krönung seiner Laufbahn. 1:8 stand es bereits aus Sicht von Ainslies Team Oracle. Nun steht es 8:8. In der Nacht zum Donnerstag folgt das entscheidende Rennen.

Dass aus dem Langweiler in der Bucht vor San Francisco doch noch ein echter Thriller geworden ist, wird vor allem den Künsten von Ainslie zugeschrieben. Der 36-Jährige gilt als Gehirn hinter dem spektakulären Comeback von Team Oracle im Duell mit Herausforderer Team New Zealand. "Ich könnte kaum glücklicher sein mit der Entwicklung des Finals", sagt Ainslie. Titelverteidiger Oracle um Skipper James Spithill drohte, sich trotz eines Etats von rund 200 Millionen Euro bei der Traditionsregatta zu blamieren, lag schon aussichtslos zurück - doch dann kam Ainslie.

Seit der Engländer den US-Amerikaner John Kostecki als Taktiker abgelöst hat, fuhr das Team von Software-Milliardär Larry Ellison in neun Rennen sieben Siege ein und glich in der Best-of-17-Serie zum 8:8 aus. Im Krimi des letzten Rennens haben Ainslie und Oracle die Chance, eines der größten Comebacks der Sportgeschichte perfekt zu machen - dabei lagen sie schon mit 1:8 hinten. "Ich gebe niemals auf", sagt Ainslie pathetisch.

In seiner Heimat wird Ainsle dadurch noch populärer. Auf der Insel gilt Ainslie als prägende Figur seines Sports, wurde unlängst zum "Sir" geadelt. Zudem lässt er sich hervorragend vermarkten: Ainslie ist reich und erfolgreich, der Boulevard bezeichnet ihn als "Becks in a Boat". Als segelnder David Beckham zählt er laut eines People-Magazins zu den attraktivsten Junggesellen der Welt.

Ainslie spielt Cricket und Golf, fiebert für den FC Chelsea und liebt es, mit seiner Freundin Marit Bouwmeester (ebenfalls erfolgreiche Seglerin aus den Niederlanden) in seinem Aston Martin durch die britischen Grafschaften zu brausen. Als Sargträger bei der Beerdigung seines verunglückten Segel-Kumpels Andrew Simpson, der während der Vorbereitung auf den America's Cup sein Leben ließ, rührte Ainslie die Nation zu Tränen.

In der Nacht zum Donnerstag will er die Aufholjagd seines Teams perfekt machen und den entscheidenden neunten Punkt holen. "Es ist für mich ein Privileg, da draußen meinen Job machen zu dürfen", sagte Ainslie, "es ist total aufregend immer näher zu kommen und das Ding vielleicht zu gewinnen." An die Möglichkeit, dass dieser neunte Punkt doch an Neuseeland gehen könnte, denkt Ainslie nicht.

© Süddeutsche.de/sid/ebc
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