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SZ-Aktion "Coaches' Challenge":Vom Geist des Teilens

Spaß und Leistung bringt Salvatore Marsala (links) mit seinen Mannschaften in Einklang.

(Foto: privat)

Als Nachbarschaftsverein feiert der Ackermannbogen e.V. inzwischen auch sportliche Erfolge. Hinter der beeindruckenden Entwicklung steckt vor allem ein Name: Salvatore Marsala.

Von Celine Chorus, München

Im Rahmen der "Coaches' Challenge" haben die Dr.-Ludwig-Koch-Stiftung und die Süddeutsche Zeitung seit Anfang März besonders engagierte Übungsleiter gesucht. Die zwölf von der Jury ausgewählten Preisträger, bei deren Finanzierung die Münchner Stiftung die Vereine nun ein Jahr lang unterstützt, werden aktuell in der SZ vorgestellt. Hier Teil neun: Salvatore Marsala.

Es war das Glitzern in den Augen, das ihn bei einer Tasse Kaffee überzeugte, Salvatore Marsala, 35, für seinen Verein zu gewinnen. Anfangs konnte Daniel Riebesell nicht wissen, ob sich Marsala auch tatsächlich als Trainer eignen würde, und engagierte ihn zunächst nur als Assistenten - aber schnell sollte sich der Italiener als wahrer Glücksgriff erweisen: "Nach drei Monaten hat sich herausgestellt, dass er ein sehr gutes Gefühl für Kinder hat, und er hat eigentlich alle Mannschaften übernommen", erinnert sich Sportwart Riebesell.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2017 ist Marsala das Herz der Abteilung Hallensport beim Ackermannbogen e.V., der 2003 von den Anwohnern des gleichnamigen Neubaugebiets in Schwabing gegründet wurde. So ist die von Marsala trainierte U12 in der Bezirksoberliga gemeldet, auch mit der U14 spielt der Verein inzwischen in der Landesliga. Für einen Nachbarschaftsverein, der sich ursprünglich zur Aufgabe gemacht hatte, das gesellschaftliche Miteinander in der eigenen Nachbarschaft zu fördern, eine beachtliche Leistung.

Durch Basketball möchte Marsala den Kindern soziale Kompetenzen mitgeben

"Wir sind eine der kinderreichsten Ecken in München", erklärt Geschäftsführerin Heidrun Eberle. Damals seien die umliegenden Vereine jedoch allesamt überfüllt gewesen, weshalb man sich entschieden habe, den Kindern ein eigenes Sportangebot zu machen. Als Marsala und seine Frau vor vier Jahren in den Ackermannbogen gezogen sind, konnte die Abteilung zwar auf viele engagierte Trainer, aber kaum interessierte Kinder blicken. Mit seiner langen Erfahrung im Kinder- und Juniorenbereich sollte Marsala dem Verein zum sportlichen Erfolg verhelfen: "Er hat die entscheidende Entlastung gebracht, dass wir uns sowohl quantitativ als auch qualitativ steigern konnten", betont Riebesell.

Im täglichen Umgang steht für Marsala trotzdem an erster Stelle, dass die Kinder Spaß am Basketball haben und durch den Sport soziale Kompetenzen erwerben. Seit seinem ersten Training sei er von der Tatsache begeistert gewesen, dass im Basketball alle Spieler die Protagonisten sind: "Dies schafft einen Geist des Teilens." Indem die Kinder im Training außerdem lernten, fokussiert zu sein, könnten sie auch in der Schule gute Leistungen erbringen: "Ich glaube, diese Disziplin ist auch sehr wichtig für den Alltag", erklärt Marsala.

Als Spieler reichte es in seiner Heimat Palermo in der Region Sizilien einst nur für die Regionalliga, auf Anraten seines Trainers wechselte er deshalb vor mehr als zehn Jahren an die Seitenlinie. Erst versuchte Marsala, nebenbei auch selbst zu spielen, doch als beides nicht mehr zu realisieren war, blieb er an der Bande. "Ich habe in meinem Leben Kinder von der U8 bis zur U2o trainiert", sagt Marsala. Neben seinen bezahlten Übungsleiterstunden im Ackermannbogen e.V. arbeitet er inzwischen auch für das Projekt "Sport im Ganztag", mit dem der FC Bayern Ganztagsschulen in München bei der Betreuung in der Mittagsfreizeit unterstützt.

Durch seinen persönlichen Einsatz, der weit über die bloßen Trainingseinheiten hinausgehe, genießt er im Verein hohes Ansehen. Trotz seiner Verdienste sei Marsala ein sehr bescheidener Mensch, betont Heidrun Eberle, der sich selbst niemals in den Vordergrund stellen würde. In Bezug auf die Kinder habe er zudem "ein unglaublich gutes Einschätzungsvermögen", betont Riebesell: "Er macht keine Unterschiede zwischen Leistungsspielern und solchen, die nur zum Spaß kommen."

Erst vor wenigen Tagen ist Marsala näher an die Sporthalle gezogen

Um seine Schützlinge auch in den Monaten, in denen sie sich nicht gemeinsam in der Halle treffen konnten, bei Laune zu halten, trainiert Marsala nicht nur dreimal wöchentlich mit ihnen online, sondern hat auch Konzepte für Outdoor-Trainings entwickelt. Dadurch sei es ihm auch während der Pandemie gelungen, den Kontakt zu den Spielern und den Teamgeist in den Mannschaften aufrecht zu erhalten sowie sich spieltechnisch weiterzuentwickeln, erklärt Eberle: "Auch wenn derzeit keine Spiele möglich sind."

Marsala und der Ackermannbogen, das passte seit der ersten Minute. Wie sehr er sich inzwischen dem Verein verschrieben hat, zeigt sich auch daran, dass er vor Kurzem in eine neue Wohnung gezogen ist, die unweit der Sporthalle liegt. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass Marsala sich vorstellen kann, auch noch in zehn Jahren für den Verein zu arbeiten und dort Kinder und Jugendliche für Basketball zu begeistern. Zuerst möchte er mit seinen Mannschaften aber den nächsten Schritt gehen: "Wir wollen auch mit anderen Vereinen kooperieren, um in der Bayernliga zu spielen", erklärt Marsala: "Das ist unser Wunsch, denn die Kinder müssen ein Ziel haben."

Bisher erschienen: Miriam Storch, BC Hellenen, Basketball (3.5.); Yusuf Güngörmüs, SC Arcadia Messestadt, Judo (6.5.); Mahmoud Nasser, Bewegung und Spiel e.V., Fußball/Ballsport (8.5.); Carl Eggert, TuS Obermenzing, Hockey (10.5.); Daniel Valin da Silva, Urucungo e.V., Capoeira (11.5.); Nina Stambrau, HC Wacker München, Hockey (17.5.); Inga Rose, RG München 1972, Rudern (18.5.); Claudius Bicker, Freie Turnerschaft München, Turnen (20.05.)

© SZ/lib
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