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Super Bowl:Könige beim Rasenschach

Super Bowl LIII - New England Patriots v Los Angeles Rams

Die Patriots besiegen die Rams in einem von Taktik geprägtem Spiel 13:3.

(Foto: Maddie Meyer/AFP)
  • Patriots-Headcoach Bill Belichick zeigt beim Super-Bowl-Sieg seine taktische Finesse. Durch seine geschickten Defensivformationen entscheiden die Patriots die Abwehrschlacht.
  • Tom Brady führt seine Mannschaft genau dann in die gegnerische Endzone, wenn es darauf ankommt - im Schlussviertel.
  • Die Patriots siegen auch, weil sie als Mannschaft funktionieren.

Da saß er nun, der erst 33 Jahre alte Footballtrainer Sean McVay, der als Genie gilt und als einer, der als Silicon-Valley-Unternehmer längst Milliardär wäre. Nach diesem Super Bowl allerdings, nach der 3:13-Niederlage seiner Los Angeles Rams gegen die New England Patriots, da wirkte McVay nicht wie ein Genie oder wie der Chef eines Startups, sondern wie ein Kind im Sandkasten, dem der ältere und stärkere Widersacher gerade die Burg kaputt getreten hat. "Ich bin gerade ziemlich benebelt", sagte McVay mit heiserer Stimme, er wollte die Partie gar nicht detailliert analysieren: "Was das alles so schlimm macht: Es ist so endgültig, ich kann meine Fehler nicht wieder gutmachen. Ich habe heute als Trainer eine Lehrstunde bekommen."

Es gibt zwei Lesarten für dieses Finale der amerikanischen Football-Profiliga NFL. Wer auf eine spektakuläre Partie mit abenteuerlichen Spielzügen und vielen Punkten gehofft hatte wie im vergangenen Jahr, als die Philadelphia Eagles 41:33 gegen die Patriots gewannen, dürfte wohl nur von der langweiligen Halbzeitshow der kalifornischen Poprock-Kapelle Maroon 5 schlimmer enttäuscht sein als vom Geschehen auf dem Spielfeld.

Bilder zur Halbzeitshow

Big Boi im Rapper-Nerz

Zum besseren Verständnis, warum alle Freunde von Spektakel-Football so ernüchtert waren, seien die Resultate sämtlicher Angriffssequenzen der Rams aufgelistet: Punt, also ein wegen mangelnden Raumgewinns nach vorne getretener Befreiungschlag. Punt. Punt. Punt. Punt. Punt. Punt. Punt. Field Goal. Punt. Interception, also ein abgefangener Ball. Verschossener Field-Goal-Versuch.

Football wird nicht umsonst Rasenschach genannt

"Das fühlt sich gerade an wie ein Tritt in die Magengegend, und ich habe das Gefühl, dass dieser Schmerz erst einmal nicht nachlassen wird", sagte McVay. Es liegt nahe, den unerfahrenen Cheftrainer und die größtenteils unerfahrenen Offensivspieler für die schlimme Niederlage verantwortlich zu machen. "Wir haben verloren, weil ich nie ein Gefühl für diese Partie entwickelt habe und uns deshalb keine Chance auf den Sieg gegeben habe", sagte McVay; sein erst 24 Jahre alter Spielmacher Jared Goff ergänzte: "Es ist unser Job, Punkte zu erzielen - das haben wir nicht getan. Das ist die schlimmste Niederlage meines Lebens, gerade weil uns die Defensive im Spiel gehalten hat. Es ist schrecklich."

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, diese Partie und ihren Ausgang zu beschreiben, dafür braucht es der Vollständigkeit halber die Resultate sämtlicher Angriffssequenzen der Patriots: Interception. Verschossener Field-Goal-Versuch. Punt. Field Goal. Punt. Ballverlust wegen mangelnden Raumgewinns. Punt. Punt. Punt. Touchdown. Field Goal. Ja, es war für Offensiv-Ästheten tatsächlich so öde, wie sich das nun liest.

Allerdings wird Football nicht umsonst immer wieder mal "Rasenschach" genannt, und für all jene, die sich für Taktik begeistern können, für das Übertölpeln des Gegners über geschickte Defensivformationen, für das Pokerspiel zwischen zwei Trainern, dürfte dieses Endspiel ein Leckerbissen gewesen sein. Es geht beim Football immer auch darum: Was hat der Gegner vor? Was denkt er, dass wir dagegen tun? Was denkt er, dass wir denken, dass er denkt, dass wir tun werden? Denkt er, dass wir das Gegenteil von dem tun werden, was er gerade denkt? Ja, Football ist tatsächlich so kompliziert und strategisch interessant, wie sich das nun liest.

Dem Patriots-Trainer Bill Belichick ist mal wieder eine taktische Meisterleistung in einem Endspiel gelungen, gerade in der Defensive. Er hat durch seine Formationen permanent Anstürme auf den gegnerischen Spielmacher Goff angedeutet, nur: Wer mit möglichst vielen Leuten Druck ausüben will, der hat weniger Spieler zur Deckung zur Verfügung. Belichick allerdings erreichte genügend Druck mit wenigen Akteuren, die er geschickt ausschwärmen ließ, er konnte so genügend Leute zum Abdecken möglicher Passempfänger abstellen. Goff wirkte fahrig, überfordert, entnervt.