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Florentino Pérez zur Super League:"Die Reichen verlieren jetzt eine Menge Geld"

Real-Präsident Pérez: Super League ist noch nicht gescheitert

Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid, glaubt weiter an die Super League.

(Foto: Manu Fernandez/dpa)

Trotz der Erschütterungen für die Super League glaubt Real-Präsident Pérez weiter an sein Rebellenprojekt. Und er macht klar, worum es ihm geht - in Italien gerät derweil Juve-Boss Agnelli unter Druck.

Real Madrids Präsident Florentino Pérez hat trotz des Chaos der vergangenen Tage weiter Hoffnung auf eine Super League. Das Projekt sei auf "Stand-by", sagte der Boss des spanischen Fußball-Rekordmeisters dem Radiosender Cadena Ser. Die Pläne für eine neue Eliteliga existierten, "aber die Hälfte von ihnen ist gegangen, müde von dem, was sie in den vergangenen 24 Stunden gehört haben."

Auf die Frage, ob es falsch sei zu denken, dass der Wettbewerb nun tot sei, antwortete Pérez: "Auf jeden Fall. Wir arbeiten daran. Es wird etwas herauskommen, von dem die Welt denkt, dass es das Beste ist." Die Europäische Fußball-Union (Uefa) habe "eine Show hingelegt", fügte er hinzu: "Sie haben es so aussehen lassen, als hätten wir eine Atombombe abgeworfen. Die Reichen verlieren jetzt eine Menge Geld."

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin attackierte wiederum den Real-Boss massiv. "Pérez ist der Präsident einer Superliga, die es nicht gab, und derzeit ist er der Präsident von nichts. Mir ist seit langem klar, dass er keinen Uefa-Präsidenten wie mich will. Das ist nur ein noch größerer Anreiz für mich zu bleiben", sagte der 53-Jährige dem slowenischen Fernsehsender Pop TV. "Er hätte gerne einen Uefa-Präsidenten, der ihm gehorcht, der ihm zuhört, der tut, was er will."

Zwölf Größen des internationalen Fußballs hatten in der Nacht zu Montag die Gründung einer von der Uefa unabhängigen und milliardenschweren Super League angekündigt. Nach der Absage von Atletico Madrid, Inter Mailand und des AC Mailand sowie der sechs englischen Klubs hatte Hauptinitiator und Juventus-Boss Andrea Agnelli erklärt, die Pläne seien verworfen worden.

Pérez räumt ein, dass Änderungen nötig seien

"Eine Superliga hat es meiner Meinung nach nie gegeben. Es war der Versuch, eine Phantom-Liga der Reichen zu gründen", sagte Ceferin, "die keinem System folgen würde, die den Pyramidenaufbau des Fußballs in Europa nicht berücksichtigen würde, nicht seine Kultur, Tradition oder Geschichte." Er habe an die Macht des Fußballs geglaubt: "Fußball kann beträchtliche soziale Bewegungen auslösen, und ich war mir sicher, dass dies in England der Fall sein würde. Nach den Reaktionen von Boris Johnson, Emmanuel Macron und Viktor Orban sowie der Europäischen Kommission war mir klar, dass dies schnell zu Ende sein würde."

Pérez gab zu, dass Änderungen an dem Projekt vorgenommen werden müssten und schlug vor, dass sich vier Teams aus jedem Land qualifizieren könnten. "Ich bin traurig und enttäuscht. Wir haben drei Jahre lang daran gearbeitet und gegen die finanzielle Situation im spanischen Fußball gekämpft", sagte Pérez. Einzig Real Madrid, Juventus Turin und der FC Barcelona verzichteten nach dem massiven Widerstand von Verbänden, Ligen und Fans bislang auf einen offiziellen Rückzug.

Er habe noch nie eine solche Aggression gesehen, "vom Präsidenten der Uefa und einigen Präsidenten der nationalen Ligen", sagte Pérez: "Es schien orchestriert, es hat uns alle überrascht. Als hätten wir den Fußball getötet. Wir haben daran gearbeitet, wie man den Fußball retten kann."

Agnelli hat viele in Fifa und Uefa verärgert

In Italien wächst derweil der Druck auf Juve-Boss Agnelli, den Mitinitiator des Projekts. Italienische Medien spekulierten am Donnerstag über seine Zukunft in Turin. Agnelli hatte gesagt, dass er sich nun voll auf seinen Verein konzentrieren wolle. Durch den Vorstoß mit dem Super-League-Projekt hatte der 45-Jährige allerdings viele in der Uefa und der Fifa verärgert und gleichzeitig sein Amt als wichtiger Uefa-Sportfunktionär aufgegeben. Ein Rücktritt bei Juve schien zwar unwahrscheinlich.

Dennoch brachten mehrere Medien den Cousin Agnellis, Alessandro Nasi, als möglichen Nachfolger ins Spiel. Bewegung in etwaige Personaldebatten könnte der Gazzetta dello Sport zufolge im Mai nach der Meisterschaft in der Serie A kommen. Andrea Agnelli gehört zu einer berühmten gleichnamigen Unternehmerfamilie in Italien. Sie hatte die Automarke Fiat mitgegründet. Er ist auch verwandt mit John Elkann, dem Vorstandsvorsitzenden der Investmentgesellschaft Exor, die wiederum fast 64 Prozent der Anteile an Juventus hält. Elkann dürfte deshalb auch eine wichtige Rolle für die Zukunft Agnellis spielen.

© SZ/dpa/bek
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