bedeckt München

Surfen:Nicht Monster genug

German surfer Sebastian Steudtner drops in on a large wave during Nazare Tow Challenge at Praia do Norte in Nazare
(Foto: Rafael Marchante/Reuters)

Der Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner aus Nürnberg ist bei der Nazaré Tow Challenge in Portugal gestartet - einer neuen Wettbewerbsform seiner Sportart. Für Bestnoten reichte sein Auftritt aber nicht.

Von Anna Dreher

Die Welle ist beeindruckend groß gewesen. Nicht viele Menschen würden so eine wilde Fahrt auf einem Surfbrett gesund überstehen und danach fast schon lässig aus der tosend um sich greifenden Gischt hinausgleiten, wie es Sebastian Steudtner am Dienstag getan hat. Der Nürnberger kennt sich aus mit dem Naturschauspiel, das sich mal wieder ereignet hat: 15, 20 oder gar mehr als 25 Meter hohe Wellen, die den portugiesischen Küstenort Nazaré zu einem Mekka für Big-Wave-Surfer gemacht haben. Steudtner kennt sich dort besonders gut aus - mit dem Hochgefühl des extremen Wellenritts und der damit verbundenen Gefahr. Seit Jahren jagt er die größten Wellen der Welt, Monsterwellen, wie viele sagen. Ein Bestreben, das eigentlich nicht in die klassischen Wettbewerbsformen seines Sports passt.

In dieser Woche erlebte der 34-Jährige also ein Novum in Nazaré. Vergangenen August hatte der Weltverband World Surf League (WSL) bekannt gegeben, dass die Big Wave World Tour umstrukturiert werden solle mit zwei Stopps: Jaws auf Hawaii und Nazaré. Und dort auch nicht wie sonst mit in die Wellen paddelnden, sondern angesichts der immensen Größe von einem Jetski hineingezogenen Surfern - als Nazaré Tow Challenge. Zehn Teampaarungen nahmen daran am Dienstag teil: 19 Männer und in der Brasilianerin Maya Gabeira sowie der Französin Justine Dupont zwei Frauen. Statt den Kampf schon auf offenem Meer zu eröffnen, sah der Modus pro Team zwei Zeitfenster innerhalb der sechs einstündigen Durchgänge vor. Alle sollten garantiert gute Wellen erwischen.

Steudtner bildete mit Gabeira das "Team World". Aber so beeindruckend die Wellen auch waren, die beide an diesem Tag erwischten, stachen sie bei der Jury-Bewertung des Filmmaterials nicht deutlich genug hervor. Bei den Männern wurde Kai Lenny aus Hawaii für die Welle des Tages ausgezeichnet, bei den Frauen war es Justine Dupont. Lenny und der Brasilianer Lucas Chianca erhielten als "Team Young Bulls" noch die großen Trophäen für das beste Duo des Tages. Wer was gewonnen hatte, war aus tragischen Gründen dann nicht so wichtig: Der Portugiese Alex Botelho und der zu diesem Zeitpunkt den Jetski fahrende Hugo Vau verunfallten in den Wassermassen schwer. Botelho wurde bewusstlos an den Strand gespült, Rettungskräfte leisteten erste Hilfe. Beide kamen ins Krankenhaus und sollen stabilisiert sein, meldete die WSL am Mittwoch.

© SZ vom 13.02.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema