Streit zwischen DFL und DFB:Frontalangriff in Frankfurt

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Andreas Rettig neuer DFL-Geschäftsführer

Harte Kritik von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

(Foto: dpa)

Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Andreas Rettig, fordert vom Deutschen Fußball-Bund eine Neustrukturierung. "Anmaßend", findet das dessen Präsident Wolfgang Niersbach. Der schwelende Streit zwischen DFL und DFB spitzt sich dadurch weiter zu.

Von Johannes Aumüller

Vier Vertreter der Deutschen Fußball Liga (DFL) sitzen im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und wenn das Verbandsgremium am Freitag in Frankfurt das nächste Mal zusammenkommt, dürfte der Gesprächsanteil dieses Quartetts überdurchschnittlich hoch sein. Aus Sicht der DFB-Spitze herrscht massiver Rede- und Klärungsbedarf. Denn der schon seit längerem schwelende Konflikt zwischen den beiden Organisationen spitzt sich gerade aufs Heftigste zu.

DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig forderte am Montag in einem Frontalangriff in der FAZ, den Verband neu zu strukturieren, er übte an etlichen inhaltlichen Punkten harsche Kritik. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach entgegnete, er könne sich darüber nur wundern, "denn bei meinen ständigen Kontakten mit Ligapräsident Reinhard Rauball haben wir uns immer einvernehmlich abgestimmt". Die Aussagen von Rettig seien "anmaßend".

Auslöser für Rettigs Attacke ist die aktuelle Suche nach einem neuen DFB-Sportdirektor. Seit dem Abschied von Robin Dutt zu Werder Bremen im Mai ist der Posten verwaist, und seitdem gibt es eine umfassende Debatte über das Profil des Jobs. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock hatte am Samstag in einem SZ-Interview erklärt, dass sich die Kompetenzen des Sportdirektors künftig auf bestimmte Bereiche konzentrieren könnten, den Rest könnte die Verbandsverwaltung übernehmen. Zudem erklärte er, dass der Bundestrainer weiter die sportliche Richtlinienkompetenz innehabe, der neue Sportdirektor also nicht dessen Vorgesetzter sein könne. Dies würde sowohl die Position von Sandrock als auch die des Nationalmannschafts-Kernes um Joachim Löw stärken.

Die Vertreter der DFL sehen diese Causa, ebenso wie manche Vereinsvertreter, anders. Sie wünschen sich auf einer hohen Hierarchieebene eine Person, die für den gesamten sportlichen Bereich verantwortlich zeichnet, von der A-Nationalmannschaft bis zum Jugendfußball. Die Liga steckt viel Geld in die Nachwuchsförderung, daher will sie an dieser wichtigen Schnittstelle einen größeren Einfluss ausüben und auch über die Besetzung der Personalie mitbestimmen. "Die Entscheidung über den Sportdirektor kann keine exklusive Entscheidung des DFB sein. Da geht es auch um Interessen des Ligaverbands", sagte Andreas Rettig.

Die Auseinandersetzung kommt nicht von ungefähr. Zwar haben DFB und DFL kürzlich relativ geräuschlos den sogenannten Grundlagenvertrag, der die Rechte und Pflichten zwischen den beiden Partnern regelt, bis Juni 2017 verlängert. Doch das Verhältnis zwischen den beiden befindet sich schon seit einiger Zeit in einer Phase der Neujustierung. Als Wolfgang Niersbach im März 2012 Theo Zwanziger als DFB-Präsident folgte, lautete sein programmatischer Ansatz, sich weniger auf gesellschaftliche und sozialpolitische Fragestellungen zu konzentrieren als sein Amtsvorgänger, dafür mehr auf das Fußball-Kerngeschäft. Doch schon seit geraumer Zeit werfen ihm Kritiker vor, dass auch in diesem Bereich zu wenig komme; zugleich besetzt die DFL, rein formal lediglich ein Mitglied des DFB, einige dieser Themen.

Atmosphärische Spannungen

So war es im vergangenen Sommer DFL-Präsident Reinhard Rauball, der den affärenumrankten Chef des Weltfußballverbandes (Fifa), Sepp Blatter, zum Rücktritt aufforderte; von Niersbach kam eine solche Forderung nicht. Ein paar Monate später tobte in Deutschland die Debatte um die Sicherheit im Stadion, in der DFB und DFL zunächst keine gute Figur machten. Aus Sicht vieler Fan-Vertreter änderte sich die verworrene Sachlage zumindest atmosphärisch, als Andreas Rettig im Januar DFL-Geschäftsführer wurde und sich auch mal bei Podiumsveranstaltungen unter die Fans mischte.

Im Frühjahr wiederum kamen von zahlreichen Bundesliga-Klubs und aus der DFL Klagen über das neue und in der Tat diskussionswürdige Format der U19-Champions-League. Die Vertreter des DFB hatten das in den zuständigen internationalen Gremien abgesegnet, ebenso allerdings wie die Vereinigung der europäischen Klubs, der FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge vorsteht.

Dazu kamen weitere atmosphärische Spannungen. Zu vernehmen ist, dass Ende Mai ein Interview von Oliver Bierhoff in der Welt, in dem der Nationalmannschaftsmanager die 50+1-Regel infrage stellte, für viel Gesprächsstoff sorgte. Zudem gab es in den vergangenen Wochen auffallend viele Wortmeldungen aus der DFL, wie dieses oder jenes Problem beim DFB lösbar sei, was der Verband irritiert zur Kenntnis nahm.

Neu ist nun zum einen, wie umfänglich die Kritik von Rettig ausfiel; sie bezog sich von der Diskussion über den Sportdirektor über die Abstellungspraxis bei der U21 bis hin zu sportpolitischen Fragen auf etliche Themen. Und neu ist zum anderen, wie heftig DFB-Präsident Niersbach darauf reagierte: "Wenn nun ein Mann, der noch kein halbes Jahr bei der DFL angestellt ist, so ziemlich alles und jedes in unserem Verband dazu noch sachlich falsch in Frage stellt, ist dies anmaßend und völlig unangebracht."

Mit Rettig wird Niersbach das bei der Sitzung am Freitag nicht besprechen können; der frühere Vereinsmanager gehört nicht zu den vier DFL-Vertretern in diesem Gremium.

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