Roger Goodell beim Super Bowl:Der Mann, der die NFL noch reicher macht

  • Roger Goodell erklärt vor dem Super Bowl seine Pläne für die NFL.
  • Der Commissioner des American Football in den USA ist ein Mann, dem es im Grunde nur um Zuwächse seiner Liga geht.
  • Auch eine Expansion nach China scheint den 59-Jährigen zu interessieren.

Von Felix Meininghaus, Atlanta

Der Thomas B. Murphy Ballroom im Georgia World Congress Center in Atlanta war am Mittwochnachmittag für eine dreiviertel Stunde der Nabel der Football-Welt. Rund 600 Journalisten drängelten sich im Saal, Dutzende Fernsehstationen hatten ihre Kameras aufgebaut, zahlreiche Vertreter der Radiostationen warteten mit ihren Mikrophonen. All das Warten galt einem Menschen, der als mächtigste Figur im Zig-Milliarden-Dollar-Business National Football League (NFL) gilt. Wie jedes Jahr, wenn das größte Einzelsport-Ereignis überhaupt ansteht, das die halbe Welt elektrisiert: der Super Bowl. Jedes Jahr Anfang Februar kommt der Moment, wenn die hohe Zeit des Ligabosses gekommen ist: Roger Goodell, 59 Jahre alt, aus Jamestown im Staate New York, Commissioner der NFL.

Goodell nahm also hinter seinem Pult Platz und sprach in seiner Einleitung salbungsvolle Worte: "Wir könnten nicht aufgeregter sein", gab der mächtige Funktionär zu Protokoll, "es gibt keinen besseren Zeitraum, Teil der NFL zu sein." Im Anschluss begann eine Fragerunde, die eher zu einem Rundumschlag geriet. Vier Tage vor der 53. Auflage des Super Bowl in Atlanta gab es zahlreiche Themen zu besprechen: Das landesweit diskutierte, nicht geahndete Foul in der Schlussphase des Halbfinals zwischen den Los Angeles Rams und den New Orleans Saints, die Freigabe von Marihuana zur Schmerzbehandlung, und dann auch noch Präsident Trump, der eine zu harte Gangart im Football bemängelt.

Außerdem der Umgang mit Quaterback Colin Kaepernick, der sich aus Protest gegen Rassismus in den USA weigert, beim Abspielen der Nationalhymne aufzustehen, und seit längerem ohne Job ist. Und die offensichtlich elementare Frage, ob beim Spiel am Sonntag das Dach im Stadion geöffnet oder geschlossen ist.

Das Interesse an American Football ist zwischen New York und Kalifornien so gewaltig, dass auch die abseitigsten Punkte als wichtige Nachricht erscheinen. Zwischendurch ließen die grimmigen Sicherheitsmenschen sogar einen kleinen Jungen ans Mikrophon, der vom Commissioner wissen wollte, ob er sich eher als Funktionär oder als Fan fühle. Das klang ziemlich inszeniert, doch das machte den Beteiligten nichts aus.

Im Gegenteil, es geht bei diesen Terminen der NFL nicht in erster Linie um Inhalte, sondern darum, die gigantische Vermarktungsmaschine der Liga weiter anzukurbeln. Goodell antworte auf alle Fragen mit der Attitüde eines Politikers, der dem gängigen Klischee dieses Berufsstands entspricht: Viel reden, wenig sagen. Wer Goodells Auftritt wohlwollend interpretiert, konnte seinen Umgang mit dem Fragen-Bombardement souverän finden. Aalglatt träfe es aber auch.

Goodell hat nur ein Ziel

Der Mann ist viel zu abgebrüht, um sich von einer Meute von Journalisten aus der Reserve locken zu lassen. Schließlich ist es nicht Goodells Kernkompetenz, tiefgreifende Analysen zum sportlichen Geschehen und zu den gesellschaftlichen Nebengeräuschen seiner Sportart zu geben. De facto ist seine mit Abstand wichtigste - manche Beobachter sagen sogar einzige - Aufgabe, den Reichtum seiner Organisation und der 32 Klubs zu mehren, die das gigantische Spektakel American Football mit Leben füllen.

Es geht nicht um Feinheiten, es geht um Big Business. Längst hat sich American Football als weltweit potenteste Sportmarke etabliert. Kolportierte 15 Milliarden Dollar Jahresumsatz werden derzeit mit dem Werfen und Fangen des eiförmigen Balles generiert. Tendenz steigend. Der Plan lautet, die jetzt schon gigantische Summe innerhalb der kommenden acht Jahre auf 25 Milliarden zu steigern.

So hat es Goodell im Jahr 2010 verkündet. Viele Experten sind nun der Überzeugung, dass der große Geschäftemacher auf einem guten Weg ist. Der Commissioner schafft immer mehr Geld ran, dafür lässt er sich fürstlich entlohnen. Und zwar mit sagenhaften 200 Millionen Dollar für seinen bis 2023 datierten Fünf-Jahres-Vertrag. Dazu kommt das Privileg, den Lear Jet der NFL bis zum Ende seines Lebens nutzen zu dürfen.

Um den Auftrag erfüllen zu können, mit aller Macht zu wachsen, gibt es keine Denkverbote. Zum Beispiel die Expansion der ur-amerikanischen Sportart in fremde Länder. In London und Mexiko ist die NFL bereits vorstellig geworden - nun gilt es, sich auch auf anderen Märkten umzuschauen. Als ein chinesischer Journalist wissen wollte, ob auch sein Land für Football interessant sei, bezeichnete Goodell das Reich der Mitte vielsagend als "Priority Market" seiner Organisation. Es könne durchaus sein, "dass wir schon innerhalb der nächsten Monate aufregende Neuigkeiten zu vermelden haben". Dazu lächelte Goodell vielsagend. Die Aussicht, dass 1,4 Milliarden potentielle Neukunden das Geschäft mit der NFL ankurbeln, ist zu attraktiv, um auf Understatement zu machen. Und so endete in Atlanta der Auftakt zur "greatest Show on earth".

© SZ.de/jbe/rus
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