SZ-Glosse "Linksaußen":Neues vom Clown aus München

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(Foto: SZ-Grafik)

Die großen Hallen und Stadien im Freistaat sind für Zuschauer zu, das ist schlecht. Oder doch nicht? Zumindest gibt es auch ein paar positive Aspekte.

Von Ralf Tögel

"Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen."

Johann Wolfgang von Goethe hat uns diese Zeilen hinterlassen, die gerade in diesen Zeiten etwas Zuversicht geben können. Kann man diesem winzigen Miststück von Virus, das so viel Unbill für jeden Einzelnen mit sich bringt, überhaupt etwas Positives abringen? Man kann. Ein kleines und aktuelles Beispiel: Kürzlich hat die Bayerische Staatsregierung die großen Hallen und Stadien im Freistaat ja für den Profisport geschlossen. Was nicht so ganz stimmt, ein paar Schlupflöcher gibt es natürlich, hier und da sind nämlich trotz der höchstfreistaatlichen Anordnung ein paar Fans gesichtet worden. Vielleicht war es ja gar nicht so ernst gemeint, nur ein Faschingsjux von dem "Clown aus München"? Wer das ist? Müsste man den Präsidenten des Fußballvereins Union Berlin, Dirk Zingler, fragen. Der hat den Spaßvogel nämlich kürzlich in Zusammenhang mit dem Zuschauerverbot in Stadien erwähnt. Muss wohl jemand aus der bayerischen Politik sein, der gewisse Entscheidungsbefugnisse besitzt. Aber das nur am Rande, zurück zu den verschlossenen Hallen und Stadien.

Persönliche Fan-Betreuung: Der Löwen-Präsident oder der FCB-Geschäftsführer suchen das Gespräch mit den Anhängern

Das ist per se nicht schön, klar, aber seither ist wieder genau zu verstehen, was denn im Rund, egal ob mit oder ohne Dach, so gesprochen, gesungen oder gebrüllt wird. Und das ist doch toll. Kürzlich in Dortmund zum Beispiel, als der Löwe wieder zu seiner Bissigkeit fand, da sangen die mitgereisten Sechzig-Fans ihrem Lieblingsstürmer Sascha Mölders ein Ständchen, das in kleiner Zuschauerschar gut zu verstehen war. Als Trost wohl, weil er nicht mehr mitmachen darf: "Siehst du, Sascha, so wird das gemacht", wurde intoniert, geradezu vorweihnachtlich stimmungsvoll. Und noch etwas Positives bringen die Mini-Kulissen mit sich. Die Vereine können sich endlich wieder adäquat um ihr Klientel kümmern. Löwen-Präsident Robert Reisinger etwa wurde in Dortmund mitten unter den Anhängern gesichtet, ein paar Worte plaudernd, sich austauschend. Mitgesungen hat er allerdings nicht.

Auch bei den Basketballern des FC Bayern gibt es angesichts der besonderen Umstände eine sehr persönliche Fan-Betreuung. Die Münchner Profis spielen zurzeit in schwarzen Trikots, was die ein oder andere rot-weiße Fan-Seele durcheinander bringt. Als so ein Seelchen beim Heimspiel der Roten in Schwarz also von weit oben auf der Tribüne, fast unter dem Dach des Audi Domes, "rot-weiße Trikots, wir wollen rot-weiße Trikots" schmetterte, war das nicht nur bis in die Kabinen zu hören. Geschäftsführer Marko Pesic ließ es sich nicht nehmen, dem trällernden Fan, der freilich eher einem brüllenden Büffel gleichkam, zu versichern, dass man, obwohl in Schwarz ungeschlagen, bald wieder in Rot antreten werde. Bei der Gelegenheit flüsterte er ihm gleich noch, dass es angesichts der neuen Verständlichkeit im Dome nicht gar so schlau war, das Gebrüll ausgerechnet in dem Moment anzusetzen, in dem ein Bayern-Profi Ruhe und Konzentration beim Freiwurf suchte.

Wie sagte doch Johann Wolfgang von Goethe: "Die Ruhe der Seele ist ein herrliches Ding und die Freude an sich selbst."

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