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Sieg in Augsburg:Unverschämt abgeklärt, diese Stuttgarter

FC Augsburg v VfB Stuttgart - Bundesliga

Schneller und höher: Stuttgarts Waldemar Anton gewinnt den Zweikampf gegen Augsburgs Florian Niederlechner.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Der VfB, in dieser Saison für Sturm und Drang bekannt, überzeugt auch in Augsburg - und lässt dem Gegner beim 4:1 kaum eine Chance.

Von Maik Rosner, Augsburg

Viel miteinander gemein haben der FC Augsburg und der VfB Stuttgart eigentlich nicht, einmal abgesehen von ihrer Heimat Schwaben. Der FCA zählt eher zu den Kleinen in der Bundesliga, der VfB zumindest nach dem Selbstverständnis eher zu den Großen. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die beiden Vereine durchaus ein wenig angeglichen. Der einst ruhige Standort Augsburg erlebte einige jener Turbulenzen, die in Stuttgart immer mal wieder vorkamen und zuletzt durch den öffentlich ausgetragenen Machtkampf zwischen Vorstandschef Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt eine besondere Qualität erreichten.

Weil sich die beiden schwäbischen Klubs zumindest gefühlt aneinander angenähert haben, passte es ganz gut, dass sich Augsburg und Stuttgart als Tabellennachbarn mit einer jeweils ausgeglichenen Bilanz begegneten. Am Sonntag war es mit den Gemeinsamkeiten aber vorbei. Stuttgart gewann 4:1 (2:0) durch die Tore von Nicolás González (10./Foulelfmeter), Silas Wamangituka (29.), Gonzalo Castro (61.) und Daniel Didavi (87.) sowie des Augsburgers Marco Richter (46.) und tauschte mit dem FCA die Tabellenplätze. Richter sah später noch die gelb-rote Karte wegen wiederholten Foulspiels (76.).

Von schwäbischer Eintracht war von Beginn an nichts zu sehen gewesen. Der Aufsteiger aus Stuttgart griff sofort so forsch an, wie er bisher in der Saison von sich Reden gemacht hatte. Schnell gab es die ersten Torannäherungen und die Führung zu bestaunen, nachdem Reece Oxford Mateo Klimowicz im Strafraum gefoult hatte. González verwandelte den Elfmeter zu seinem fünften Saisontor. Der FCA reagierte mit mehr Offensivdrang und Daniel Caligiuris direktem Freistoß, bei dem der Ball aus 25 Metern an die Latte klatschte. Auch bei Ruben Vargas' etwas zu hoch angesetztem Kopfball kamen die Augsburger dem Ausgleich nahe. Doch trotz dieser guten Chancen waren es die Stuttgarter, die das Spiel prägten.

Feiner gerieten ihre Kombinationen, cleverer ihr Auftreten und zielstrebiger ihre Angriffe. Für einen Aufsteiger fast schon unverschämt abgeklärt wirkten sie und fingen die Augsburger regelmäßig ab, um danach ihre schnellen Gegenstöße aufziehen. Besonders gut gelang das nach einer knappen halben Stunde. Marc Oliver Kempf schlug einen öffnenden Pass auf Borna Sosa, der von der rechten Seite überlegt auf Wamangituka zurücklegte, ehe der Offensivspieler zu seinem bereits achten Saisontor einschoss. Es war ein Konter wie aus dem Lehrbuch, und beinahe hätte der VfB bis zur Pause sogar eine höhere Führung herausgeschossen. Doch zunächst schoss Klimovicz vorbei, dann vergab González per Lupfer.

Elan, garniert mit einem Kleinkunstwerk

Die Mannschaft sei "gefordert zu zeigen, dass sie hungrig ist und den nächsten Schritt gehen möchte", hatte Augsburgs Trainer Heiko Herrlich vor dem Spiel in Auftrag gegeben. Das Bemühen war erkennbar, doch an der Umsetzung haperte es. Umso besser klappte es damit zu Beginn der zweiten Halbzeit, als Richter nach einem Zuspiel von Vargas am Ende eines sehenswerten Angriffs gerade einmal 27 Sekunden nach dem Wiederanpfiff zum 1:2 einschob.

Es war ein Tor, durch das der zuvor schon hohe Unterhaltungswert des Spiels noch gesteigert wurde. Denn die Stuttgarter reagierten auf den zunehmenden Augsburger Sturm mit eigenem Drang nach vorne. Mehrere Torannäherungen auf beiden Seiten waren die Folge, doch wie schon in der ersten Halbzeit erwiesen sich die Gäste dabei als gefährlicher und zielorientierter. Garniert wurde der Elan mit einem Kleinkunstwerk nach einer Stunde, als González mit einem Fallrückzieher Augsburgs Torwart Rafal Gikiewicz zu einer Parade zwang. Eine Minute später aber war der Pole überwunden. Diesmal durfte González erstaunlich ungestört flanken, Castro vollendete per Volley. Nicht mit Wucht, sondern feinfühlig mit der Innenseite seines rechten Fußes. Auch dieses Tor war ein Zeichen von Reife, die aber zumindest bei Castro nicht verblüffte. Er ist 33 Jahre alt.

© SZ/vit
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