bedeckt München 24°
vgwortpixel

Super Bowl:Der Super Bowl, ein Hollywood-Drama

Riesenrückstand, der Held liegt am Boden, alles scheint verloren - aber dann rafft er sich auf und führt seine Leute zum Triumph: Der Sieg der New England Patriots folgt einem Drehbuch wie aus der Traumfabrik.

Tom Brady kniete auf dem Spielfeld, die Nasenspitze nur Zentimeter vom Rasen entfernt. Von der Seite kreisten die Fotografen ihn ein, von oben regneten Konfetti-Schnipsel auf ihn nieder. Blaue, weiße, rote; es waren die Klubfarben der New England Patriots, die nach dem dramatischen 34:28-Overtime-Sieg gegen die Atlanta Falcons mal wieder einem Super Bowl die finale Wendung gaben. Und es war Brady, der mit seinem fünften Titel das eigene Meisterwerk vollendete.

Mehr als zwei Stunden zuvor hatte Brady schon einmal in ähnlicher Pose verharrt. Nur ohne die Fotografen, ohne das Konfetti, und vor allem ohne die Aussicht, dass am Ende dieses wichtigsten Footballspiels der Welt die Konfetti-Schnipsel seines Klubs fliegen würden.

Super Bowl Völlig gaga!
Halbzeitshow beim Super Bowl

Völlig gaga!

Politik und Sport gehören nicht zusammen? Was für ein Unsinn! Die Künstlerin Lady Gaga platziert ihre Botschaften in der Halbzeitshow des Super Bowl subtil.   Von Jürgen Schmieder

Die erste Halbzeit war noch nicht abgeschlossen, da hatte Brady einen Hechtsprung vollführt. Wenn New Englands Spielmacher hechtet, ist der Anlass stets ein besonderer. Meistens macht er das, um den Football in die Endzone zu schleppen. Dieses Mal aber streckte er sich in der Hoffnung, einen eigenen Fehler zu entschärfen. Gerade hatte Brady den Ball in die Arme von Atlantas Robert Alford geschleudert, der natürlich unverzüglich losgeflitzt und nach wenigen Metern auf Bradys Radar aufgetaucht war. Also hechtete er. Vergebens.

Und während Atlantas Verteidiger dem 21:0 entgegentänzelte, lag da, auf dem Super-Bowl-Spielfeld in Houston, die Nasenspitze nur Zentimeter vom Rasen entfernt, Tom Brady, 39, der vielleicht beste Quarterback der Geschichte.

Nur wollte ihm das lange nicht gelingen. Oder Atlanta wollte es ihm lange nicht gelingen lassen. Die Falcons-Verteidiger setzten Brady flott unter Druck, immer wieder schlängelten sie sich an den Beschützern des Spielmachers vorbei und stürzten sich auf ihn. Das Laufspiel bremsten sie mit gut gezielten Tacklings ein, die Passverteidiger ließen sich nur selten abhängen. Mickrige drei Zähler sammelten die Patriots in der ersten Halbzeit ein. Da staunten die Experten. Nun gilt Atlantas Cheftrainer Dan Quinn als einer der schlauesten Abwehrstrategen der NFL. Der 21:3-Pausenstand überraschte dennoch sehr, weil den Falcons zuvor immer die fähigen Verteidiger gefehlt hatten, um diese schlauen Ideen umzusetzen - und weil New Englands raffinierte Offensive normalerweise selbst die schlauesten Abwehrreihen auszuhebeln vermag.

Als Atlanta im dritten Viertel aber bereits zum vierten Mal in die Endzone eindrang und die Falcons sogar mit 25 Punkten Vorsprung führten, fragten sich selbst die stolzen Patriots-Fans, wie ihre Mannschaft diese Kombination aus explosivem Angriff und stabiler Abwehr austricksen sollten.