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Stuttgart entlässt Babbel:Trainer als Lauf-Kundschaft

Der VfB Stuttgart ist die einzige Elf der Welt ohne Normalform: Sie spielt entweder sehr gut, oder sehr schlecht. Auch, weil sich die Gremien selten einig sind.

Markus Babbel hat einige Eigenschaften, die einen dazu bringen können, ihm einen Trainerjob anzuvertrauen. Er hat ein Gespür für dieses Spiel, er hat es selbst auf höchstem Niveau betrieben, beim FC Bayern und dem FC Liverpool ist er Trainern von ausgesuchter Qualität begegnet - und er ist, wenn schon nicht im Besitz eines vor Gott, der Welt und dem DFB anerkannten Trainerscheins, so doch im Besitz einer angenehmen Autorität. Die Qualitäten, die ihm in Stuttgart vor einem Jahr ins Amt verhalfen, waren aber andere: Er war, erstens, einfach vorhanden - und, zweitens, völlig unbelastet. Er war der Co-Co-Trainer, der ab und zu mal eine Übungseinheit leiten durfte; aber mit den Entscheidungen, die dem entlassenen Armin Veh zur Last gelegt wurden, hatte er nichts zu tun.

Vor kurzem noch gefeiert, jetzt beim VfB Stuttgart gefeuert: Markus Babbel musste nach dem Absturz der Schwaben gehen.

(Foto: Foto: ddp)

Gegen Babbel darf man das nicht verwenden, aber es ist schon bezeichnend, wie der VfB zurzeit zu seinen Sportlehrern kommt. Seit Manager Horst Heldt im Januar 2006 die Geschäfte übernahm, hat er nur eine einzige ausgeruhte Trainerentscheidung treffen können (es war gleich seine erste): Er hat Giovanni Trapattoni entlassen.

Seitdem haben sich die VfB-Trainer im Grunde selbst ein- und ausgestellt: Armin Veh, anfangs eher als Übergangskandidat veranschlagt, wurde so schnell so erfolgreich, dass kein Mensch daran dachte, ihn auszuwechseln. Als er ganz schnell ganz unerfolgreich wurde, war es leider November - der ungünstigste Moment für einen Trainertausch. Im November ist eher kein Kandidat auf dem Markt, dem man sich langfristig versprechen möchte.

In Notlagen wie diesen hat Heldt stets Kreativität bewiesen, die Personalien Veh und Babbel haben den Klub anfangs vitalisiert. Auch Babbel ist im Sommer ja unentlassbar gewesen, er stand in der Fankurve und ließ sich feiern. Aber dummerweise ist dieser VfB die einzige Elf auf der Welt, die über keine Normalform verfügt; dieser VfB spielt entweder sehr gut (Lauf) oder sehr schlecht (Anti-Lauf), weshalb Trainer beim VfB zur Lauf-Kundschaft geworden sind.

Nun hat sich also auch Babbel unter der Wucht des Anti-Laufes praktisch selbst entlassen (obwohl die Klubgremien dies immer noch kontrovers diskutierten) - wieder passierte es zum ungünstigsten Zeitpunkt, aber angesichts der Marktlage scheint der erfahrene Christian Gross immerhin eine sehr seriöse Option zu sein.

Beim VfB wissen sie, dass sie jetzt eine langfristige Lösung brauchen. Um sich weniger den Gesetzmäßigkeiten von Lauf und Anti-Lauf auszusetzen, würde es vielleicht schon helfen, wenn sich die Klubgremien künftig ein bisschen einiger wären.

Im Video: Highlights aus dem DSF- Doppelpass vom Sonntag, 06.12.09

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