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Kapitän-Streit mit Löw:Ballack wirft dem DFB Lügen vor

Ein Michael Ballack gibt nicht nach. Der Ex-Kapitän der Nationalmannschaft bezichtigt jetzt Bundestrainer Löw und DFB-Generalsekretär Niersbach, Unwahrheiten zu verbreiten: Er habe keineswegs schon im März erfahren, dass seine Karriere beendet sei. Mancher reagiert nun genervt - allen voran Rudi Völler.

Der Streit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Michael Ballack spitzt sich zu. Jetzt weist der Ex-Kapitän der Nationalmannschaft die Aussagen von DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach zurück, schon im März über das Ende seiner Karriere informiert gewesen zu sein - das sei nicht die Wahrheit.

Bundestrainer Loew plant nicht mehr mit Ballack

Michael Ballack. 

(Foto: dapd)

Er habe seinerzeit von Bundestrainer Joachim Löw wissen wollen, wie dieser in Zukunft mit ihm plane. "In diesem Gespräch vermittelte er mir, dass er mich nach meinen Verletzungen wieder auf einem guten Weg sieht und durchaus daran glaubt, dass ich es in jedem Fall noch einmal schaffen kann, in die Nationalmannschaft zurückzukehren; dass ich ein Kämpfertyp sein", schrieb Ballack in einer von Bayer Leverkusen veröffentlichten persönlichen Erklärung. "Er hat mich motiviert und aufgefordert, nicht hinzuschmeißen", berichtete der Mittelfeldspieler des Vereins. "Wenn der Bundestrainer Wolfgang Niersbach erzählt haben sollte, er habe bei unserem Gespräch am 30. März zu mir gesagt: 'Micha, das war's für dich und lass das jetzt mal sacken', oder 'Ich plane nicht mehr mit dir', dann ist das schlichtweg nicht wahr. Das genaue Gegenteil war der Fall."

Niersbach hatte Samstag in einem Interview auf der DFB-Seite dfb.de mitgeteilt, Ballack habe seit dem Treffen Ende März gewusst, dass seine Nationalmannschaftskarriere vorbei sei. "Der Bundestrainer hat Michael bei einem Treffen am 30. März 2011 klar gesagt, dass er nicht mehr mit ihm plant. Sicher war das für Michael eine schwierige Situation, denn er selber hat ja darauf gesetzt, nach seinen schweren Verletzungen doch wieder in die Nationalmannschaft zurückzukehren." Die DFB-Spitze habe Ballack angeboten, die Testspiele gegen Uruguay und Brasilien (folgt im August) zu bestreiten, damit der 34-Jährige 100 Länderspiele absolviert hätte. Ballack habe das abgelehnt. Außerdem: "Zugestimmt haben wir dann seinem Wunsch, selbst seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft bekanntzugeben." In der vergangenen Woche sei Ballack aber weder über Handy noch über Freunde erreichbar gewesen. Deshalb habe sich Bundestrainer Löw entschlossen, die Trennung von Ballack als Nationalspieler am Donnerstag per Pressemitteilung bekanntzugeben.

In Ballacks Erklärung dagegen heißt es: "Ich finde es schade, jetzt erneut Aussagen lesen zu müssen, die nicht der Wahrheit entsprechen und auf die ich reagieren muss. Im Mai reifte bei mir endgültig der Entschluss, zurückzutreten. Wir vereinbarten, dass ich in der Sommerpause meinen Rücktritt selbst bekanntgeben dürfe." Dann habe er, Ballack, per SMS von Generalsekretär Niersbach vor der offiziellen DFB-Mitteilung am Donnerstag erfahren, dass man "nicht mehr mit ihm plane".

Die Antwort von Bundestrainer Joachim Löw auf die heftigen Vorwürfe folgte prompt. "Ich habe die Erklärung von Michael gelesen und kann nur wiederholen: Ich stehe weiterhin zu meinen Aussagen", sagte Löw.

Schon am Freitag hatte Ballack über seinen Berater Michael Becker das Vorgehen von Löw und der DFB-Spitze harsch kritisiert. Er sprach von "Scheinheiligkeit" und einer "Farce": "Form und Inhalt der Mitteilung sind leider bezeichnend dafür, wie sich der Bundestrainer mir gegenüber seit meiner schweren Verletzung im Sommer letzten Jahres verhalten hat", ließ Ballack übermitteln.

