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TC Freisenbruch:Ein echter Fußballklub als Managerspiel

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Aufgestellt von mehr als 200 Menschen: Die Spieler des TC Freisenbruch jubeln - es läuft ja auch ganz gut bei ihnen.

(Foto: privat)

Wer beim TC Freisenbruch in der Startelf steht, was die Bratwurst kostet - das bestimmen nicht Trainer und Mitglieder, sondern mehr als 200 Online-Manager. Der einzigartige Ansatz funktioniert.

Von Sandra Mooshammer

Wäre es beim TC Freisenbruch am Sonntag nach dem Trainer gegangen, hätte Denis Gwodz nicht gespielt. Er hätte nicht mit einem starken Solo das 2:0 seiner Mannschaft vorbereiten können und er wäre auch nicht in der Schlussphase ständig im gegnerischen Strafraum aufgetaucht. Aber nach dem Trainer ging es nicht.

Über die Aufstellung des TC Freisenbruch haben vor allem deutsche Internetnutzer entschieden: ein paar Österreicher, vereinzelt Schweizer, jemand aus Spanien und einer, der als Wohnsitz das vietnamesische Hanoi angibt. Sie sind die Online-Teammanager des TC Freisenbruch. 231 Manager sind es, um genau zu sein, die seit dieser Saison auf einer Webseite die Geschicke des Essener Teams lenken, und die Mehrheit von ihnen wollte Gwodz in der Offensive sehen. Also spielte er.

Eine Kiste Bier für Cristiano Ronaldo

Es ist ein einzigartiger Ansatz, den der TC Freisenbruch wagt, ein traditionsreicher Verein aus der Essener Umgebung, der in den vergangenen Jahren einen langsamen, aber stetigen Abschwung erlebt hat. Vom festen Bestandteil der Bezirksliga wurde der Klub zum Abstiegskandidaten der Kreisliga B. Leistungsträger wanderten ab, das Geld war knapp und anstelle eines modernen Kunstrasens, wie ihn viele Vereine in der Gegend besitzen, spielen sie in Freisenbruch auf einem Ascheplatz. Den lieben sie immerhin. Aber konkurrenzfähig war der Verein nicht, vor allem nicht im Ruhrpott, wo nur zwei Kilometer weiter der nächste Klub sitzt - mit Kunstrasen.

Wie also diesen Verein retten, der kurz vor seiner Auflösung stand? Drei Funktionäre kamen auf eine ungewöhnliche Idee. Peter Schäfer, Peter Wingen und Gerrit Kremer kannten Onlinespiele, wo jeder in die Rolle eines "Teammanagers" schlüpfen und Entscheidungen in einem Fußballklub treffen kann - fiktiv natürlich. Ob das auch in einem echten Verein klappen konnte? Der Klub hatte wenig zu verlieren, also schlugen die drei es vor. 99 Prozent der Vereinsmitglieder, die darüber abstimmten, nahmen den Vorschlag an, oft nicht aus Überzeugung, sondern als verzweifelter Griff nach dem "letzten Strohhalm", wie es Schäfer ausdrückt.

Sie setzten das Konzept radikal um: Wer sich auf der Homepage des TC Freisenbruch anmeldet, zahlt pro Monat fünf Euro - und kann dafür über alles entscheiden, vom Spielsystem und der Aufstellung über das Design der Eintrittskarten bis hin zum Preis von Bier und Stadionwurst. Die Online-Manager haben Termine in der Hand, Kaderplanung, Trainerentlassungen und ab der nächsten Saison auch die Finanzen des Klubs. Jede Entscheidung wird online debattiert und in einer Abstimmung behandelt, Grenzen setzt dabei nur die Vernunft. "Wir können darüber abstimmen, ob wir Real Madrid ein Angebot für Cristiano Ronaldo machen, wir können aber keine 100 Millionen für ihn bieten. Vielleicht eine Kiste Bier", meint Schäfer. "Aber alles, was möglich ist, sind wir in der Agentur bereit umzusetzen."

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