Süddeutsche Zeitung

Stuttgarter in München:Als Klinsmann in die Tonne trat

Wenn der FC Bayern in Stuttgart spielt, ist das für manchen Spieler ein Ausflug in die alte Heimat. Ein Überblick über VfB-Akteure, die in München glücklich wurden. Oder auch nicht.

Das Schönste an Stuttgart, hat Thomas Strunz einmal gesagt, sei die Autobahn nach München. Wenn Strunz das sagt, muss es schon stimmen, er ist immerhin Sport1-Experte. Die Autobahn nach München war einmal eine wertvolle Handelsroute, zuletzt wurde sie wiederentdeckt. Wenn an diesem Samstag (15.30 Uhr) der FC Bayern beim VfB Stuttgart spielt, dann wird das für einen Teil der Reisegruppe auch ein Ausflug in die alte Heimat. Zeit also für einen Überblick über VfB-Spieler, die beim FC Bayern glücklich wurden. Oder auch nicht.

Dieter Hoeneß (beim FC Bayern von 1979 bis 1987)

Dieter Hoeneß war beim VfB Stuttgart der erste Träger des Kosenamens "Schwabenpfeil". Hoeneß stieg mit dem VfB 1977 in die Bundesliga auf, wo er nach zwei Jahren - sehr zum Ärger des VfB - vom FC Bayern abgeworben wurde. Dass er nur lächerliche 150 000 Mark kostete, hatte er dem Tipp eines Insiders zu verdanken. Ein älterer Spieler des 1. FC Nürnberg hatte ihm geraten, sich diese Summe in den Vertrag schreiben zu lassen. Der ältere Spieler des 1. FC Nürnberg wurde kurz darauf ein sehr junger Manager beim FC Bayern. Sein Name: Uli Hoeneß.

Jürgen Klinsmann (1995 bis 1997)

Sein schönstes Tor erzielte Jürgen Klinsmann gegen den FC Bayern, seinen spektakulären Fallrückzieher aus der Saison 87/88 sieht man in nostalgischen Fernsehrückblicken manchmal heute noch. Es war allerdings nicht das Tor, mit dem wo sich der zweite Träger des Kosenamens "Schwabenpfeil" für den FC Bayern qualifizierte, vorher ging er noch nach Mailand und Monaco, Hauptsache Ausland. Nach einem weiteren Abstecher Richtung England landete er schließlich in Monaco/Bavaria, wo er in 65 Spielen 31-mal ins Tor und einmal in eine Tonne traf.

Thomas Strunz (1989 bis 1992 & 1995 bis 2001)

Kam vom FC Bayern zum VfB Stuttgart, der ohne Strunz gerade deutscher Meister geworden war. Mit Strunz wurde der VfB Siebter, Siebter und Zwölfter, worauf er wieder zu Bayern zurückkehrte, wo er viermal deutscher Meister wurde. War laut Giovanni Trapattoni ("Was erlaube Struuuuuuunz?") "immer verletzt", was nicht stimmen kann, weil er zumindest 97 Bundesligaspiele für Bayern machte. Spielte manchmal wie Flasche voll.

Giovane Elber (1997 bis 2003)

War beim VfB Teil des legendären "Magischen Dreiecks". Wurde vom FC Bayern als Eineck abgeworben und schaffte es, in München 92 Tore zu schießen - auch ohne Krassimir Balakow und Fredi Bobic.

Pablo Thiam (2001 bis 2002)

Nahm nach gerade einmal 16 Spielen in München die Autobahn nach Wolfsburg, die inzwischen auch eine recht ansehnliche Handelsroute geworden ist (Magath, Gustavo, Dante).

Felix Magath (2004 bis 2007)

Nutzte seine Jahre beim VfB, um sich von der Berufsbezeichnung "Feuerwehrmann" zu lösen. Verantwortlich für die Zeit der Jungen Wilden, mit denen er gelegentlich die Bayern ärgerte. Statt sich einen jungen Wilden zu kaufen, verpflichtete der FC Bayern lieber Magath, der in München zweimal Meister wurde. Nahm dann die Autobahn nach Wolfsburg.

Mario Gomez (2009 bis 2013)

Schaffte es, seine Torquote beim VfB (63 Tore in 121 Spielen) beim FC Bayern noch einmal zu steigern (75 Tore in 115 Spielen). Schaffte es, dass er dennoch nicht anerkannt wurde. Radelte gerne durch die Münchner Innenstadt und genoss auch sonst alle Vorzüge des Lebens in dieser Stadt - so sehr, dass er schließlich nach Florenz gehen durfte.

Joshua Kimmich (seit 2015)

Abgeworben für angeblich 8,5 Millionen Euro, was Kimmich selbst "erschreckt" hatte. In Stuttgart halten sie auch diese Summe inzwischen für lächerlich und streiten sich darüber, wer nun schuld daran sei, dass dieses Talent gewechselt ist. Status in München: "süßer, süßer Junge" (Pep Guardiola).

Sven Ulreich (seit 2015)

Geboren in Schorndorf, was beim VfB durchaus als Vorzug gilt. In Stuttgart Stammspieler, selten geliebt. Fiel in München bisher nur dadurch auf, dass er im Pokal ein Gegentor gegen den Fünftligisten Nöttingen kassierte. Perspektive: süßer, süßer Reservist.

Serdar Tasci (seit Anfang 2016)

Kam, als die Not in der Innenverteidigung besonders groß war, er nahm zuvor den Umweg über Moskau. Spielte bisher 53 Minuten lang, die Bild rechnete daher aus, dass er pro Einsatzminute knapp 50 000 Euro gekostet habe (teurer, teurer Nottransfer). Das Schönste an München dürfte für ihn die Autobahn nach Stuttgart sein. Perspektive: Wolfsburg?

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SZ vom 09.04.2016/fued
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