Sympathien für Weltmeister Deutschland Die Deutschen tanzen mit Indianern

Sie kamen mit einer Fähre daher, wie gewöhnliche Bürger und Gäste. Ihre Profis wie der unaussprechliche Schweinsteiger tanzten mit Ureinwohnern der Pataxó den Indianertanz. Sie haben einen ruhigen Coach namens Löw, der nicht den Alleswisser gibt wie der Holländer Louis van Gaal oder wie Brasiliens Plauderer Luiz Felipe Scolari. Sie trugen bei manchen Partien sogar rotschwarze Trikots wie der Klub Flamengo, eine Art FC Bayern Brasiliens. Sie freuten sich wie Kinder, nachdem sie das Finale in Rios Maracanã gewonnen hatten, und standen dennoch respektvoll für den Verlierer Argentinien Spalier.

Das gefiel den Hausherren. "Belohnte Hartnäckigkeit und Sympathie", lobte ein Kolumnist der konservativen Zeitung O Estado de São Paulo. "Ein außergewöhnliches Benehmen" habe Alemanha innerhalb und außerhalb des Platzes gezeigt. "Die Germanischen haben bei der WM gearbeitet und sich amüsiert." Sie seien nicht hochnäsig dahergekommen, nicht versnobt, "sie haben den Geist dieser Gegend zu verstehen gelernt, sie waren glücklich".

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Die Argentinier trafen nie aufs Tor, die DFB-Elf dagegen war zweikampfstark und ständig am Ball - das haben auch die Fernsehzuschauer gesehen. Doch die Zahlen zum WM-Finale halten auch Überraschungen parat.   Von Matthias Schmid

Deutschlands Spielweise beeindruckt sowieso schon länger in Lateinamerika, auch wenn der Argentinier Javier Mascherano etwas holzschnittartig festgestellt hatte, "das sind Maschinen". Sein Trainer Alejandro Sabella erläuterte feinsinniger, dass Löws Männer außer prächtiger Physis einen Hauch von Südamerika hätten und vielfach Kinder von Immigranten seien wie Khedira, Özil, Boateng.

Gut, argentinische Fans singen besser. Das "Super-Deutschland, olé" oder "Sieg!" klang etwas rustikal und "So ein Tag, so wunderschön wie heute" wie von gestern. Andererseits gingen den Brasilianern Argentiniens hämische Gesänge auf die Nerven, die Nachbarländer sind sich in herzlicher Rivalität verbunden.

Das brasilianische Sportblatt Lance titelte genüsslich: "Wie fühlst du dich, Argentinien?" Deutsche Anhänger sangen: "Ich bin kein Argentinier, ich bin Champion." Es hätte in Rio kaum jemand gestört, wenn die Christusfigur immer nachts schwarz-rot-gold angestrahlt würde. In Buenos Aires haben sie derweil das Gefühl, dass am Ende immer die Deutschen gewinnen.

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