SZ-Serie "Die besten Sportfilme", Platz 21:Faszinierend als Widerling und Athlet

SZ-Serie "Die besten Sportfilme", Platz 21: Der amtierende Formel 1-Weltmeister Niki Lauda (Daniel Brühl) will seinen Titel gegen seinen Rivalen verteidigen.

Der amtierende Formel 1-Weltmeister Niki Lauda (Daniel Brühl) will seinen Titel gegen seinen Rivalen verteidigen.

(Foto: Universum Film)

Daniel Brühl spielt in "Rush" Niki Lauda und muss sich seines härtesten Rivalen James Hunt erwehren. Warum sich der Rennfahrer-Film von anderen abhebt.

Von Milan Pavlovic

Sportfilme haben es von Natur aus schwer: Der geneigte Sportfan erkennt sofort, dass selbst begnadete Schauspieler nicht zwingend Topathleten sind und Topathleten noch seltener begnadete Darsteller. Doch in den vergangenen Jahren ist die Auswahl gelungener Filme immer größer geworden: Die SZ-Sportredaktion stellt in den kommenden Wochen 22 von ihnen vor und kürt damit die - höchst subjektiven - 22 besten. Diesmal Platz 21: "Rush".

Niki Lauda hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Er wollte ohne Umwege durch sein Leben schnellstmöglich zum Ziel kommen. Vor allem ins und im Formel-1-Auto, das er in den frühen 1970ern eroberte. Sein härtester Rivale war ein 28-jähriger Engländer, der - dramaturgisch ein herrlicher Zufall - sein genaues Gegenbild war: der verspielte, lockere, lebensfreudige Hallodri James Hunt (Chris Hemsworth). Man versteht, warum der Brite so eine magnetische Wirkung auf Frauen hatte, und der Film besteht den ersten Test, wenn Olivia Wilde die Angel nach ihm auswirft. Man versteht allerdings auch, warum das dann selten lange hielt, Hunts Verbrennungsmotor lief einfach zu schnell. (Im Film kommt Lauda in dieser Hinsicht aber auch ganz gut weg, Alexandra Maria Lara hat die bessere Rolle als Olivia Wilde.)

Lauda und Hunt trieben sich gegenseitig so an, dass es fast unvermeidlich war, dass es zu einem Crash kam. 1976 auf dem mythischen alten Nürburgring erwischte es den Österreicher. Der Feuerunfall ist furchterregend gut nachgestellt, aber erst die Szenen danach - wie Lauda bei der Reha und der Wundbehandlung Gas gibt, um doch noch die WM-Jahreswertung zu gewinnen - sind grenzwertig hart, also genau richtig: Laudas wache Augen im Gegensatz zum müden Fleisch; wie die Bandagen an der Haut kleben; wie der Patient verlangt, dass seine Lunge noch einmal durchgespült wird; wie Lauda seinen Rennhelm aufsetzt; wie Hunt guckt, als er den Konkurrenten wiedersieht; und wie geraderaus Lauda auf die Sätze des Briten reagiert.

Das alles ist der Stoff, aus dem echte Dramen sind. Kaum zu glauben, dass der Hollywood-Filmemacher Ron Howard, der nach feinem Start als Regisseur ("Splash") jahrelang eher für softe, oft sogar überzuckerte Regie-Arbeiten berüchtigt war ("Apollo 13"), diesen Stoff anging und so konsequent blieb. Laudas Härte und das überwiegend europäische Setting färbten auf den Amerikaner ab. Angesichts der packenden Rennszenen ist es kaum zu glauben, dass Howard vor dem Projekt so gut wie nichts von Autorennen, geschweige denn der Formel 1 wusste.

Imposante Hauptdarsteller

Es hilft natürlich, dass die 1970er in jeder Hinsicht liebevoll rekonstruiert sind. Dass der Ton (wie auch in Asif Kapadias Doku "Senna") unter die Haut geht. Und dass die beiden Hauptdarsteller so imposant sind. Hemsworth ist fast zu schön, um Hunt zu sein. Aber er weiß, dass die Show einem anderen gehört, und er hat kein Problem damit. Daniel Brühl ist faszinierend als Niki Lauda: einerseits kühler Widerling, andererseits bewundernswert zielgerichteter Athlet. Und diese einschüchternde Aura hat der Schauspieler vom Österreicher gerne übernommen, wie er im SZ-Magazin verriet: "Wenn mir beim Dreh etwas nicht gepasst hat, hab' ich manchmal mit Nikis Stimme gesprochen, knapp, scharf, mit Akzent: "Who did it?" oder "The shooting ist too long. Let's finish." Es war ja ein komplett amerikanisches Filmteam. Ich hatte den Eindruck, die Leute haben dann eher gemacht, was ich wollte."

All das hebt den Film heraus aus einem Bündel starker Rennfahrer-Spielfilme: "Grand Prix" (mit James Garner); "Ford v Ferrari" (Le Mans 66: Gegen jede Chance, mit Christian Bale und Matt Damon, aber leider auch mit zwei scheußlichen Ehe-Alltagsszenen); "Le Mans" (mit Steve McQueen) oder vielleicht noch besser: die Verfolgungsjagd in "Bullitt" (wieder Steve McQueen); "Days of Thunder" (Tage des Donners; mit Tom Cruise auf dem Zenit seiner Eitelkeit); und nicht zuletzt: "Talladega Nights" (Ricky Bobby - König der Rennfahrer), eine hinreißend beknackte und oft ingeniöse Verballhornung von Männlichkeitsriten, in der sich Will Ferrell und Sacha Baron Cohen duellieren.

"Rush", (Deutscher Titel: Alles für den Sieg), 2013, Regie: Ron Howard

Bereits erschienene Rezensionen: Platz 22: "Free Solo"

© SZ.de/ska
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