Fußball-RegionalligaEiskalt erwischt

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„Das ist so ein ehrlicher Kerl“: Sven Bender, ehemaliger Bundesligaprofi und siebenfacher Nationalspieler, ist nicht mehr Trainer der SpVgg Unterhaching.
„Das ist so ein ehrlicher Kerl“: Sven Bender, ehemaliger Bundesligaprofi und siebenfacher Nationalspieler, ist nicht mehr Trainer der SpVgg Unterhaching. Matthias Balk/dpa
  • Sven Bender tritt zwei Wochen vor Saisonstart völlig überraschend als Trainer der SpVgg Unterhaching zurück.
  • Präsident Schwabl zeigt Verständnis für den Rücktritt, da Bender mit der aktuellen Mannschaft seine Ziele nicht erreichen könne.
  • Jugendtrainer Janek Frensch übernimmt vorerst das Training, Schwabl will über das Wochenende einen neuen Cheftrainer verpflichten.
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Gut 14 Tage vor dem Saisonstart tritt Unterhachings Trainer Sven Bender völlig überraschend zurück. Präsident Schwabl zeigt Verständnis und will kommende Woche einen Nachfolger verpflichten.

Von Stefan Galler und Christoph Leischwitz, Unterhaching

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An der Linie stand einer, den wohl nur Hachinger Insider kennen. Und natürlich die Jungs aus der U16, deren Trainer ist Janek Frensch nämlich normalerweise. Als sich die Regionalligafußballer der SpVgg Unterhaching am Donnerstagvormittag in der Sportschule Oberhaching mit dem Drittligisten Jahn Regensburg zu einem Testspiel trafen (das übrigens 2:0 für die Oberpfälzer endete), war der Jugendtrainer, der momentan die DFB-A+-Lizenz erwirbt, für die erste Unterhachinger Mannschaft verantwortlich. Er sprang in die Bresche, weil der eigentliche Übungsleiter, der ehemalige Profi Sven Bender, ziemlich überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte.

Die Regionalliga-Saison beginnt am 25. Juli für die Vorstädter mit einem Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth II, also ziemlich genau in zwei Wochen. Da kam der Abschied des 37-Jährigen zur Unzeit, er erwischte Unterhachings Präsidenten Manfred Schwabl auf dem falschen Fuß. „Ich hatte wirklich null Ahnung und auch keinen Plan B“, sagte Schwabl am Rande des Testspiels in Oberhaching, zeigt aber Verständnis für Bender: Es gebe „mehr als einen Grund“, warum dieser ausgerechnet jetzt gehe und nicht etwa zum vergangenen Saisonende, als der Verein ein „Übergangsjahr“ mit klein gebackenen Brötchen ausgerufen hatte. Den Ausschlag, sagt Schwabl, habe womöglich das Trainingslager zuletzt in Schlanders (Südtirol) gegeben: „Da hat er vielleicht gemerkt, dass manche auf Larifari gemacht haben.“

Und weil auch keine namhaften Zugänge geplant sind, habe Bender erst jetzt so richtig realisiert, dass er mit dieser Mannschaft wenig ausrichten und seine persönlichen Ziele nicht würde erreichen können. Derzeit steht in Flügelstürmer Alexander Beusch, 23, vom VfB Eichstätt lediglich eine externe Verpflichtung fest. Zwei Spieler sind zudem noch im Probetraining.

Aufgrund der fehlenden Perspektiven erhebt Schwabl auch keinerlei Vorwürfe gegen seinen bisherigen leitenden Angestellten. „Ich werde null Kritik an ihm üben. Ganz im Gegenteil: Ich verstehe ihn sogar. Der Schritt zeigt seinen Ehrgeiz und seine Konsequenz.“ Bender hat sich bislang nur in einer Pressemitteilung der SpVgg öffentlich geäußert: „Ich bin dem Verein sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, in Haching den nächsten Schritt in meiner Entwicklung als Trainer zu gehen. Ich blicke auf viele besondere Momente zurück, die mir in guter Erinnerung bleiben werden.“ Eines glaubt Schwabl ausschließen zu können: dass Bender ein anderes Angebot vorliegt. „Das hätte mir Sven gesagt, das ist so ein ehrlicher Kerl“, sagt Schwabl.

Das Gerücht, Bender würde zu 1860 zurückkehren, erscheint vage, alleine schon wegen der fälligen Ablöse

Dabei waren in manchen Medien längst Spekulationen aufgekommen, Bender wolle nun zurück zu seinem Ausbildungsklub, dem künftigen Hachinger Regionalliga-Rivalen 1860 München, womöglich sogar als Cheftrainer. Ein Gerücht, das allein deshalb sehr vage erscheint, weil die Löwen insolvent sind und, selbst wenn sie wollten, vom vorläufigen Insolvenzverwalter kein zusätzliches Geld erhalten, um eine Ablöse an einen anderen Verein zu zahlen. Da im Moment, wie Schwabl bestätigt, noch ein Vertragsverhältnis zwischen Bender und der SpVgg besteht, wären die Unterhachinger also berechtigt, eine solche Ablöse einzufordern.

Bleibt die Frage, wie es bei den Rot-Blauen weitergeht. Vorerst wird die Leitung des Trainings intern geregelt, bei den Einheiten fehlt übrigens Präsidentensohn Markus Schwabl aktuell, weil er sich auf seine Aufgaben als Sportdirektor konzentrieren muss. „Ich bekomme jede Minute ein anderes Trainerangebot“, sagt Vater Manfred Schwabl. Er lässt sich entlocken, dass er in Gesprächen mit einem Kandidaten für den Cheftrainer-Posten sei. Dabei handelt es sich laut dem Präsidenten übrigens nicht um Hachings Ex-Trainer Marc Unterberger, aber um einen anderen, der in der Region ziemlich bekannt ist. Der Klubpräsident will sich dazu nicht näher äußern. Nur so viel: „In der kommenden Woche wollen wir Klarheit schaffen.“

Wenn schon die beiden Münchner Klubs mit Erstligahistorie finanziell große Probleme haben, fragt man sich mit Blick auf die kommende Regionalliga-Saison, wer nach der Spielzeit eigentlich aufsteigen will. Unterhaching und Sechzig müssen sich jedenfalls aktuell mit ganz anderen Themen herumschlagen. Beim FC Schweinfurt 05 ist zwar der langjährige Mäzen Markus Wolf nach dem Drittliga-Abstieg zurückgetreten, dennoch sollen die Unterfranken willens sein, noch einmal den Sprung nach oben zu wagen. Neben Wacker Burghausen könnte auch der FC Bayern München II mit seinem neuen Trainer Dante ein Kandidat sein.

Seit dem Mittwoch ist schon mal der Spielplan für die Regionalliga Bayern bekannt. Und der weist ein interessantes Derby für den letzten Spieltag im Mai 2027 aus: Die SpVgg Unterhaching empfängt im Sportpark, der ja mittlerweile dem FC Bayern gehört, ausgerechnet die Münchner Löwen. Vermutlich geht es dann nicht um den Aufstieg, aber um viel Renommee. Und wer weiß schon, in welche Richtung sich die Trainerkarriere des Sven Bender bis dahin entwickelt hat.

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