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Streit um EM-Trikots:Der vermisste Buchstabe

Goran Pandev (links) bejubelt im umstrittenen Trikot das erste EM-Tor Nordmazedoniens.

(Foto: Daniel Mihailescu/AFP)

Weil im Wappen Nordmazedoniens ein N fehlt, gibt es Proteste aus Griechenland.

Von Javier Cáceres, Bukarest

Das Trikot der Nordmazedonier war schon Gesprächsstoff, da hatte das erste EM-Turnier der Geschichte des jungen Landes noch gar nicht begonnen - und schon gar nicht das Debütspiel gegen Österreich, das in Bukarest 1:3 verloren ging. Die Nordmazedonier beschwerten sich beim Hersteller über die Farbe. Den Nordmazedoniern ging sie zu sehr ins weinrote, und Portugal sei man ja nun nicht. Unmittelbar vor dem ersten EM-Spiel gab es neuen Wirbel, er hatte politische Implikationen. Griechenlands Sportminister Lefteris Avgenakis beschwerte sich schriftlich bei der europäischen Fußballunion Uefa darüber, dass die Nachbarn im Wappen einen Buchstaben unterschlagen hätten: das "N", das für das Wörtchen "Nord" in Nordmazedonien stehen müsse.

Das ist mehr als nur Wortklauberei. Das heutige Nordmazedonien grenzt an eine Provinz im Norden von Griechenland, die auch Mazedonien heißt. Griechenland befürchtet Gebietsansprüche des Nachbarlandes auf diese Provinz , und so streiten sie sich dies- und jenseits der Grenze um die Copyrights auf "Mazedonien". Der Zank wird im Grunde geführt, seit die damalige Republik Mazedonien 1991 ihre Unabhängigkeit vom längst zerschlagenen Jugoslawien erklärte. Dabei spielt keine unerhebliche Rolle, dass beide das Erbe von Alexander dem Großen beanspruchen, dem vorchristlichen König und Eroberer, er wurde in der Ecke geboren. Der Konflikt hat den Traum der Nordmazedonier von einem Beitritt zur Europäischen Union und der Nato bislang blockiert.

Uli Hoeneß sprach neulich von "Nordwestmazedonien"

2018 schlossen die Streithähne das sogenannte Prespa-Abkommen, das unter anderem die Namensänderung in "Nordmazedonien" vorsah - und 2019 in Kraft trat. Die griechische Regierung steht auf dem Standpunkt, dass dieses Abkommen den Nordmazedoniern vorschreibt, auch in Kürzeln das "Nord-" nicht zu vergessen. Nicht, dass da jemand was verwechselt wie etwa der frühere Bayern-Manager Uli Hoeneß, der neulich von "Nordwestmazedonien" sprach.

Unabhängig davon waren die Nordmazedonier ob der 1:3-Niederlage vom Sonntag geknickt. "Ich bin sicher, dass wir noch immer eine Chance haben", sagte Goran Pandev alias "Goran der Große", der das erste Turniertor seines Landes erzielte. "Es tut mir sehr leid für die vielen Fans, die hier waren und uns großartig unterstützt haben." Die nächsten Partien gehen gegen die Ukraine und die Niederlande. Man kann wohl von Glück reden, dass die Bulgaren nicht dabei sind. Mit denen liegen die Nordmazedonier unter anderem deshalb überkreuz, weil Sofia zwar gerade der Neuwahlen harrt (11. Juli) und keine reguläre Regierung hat, wohl aber sicher ist, dass Nordmazedonien ein Teil des geografischen Gebiets Mazedonien sei, der zu Bulgarien gehöre.

© SZ/lib
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