Während des Trainingsauftakts von Bayer Leverkusen am Sonntag zeigte auch Rudi Völler seinen Unmut. "Keiner der Beteiligten hat sich mit Ruhm bekleckert", sagte der ehemalige Bundestrainer und heutige Sportchef des Vereins. "Die Entscheidung von Joachim Löw ist legitim. Aber ich war früher auch einmal Bundestrainer. Das hätte man anders lösen können."

Zu Niersbachs Replik auf dfb.de sagte Völler: "Wolfgang Niersbach ist ein alter Kumpel von mir. Er hat ein Interview gegeben, auf seiner DFB-Internetseite, wahrscheinlich hat er es mit sich selbst geführt."

Er forderte die Beteiligten auf, die verbalen Auseinandersetzungen zu beenden: "Ich habe die Hoffnung, dass nach Tagen der Besinnung eine versöhnliche Variante in die Geschichte kommt."

Das war vor Ballacks erneuter Attacke.

Karriere von Michael Ballack

Die Legende des Capitano

Michael Ballacks Erklärung im Wortlaut:

Karriere von Michael Ballack

Die Legende des Capitano

"Ich finde es schade, jetzt erneut Aussagen lesen zu müssen, die nicht der Wahrheit entsprechen und auf die ich reagieren muss. Ich kann nachvollziehen, dass Wolfgang Niersbach versucht, für Joachim Löw Partei zu ergreifen. Ich halte es sogar in seiner Position als Generalsekretär des DFB für seine Pflicht. Fakt ist jedoch, dass niemand, auch nicht Wolfgang Niersbach, auch nur bei einem einzigen der Gespräche dabei war, die der Bundestrainer und ich geführt haben.

Wenn der Bundestrainer Wolfgang Niersbach erzählt haben sollte, er habe bei unserem Gespräch am 30. März zu mir gesagt: 'Micha, das war s für dich und lass das jetzt mal sacken', oder 'Ich plane nicht mehr mit dir', dann ist das schlichtweg nicht wahr. Das genaue Gegenteil war der Fall. Ich wollte seinerzeit vom Bundestrainer wissen, wie er in Zukunft mit mir plant. In diesem Gespräch vermittelte er mir, dass er mich nach meinen Verletzungen wieder auf einem guten Weg sieht und durchaus daran glaubt, dass ich es in jedem Fall noch einmal schaffen kann, in die Nationalmannschaft zurückzukehren; dass ich ein Kämpfertyp sei.

Er hat mich motiviert und aufgefordert, nicht hinzuschmeißen. Demgegenüber passte die seit letztem Sommer andauernde Hinhaltetaktik des Bundestrainers überhaupt nicht zu den Aussagen, die er mir gegenüber und auch in der Öffentlichkeit gemacht hat. Bezeichnend dafür und unwiderlegbar ist eine Aussage eines seiner engsten Mitarbeiter, des DFB-Teammanagers Oliver Bierhoff, im Frühjahr in der Sendung 'Doppelpass' von Sport1 in Reaktion auf die Forderung eines Journalisten, Michael Ballack doch endlich zu sagen, dass man nicht mehr mit ihm plane. Oliver Bierhoff antwortete sinngemäß, dass man sich nicht alle Türen zuschlagen wolle und Michael Ballack noch sehr wichtig werden könne. Im Mai reifte bei mir endgültig der Entschluss, zurückzutreten.

Diese Überlegung teilte ich dann dem Bundestrainer und auch Wolfgang Niersbach mit. Ich hielt einen Zeitpunkt im Sommer für angemessen. Wir vereinbarten, dass ich in der Sommerpause meinen Rücktritt selbst bekannt geben dürfe. Ein genaues Datum, geschweige denn eine Frist, stand dabei nie zur Debatte. Als Joachim Löw mich im Urlaub letzte Woche nicht erreichte, musste ich plötzlich von Wolfgang Niersbach eine Stunde vor Veröffentlichung der Pressemitteilung des DFB per SMS erfahren, dass der Bundestrainer 'nicht mehr mit mir plant'.

Drei Tage vor meinem Urlaubsende, wissend, dass ich danach wieder uneingeschränkt erreichbar bin und man genügend Zeit hat, bis die Bundesliga-Saison wieder beginnt, hat man konträr zu unserer Absprache diese Pressemitteilung verfasst. Noch einmal: Es war klar und unmissverständlich von beiden Seiten vereinbart, dass ich meine Entscheidung, zurückzutreten, in Ruhe in der Sommerpause selbst verkünden darf. Mit dieser Erklärung möchte ich das Thema jetzt abschließen und mich voll und ganz auf meine Ziele mit Bayer 04 Leverkusen konzentrieren."