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Strunz trifft Trapattoni:"Plötzlich bekam das Ganze eine angenehme Note"

THOMAS STRUNZ

1998 beschimpft vom eigenen Trainer, 1999 mit blondierten Haaren: Thomas Strunz.

(Foto: DPA)

"Was erlaube Struuunz!": Vor 15 Jahren hat der damalige Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni mit seiner Wutrede den Spieler Thomas Strunz berühmt gemacht. Dieser spricht im Interview über den damaligen Schock, wann er darüber lachen konnte und was er von Trapattoni wissen will, wenn er ihm am Mittwochabend in einer Talkshow begegnet.

Der gebürtige Duisburger Thomas Strunz, 45, ist mit der Fußball-Nationalmannschaft 1996 Europameister geworden und hat mit dem FC Bayern München mehrere Titel gewonnen. Seine Bekanntheit aber verdankt er vor allem dem italienischen Trainer Giovanni Trapattoni. Der hielt am 10. März 1998 seine berühmte Wutrede und machte darin den Bayern-Spieler unsterblich: "Was erlaube Struuunz!!!", rief Trapattoni. Nach 15 Jahren treffen sich Strunz, heute Spielerberater, und Trapattoni an diesem Mittwoch in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" erstmals wieder.

SZ: Herr Strunz, hatten Sie sofort verstanden, worum es Giovanni Trapattoni damals ging?

Thomas Strunz: Ich denke schon. Giovanni stand aufgrund der sportlichen Situation unter Druck. Wir hatten fünf Spiele in Folge kein Tor erzielt, waren in der Champions League gescheitert, hatten auf Schalke verloren. Der Trainer glaubte, er sei von Spielern kritisiert worden. Da wollte er ein Machtwort sprechen.

Hatten Sie ihn denn kritisiert?

Nein. Mario Basler und Mehmet Scholl hatten sich beklagt, nicht aufgestellt worden zu sein. Ich wurde dann mit ihren Aussagen konfrontiert und sagte nur, dass ich in der Vergangenheit auch nicht alles verstanden habe. Aber das sei die Entscheidung des Trainers, und das müssten wir akzeptieren. Giovanni hat dann alle drei Namen, die ihm genannt wurden, in einen Sack gepackt und drauf gekloppt.

Wie war die Stimmung beim ersten Training danach? Trapattoni hatte gebrüllt, Sie und die anderen hätten gekickt "wie Flasche leer".

Wir waren alle geschockt über das Ausmaß seines Zorns. Zwei Tage später erklärte er mir seine Situation - und dass er selbst erschrocken gewesen sei, als er die Fernsehbilder gesehen habe. Die ganze Sache entsprach ja weder seinem Naturell noch seinem Umgang mit uns.

Hatten Sie Verständnis für ihn?

Angesichts unseres schlechten Abschneidens damals: ja. Was mich betraf: nein.

Wann wurde Ihnen klar, dass es eine andere, eine humorvolle Seite des Auftritts gab, auch für Sie?

Die humoristische Seite ist ja noch einmal verstärkt worden durch den täglichen Auftritt von Harald Schmidt, der in seiner Show jede Nacht "Italienisch für Anfänger" durchzog mit Ausschnitten aus der Pressekonferenz mit Trapattoni.

Fanden Sie das lustig?

Zunächst war es unangenehm. Aber tatsächlich wurde der Bekanntheitsgrad meines Namens dadurch erhöht.

Wie lange haben Sie gebraucht, um darüber lachen zu können?

Die ersten zwei Monate waren sehr hart. Ich war auf einmal das Synonym des verwöhnten Fußballers. Das änderte sich, als Ottmar Hitzfeld Trainer wurde und ich wieder für die deutsche Elf spielte. Plötzlich bekam das Ganze eine angenehme Note.

Wieso?

Wenn ich am Ball war, haben die Leute "Struuunz" gerufen. Ich hatte mein Markenzeichen. Von da an habe ich das nicht mehr als negativ empfunden, weil ich selber dazu beitragen konnte, wieder sportlich bewertet zu werden. Das war dann auch ein Erfolg in meiner Karriere, der Turnaround vom Clown der Nation zum Nationalspieler. Darauf bin ich stolz.

Wissen Ihre Kinder, was "Struuunz" ist?

Ich glaube nicht.

Jetzt treffen Sie Giovanni Trapattoni also wieder. Gibt es irgendetwas, das dringend aufgeklärt werden müsste?

Nein. Aber mich interessiert schon, wie er sich unmittelbar nach seinem Ausbruch gefühlt hat, wie diese Zeit für ihn war, was für Auswirkungen das alles auf seine spätere Laufbahn hatte.

© SZ vom 11.12.2013
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