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San Francisco 49ers:"Ich bin ganz sicher nicht die Quotenfrau hier"

American Football: Katie Sowers, Trainerin bei den San Francisco 49ers

Keinerlei Berührungsängste: Katie Sowers, Spezialtrainerin beim Super-Bowl-Teilnehmer San Francisco 49ers.

(Foto: imago images/ZUMA Press/Karl Mondon)
  • Katie Sowers ist die erste Frau, die beim Super Bowl als Trainerin mitwirkt.
  • Bei den San Francisco 49ers ist sie zuständig für die Laufwege der Passempfänger.
  • Es sollte keine Rolle mehr spielen, dass Sowers eine Frau ist, doch das tut es, und sie weiß das.

Es sollte keine Rolle spielen, doch das tut es, und Katie Sowers weiß das. Am Sonntag wird in Miami der Super Bowl ausgetragen, das Endspiel der Footballliga NFL, die San Francisco 49ers spielen gegen die Kansas City Chiefs, Sowers wird die erste Frau sein, die als Trainerin beteiligt ist. Sie ist bei den 49ers zuständig für die Laufwege der Passempfänger, das Spiel wird sie oben in der Trainerloge verfolgen, dort, wo beim Football über Spielzüge entschieden wird. Ach ja: Sowers wird auch der erste offen homosexuelle Coach in der Geschichte dieses amerikanischen Festtages sein. Auch das sollte keine Rolle spielen, doch das tut es, und Sowers weiß das.

Sie weiß das, weil es derzeit eine größere Debatte in der NFL gibt, in der es nicht nur um das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung geht, sondern um eine möglicherweise systematische Benachteiligung. Zum Beispiel sind mehr als 70 Prozent aller NFL-Spieler dunkelhäutig, aber nur drei von 32 Cheftrainern: Mike Tomlin (Pittsburgh Steelers), Anthony Lynn (Los Angeles Chargers), Brian Flores (Miami Dolphins).

Und nur ein Manager ist schwarz, Chris Greer von den Dolphins. Die 2003 eingeführte "Rooney Rule", der zufolge Vereine auf Trainersuche mindestens einen nicht hellhäutigen Kandidaten zum Vorstellungsgespräch einladen müssen, ist mittlerweile eher ein Witz, den schwarze Trainer gar nicht lustig finden, weil sie glauben, ohnehin keine Chance zu haben und nur ihre Zeit zu verschwenden.

"Es ist lächerlich und ekelhaft", schrieb ein dunkelhäutiger NFL-Assistenztrainer kürzlich in einer SMS an den Reporter Jim Trotter vom ligaeigenen NFL Network über seine Erfahrungen beim Auswahlprozess. Er wolle anonym bleiben, aus Angst vor Konsequenzen: "Wir dürfen Tickets verkaufen und Spiele prägen, aber wir dürfen keine Mannschaft führen." Steht NFL also womöglich nicht für National Football League, sondern für Not For League? Im Sinne von: Nicht für Schwarze. Nicht für Homosexuelle. Nicht für Frauen.

Sowers will den Rummel um ihre Person nutzen

Sowers weiß, dass Hautfarbe, Geschlecht oder sexuelle Orientierung keine Rolle spielen sollten bei der Bewertung eines Trainers, sie sagt: "Ich bin ganz sicher nicht die Quotenfrau hier - ich helfe den 49ers beim Gewinnen." Sie weiß aber auch, dass sie eine Ausnahme ist, und sie hat beschlossen, nicht so zu tun, als wäre ihre Anstellung so normal, wie sie sein sollte. Sie will den Rummel um ihre Person nutzen, um sich für Veränderung einzusetzen. Es gibt einen Werbespot von Microsoft, der derzeit oft gezeigt wird, Sowers erzählt darin ihre Geschichte, damit andere verstehen, wie viel noch getan werden muss.

Vor 25 Jahren schrieb sie einen Brief an sich selbst: "Ich hoffe, dass ich mal Teil eines richtigen Football-Teams sein werde." Sie spielte damals als Grundschülerin gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Liz auf einem Platz in der Kleinstadt Hesston im US-Bundesstaat Kansas, keiner interessierte sich fürs Geschlecht: "Wer aufgetaucht ist, hat gespielt." Sie wollte Profi werden, bei den Dallas Cowboys, die gerade den Titel gewonnen hatten. Sie sah jedoch, dass in den großen Stadien, anders als auf dem Bolzplatz, nur Männer mitmachen durften, und sie sah, dass alle das für normal hielten. Teil eines richtigen Football-Teams sein? Wie denn?

Sie wurde ein sportliches Multitalent und wählte Disziplinen, bei denen auch Frauen mitmachen durften: Fußball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik. Als Studentin schaffte sie es am Goshen College im Bundesstaat Indiana in drei Mannschaften, ihre sexuelle Orientierung war bekannt. Nach dem Abschluss 2009 bot sie dem Basketballtrainer an, ohne Bezahlung als Assistentin zu arbeiten. Dessen Antwort: "Einige Eltern wollen nicht, dass ihre Töchter mit jemandem zu tun haben, der lesbisch ist." Er bat Sowers, sich künftig vom Team fernzuhalten.

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