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Stand-Up-Paddling:Zick-Zack um die Boje

Berlin Finals 2019 Kajak Kanu Standup Paddling Normen Weber Kanu Schwaben Augsburg gewinnt vor

"Ich bin stark auf Sprintdistanzen und kann mich sehr gut um Bojen manövrieren." - Der Augsburger Normen Weber.

(Foto: Matthias Wjst/imago)

Zwischen Trendsport und Wettbewerb: Normen Weber verteidigt seinen deutschen Meistertitel im Stand-Up-Paddling. Das kennen die meisten nur als Freizeitbeschäftigung, doch wenn es um Titel geht, gibt es auch Kollisionen.

Von Johannes Müller

Vornüber gebeugt, den Blick nach unten gerichtet, stand Normen Weber auf dem Brett. Knie leicht angewinkelt, der ganze Körper unter Spannung. Mit dem Stechpaddel grub er sich vorwärts durch das Wasser auf der Regattastrecke in Duisburg. Bereits an der ersten Boje hatte er eine halbe Brettlänge Vorsprung auf seine drei Konkurrenten, nach dem zweiten Hindernis war es bereits eine ganze Brettlänge. Das ließ er sich nicht mehr nehmen, auf den Schlussmetern war der Sieg völlig ungefährdet.

Damit hat Weber, 35, vom Verein Kanu Schwaben Augsburg (KSA) seinen deutschen Meistertitel im Stand-Up-Paddling (SUP) verteidigt, obwohl er zuletzt in äußerst schwacher Form gewesen sei, wie er sagt. Aufgrund einer fünfwöchigen Bundeswehr-Übung hatte der Berufssoldat kaum Zeit zu trainieren. Auf einem Kaderlehrgang im Kanu-Wildwasserbereich habe er eine heftige Niederlage einstecken müssen. "Da habe ich gemerkt, dass ich die wenigen Tage vor den Finals nutzen muss, um eine entsprechende Fitness an den Tag legen zu können."

In einem Zick-Zack-Kurs müssen fünf Bojen umkurvt werden

In Duisburg kam ihm entgegen, dass die Stand-Up-Paddler im Cross antraten, einer Sprint-Disziplin auf kurzer Distanz; die Strecke war nur 215 Meter lang. Cross stellt zudem hohe Ansprüche an die Paddeltechnik der Athleten, da in einem Zick-Zack-Kurs fünf Bojen umkurvt werden müssen. Weber liegt das: "Ich bin stark auf Sprintdistanzen und kann mich sehr gut um Bojen manövrieren."

Er habe gewusst, dass er auf den ersten 100 Metern bis zur ersten Boje alles geben müsse, "weil die Kraft in meinen Armen anschließend schon langsam nachlässt", erzählt Weber. Den Start im Finale habe er dann gut getroffen, "und nach 20 Schlägen habe ich einen Flow gespürt, stand gut auf dem Brett. Es war ein rundum gelungenes Rennen."

SUP ist das, was man landläufig einen Trendsport nennt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Aufrechtpaddeln in Deutschland vor allem als Sommerspaß etabliert. Bei so viel Müßiggang verwundert es nicht, wenn manche Spötter die Paddel als Spazierstöcke bezeichnen.

Dass SUP auch ernsthafter sportlicher Wettstreit sein kann, in dem es auch zu Kollisionen der Kontrahenten kommt, wenn diese sich um die Hindernisse winden, ist dagegen wenig geläufig. Dabei mache gerade das den Unterhaltungswert des Sport aus, meint Weber: "Wenn es an den Bojen heiß zur Sache geht und der eine oder andere sich in Anführungszeichen auf die Fresse legt, dann sieht man sich das gern an."

International gehören deutsche Stand-Up-Paddler noch nicht zur Spitze

Weber ist Quereinsteiger. Als er 2012 zum SUP kam, war er bereits ein international erfolgreicher Wildwasserkanute. Ein Hersteller von SUP-Brettern bat ihn, eine neue Konstruktion zu testen. Wenig später ging er bei ersten Wettkämpfen auf bayerischen Seen an den Start. Und er ist sich sicher, dass ihn das SUP auch zu einem besseren Kanuten gemacht hat: "Ich war vorher schon recht erfolgreich international, habe aber in den entscheidenden Sequenzen bis dahin immer Fehler gemacht. Durch das SUP hat sich meine Muskulatur im Gleichgewichtsgefühl sensibilisiert."

Seitdem mache er weniger Fehler, wenn es drauf ankomme. 2013, als er nebenbei bereits ein Jahr Stand-Up-Paddling trainierte, gewann Weber den ersehnten Weltmeistertitel im Einzel, im Kanu-Wildwasser. Noch heute ist er international aktiv, vor allem, um das Kanu-Nationalteam zu unterstützen, aus dem er zwischenzeitlich bereits zurückgetreten war.

Ebenso erfolgreich auch im SUP zu werden, hält er dagegen für illusorisch. Mit den Österreichern, Schweizern oder Niederländern könnten er und andere deutsche Stand-Up-Paddler sich messen, sagt Weber. Auf höchster Ebene dagegen geben Amerikaner, Australier, Neuseeländer oder Franzosen den Ton an, was nicht zuletzt geografische Gründe hat. Schließlich sind die Stand-Up-Paddler aus diesen Küstenländern mit dem Surfen aufgewachsen und dominieren daher insbesondere Downwind- oder Technical-Wave-Wettbewerbe, die in der Tradition des Surfsports stehen.

Bei allem sportlichen Ehrgeiz geht es für Weber aber nicht mehr nur darum, "auf den ersten Plätzen zu liegen, sondern die Grenzen auszutesten". Und dann hat SUP ja immer noch einen großen Vorteil, den auch die Breitensportler wertschätzen, die Kulissen: "Man fährt an schöne Seen oder hat die Möglichkeit, Städte zu besichtigen, wie San Sebastian oder Bilbao. Da hat man einfach Spaß."

© SZ/lein/sewi
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