Superclásico Boca vs River Argentiniens Fußball ist eine Geisel der Gewalt

Rivers Partie am Sonntag gegen Gimnasia (3:1) im Monumental geriet zur Protestkundgebung. Die Fans schrien gegen die eigenen Hooligans, vor allem aber gegen die Conmebol und Argentiniens Staatschef Mauricio Macri. Dem früheren Boca-Präsidenten (1995 bis 2007) wird Verschwörung unterstellt: Um den Fanatikern die Attacke zu erleichtern, habe man den Bus absichtlich schutzlos vor dem Stadion vorfahren lassen und so den Abbruch provoziert. Die River-Anhänger sind nicht nur zornig, weil sich die meisten den Madrid-Trip nicht erlauben können. Sondern auch aus sportlichen Gründen. "Sie haben uns das Heimrecht gestohlen", kritisiert auch Trainer Marcelo Gallardo, "es ist eine Schande!"

Weil der Fußball in Argentinien eine Geisel der Gewalt ist, wurde 2013 in den Stadien der Zugang von Gästefans gesetzlich verboten, die Bombonera war neulich nur mit Boca-Anhängern gefüllt. Im Bernabéu-Stadion werden nun gleich viele Sympathisanten beider Teams erwartet.

Warum das Finale nicht in Argentinien gespielt wird? Der Verband am Auge des Boca-Spielers Gonzalo Lamardo (links neben Wilmar Barros) erinnert an die Szenen, die zur Absage des Rückspiels vor zwei Wochen führten.

(Foto: Gustavo Garello/AP)

Tausende Boca-Fans verabschiedeten Stürmer Carlos Tevez und die Kollegen am Dienstag an der eigenen Arena (die wegen eines falschen Bombenalarms zwischenzeitlich geräumt wurde). Eigentlich gehöre River disqualifiziert - und der Pokal direkt in die eigene Vitrine, hieß es dort, schließlich wurde vor drei Jahren River auch in die nächste Runde durchgewunken, als Boca-Fanatiker die gegnerischen Spieler im Achtelfinale mit Pfefferspray drangsalierten. Die Juniors behalten sich vor, im Falle einer Niederlage am Sonntag vor den Internationalen Sportgerichtshof zu ziehen.

Madrid freut sich über satte Einnahmen

Spaniens "Policia Nacional" rüstet sich derweil schon für das ihr zufolge riskanteste Ereignis der Madrider Stadtgeschichte. Was sonst in Monaten geplant würde, muss diesmal in wenigen Tagen gehen. Anhänger, die in Chartermaschinen erst am Sonntag ankommen, sollen in Bussen an den Paseo de la Castellana gebracht werden, den Boulevard, an dem das Bernabéu thront. Die Fans in Weiß-Rot (River) werden sich rund einen Kilometer nördlich sammeln, die in Blau-Gelb (Boca) südlich. Im Stadion selbst wird ein freier Block einen Puffer bilden. Bekannte Hooligans sollen in Argentinien festgehalten werden, doch im Internet zirkulieren schon Fotos, die einige beim Einchecken am Flughafen zeigen.

Der Abgesandte der spanischen Regierung, José Manuel Rodriguez Uribes, hat für Freitag 11 Uhr die Polizeichefs zur Besprechung bestellt, dann wird entschieden, wie viele Einsatzkräfte wo positioniert werden. Die Gesamtzahl wird nicht bekannt gegeben, aber es seien "weit mehr" als die 2500 bei Spaniens Klassiker Madrid gegen Barcelona. Spezialisten aus Argentinien sind ebenfalls dabei. Auf der Ehrentribüne wird Lionel Messi den Superclásico als Gast der Conmebol verfolgen, Cristiano Ronaldo soll ebenfalls Karten bestellt haben. Geheimsache bleibt, ob Macri kommt. Wenn ja, dann dürfte ihn Spaniens Ministerpräsident begleiten.

Pedro Sanchez und Madrids Bürgermeisterin Manuela Carmena freuen sich über satte Einnahmen. Zwischen 20 000 und 40 000 Besucher werden erwartet, deren Ausgaben für Flugtickets, Hotels und alles Weitere werden auf mindestens 55 Millionen Euro hochgerechnet. Dazu werden etwa 200 Millionen Menschen weltweit das universale Spiel im Fernsehen verfolgen. Werbung für die spanische Hauptstadt, die am 1. Juni dann schon wieder ein Finale beherbergt: das der europäischen Champions League, im Stadion von Atletico. Ein Kinderspiel im Vergleich.

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