Taktik in der Bundesliga:Wie sich der Fußball in Deutschland verändert hat

Lesezeit: 4 min

Taktik in der Bundesliga: Meister der Taktik: Pep Guardiola beim Training des FC Bayern.

Meister der Taktik: Pep Guardiola beim Training des FC Bayern.

(Foto: AFP)

Teamfußball statt Heldenfußball: Ist die Bundesliga durch Ideen wie das Gegenpressing besser oder schlechter geworden?

Von Tobias Schächter

Hans-Dieter Flick gab in der vergangenen Woche Einblick, wie der Fußball in Deutschland weiterentwickelt werden soll. In der Ausbildung müsse der Fokus mehr als bisher auf die individuelle Qualität gelegt werden, schrieb der Sportdirektor des Deutschen Fußball Bundes auf der DFB-Homepage: "Wir benötigen technisch versierte Spieler, die über die Fähigkeiten verfügen, auch unter Druck die besten Lösungen zu finden und umzusetzen."

Im Kern geht es Flick darum, Spieler und Mannschaften in die Lage zu versetzen, Spiele zu dominieren. Als Co-Trainer von Joachim Löw gewann Flick 2014 mit Deutschland den Weltmeistertitel. Der Erfolg des deutschen Nationalteams wird vor allem der Entwicklung in den Nachwuchsleistungszentren (NLZ) der Bundesligisten zugeschrieben, die zur Jahrtausendwende eingeleitet wurde. Nach dem vorzeitigen Aus bei der EM 2000 galt der deutsche Fußball als altbacken und unmodern. Heute gilt er weltweit als Innovationsschmiede, dessen Konzept viele Verbände abkupfern wollen.

Flick denkt an die Zukunft, Stillstand ist für ihn Rückschritt. Er reist viel, schaut von Nachwuchsturnieren bis zu Premier-League-Spielen so viel Fußball wie möglich, um am Puls der Entwicklung zu sein. Nach seinen vielen Beobachtungen rund um den Globus, kommt Flick zur Erkenntnis: "Der Fußball ist global, aber er wird nicht global identisch gespielt." Interessant ist also die Frage: Was für einen Fußball sehen die Zuschauer Woche für Woche in den Bundesliga-Stadien? Und: Wie hat sich das Spiel in Deutschland tatsächlich verändert?

"Die Trainer in Deutschland sind innovativ"

Julian Baumgartlinger, der Kapitän von Mainz 05, hat das NLZ von 1860 München durchlaufen. Der 28 Jahre alte österreichische Nationalspieler spielt seit 2011 in Mainz in der Bundesliga. Er sagt, die Leistungsdichte in der Liga habe in den vergangenen zwei, drei Jahren noch einmal zugenommen: "Die Bundesliga bleibt nicht stehen in der Entwicklung der Systeme und Spielweisen. Es gibt Ligen, die sich modernen Ansätzen eher verschließen. Deutschland ist auch Weltmeister geworden, weil alle Klubs und Trainer immer auf dem neuesten Stand sind. Hier wird schon überlegt, was vielleicht nach dem Gegenpressing kommt."

Gegenpressing, das ist ein Signalwort für modernen Fußball. Fast alle Mannschaften - außer den absoluten Topteams - könnten in den Abstiegskampf kommen, sagt Baumgartlinger und findet, das sei Ausdruck der gestiegenen Qualität. Hauptgrund dafür sei vor allem die Verinnerlichung des Gegenpressings bei fast allen Mannschaften.

Weil viele Teams Wert auf die direkte Balleroberung nach Ballverlusten legten, sei das Spiel unberechenbarer geworden, glaubt der Österreicher. Die Zahl der intensiven Sprints gerade auf den Außenbahnen habe extrem zugenommen, weiß Baumgartlinger von den Analysen seines Trainers Martin Schmidt, der wie viele andere Fußballehrer seiner Generation sehr viel Wert auf die computergesteuerte, wissenschaftliche Auswertung des Spiels und des Trainings legt.

Stillstand gibt es kaum noch während eines Bundesligaspiels. In jeder Situation aktiv zu sein, auch beim Verteidigen, ist eine der großen, neuen Ansätze der letzten Jahre gewesen. Ballannahme und -verarbeitung geschehen unter großem Druck des Gegenspielers - oft schon im Spielaufbau. Das hat dazu geführt, dass die Abwehrspieler sich technisch enorm verbessern mussten und oft zu verkappten Spielmachern geworden sind. Völlig verschwunden sind technisch schwache Spieler, die den Ball höchstens dem Gegner abgrätschen sollten, dem Spielgerät aber ansonsten gefälligst aus dem Weg zu gehen hatten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB