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Straubing Tigers:Nummer 1B

Sebastian Vogl (25, Straubing Tiger ), Thomas Sabo Ice Tigers Nuernberg vs. Straubing Tigers, Eishockey, DEL, 11.10.2019

„Ich bereite mich immer gleich vor“: Für Sebastian Vogl macht es keinen großen Unterschied, ob er mit Kappe oder Helm in ein Spiel geht.

(Foto: Thomas Hahn/Eibner/imago)

Ersatztorwart Sebastian Vogl ist mit seiner Gelassenheit ein perfekter Keeper für die zweite Reihe. Nun kann er sich als Nummer eins beweisen.

In jeder Eishockey-Mannschaft gibt es diesen einen Spieler, der nur scheinbar die komplette Ausrüstung trägt. In nahezu voller Montur gleitet er zur Ersatzbank, erst seine Kopfbedeckung verrät ihn. Statt eines Helmes trägt er nämlich meistens ein Basecap oder eine Bommelmütze seines Vereins. Die Rede ist vom Ersatztorwart. Das Torhüterdasein ist nun einmal die Oase des Einzelsports in der riesigen Wüste der Mannschaftssportarten: Im Tor steht am Ende nur einer.

Doch wenn der mal zwischendurch ausfällt, dann ist der Mann mit dem Basecap schnell gefragt. Wie schnell, das weiß Sebastian Vogl, 33, von den Straubing Tigers ziemlich gut. Ihn erwischte es ja in den vergangenen anderthalb Jahren meistens im Duell mit Jeff Zatkoff, wenn es darum ging, wer das Basecap aufziehen soll. Anfang Januar, beim Gastspiel in Ingolstadt (4:2), verletzte sich Zatkoff kurz vor dem Ende des ersten Drittels. Vogl setzte sich also seinen Helm draußen auf, sprang ein, kassierte nur noch ein Gegentor und führte sein Team so zum Sieg. Bis Ende Januar fällt der US-Amerikaner noch aus - weshalb Vogl seither in fünf weiteren Spielen mit Helm glänzte. Für ihn macht es auch keinen großen Unterschied, ob er mit Kappe oder Helm in ein Spiel geht: "Ich bereite mich immer gleich vor", sagt er, "denn die Gefahr ist, dass man dann zu sehr überrascht ist, wenn man als Ersatzmann Larifari verbreitet."

Am vergangenen Wochenende kassierte er gegen die Grizzlys Wolfsburg (5:1) und die Düsseldorfer EG (2:3) nur vier Gegentore. Dass aus einem erhofften Zwei-Siege-Wochenende nichts wurde, lag weniger an ihm als an seinen Vorderleuten, die das Spiel bei der DEG vielleicht etwas zu bedächtig angingen: "Wir haben sie lange nicht richtig unter Druck gesetzt, zu spät selber Gas gegeben", analysiert Vogl. "Erst im letzten Drittel haben wir die Düsseldorfer dann hinten eingeschnürt."

Insgesamt weist der gebürtige Landshuter in den 20 der bislang 39 Partien der Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), in denen er auf dem Eis stand, einen Gegentorschnitt von 2,32 auf. "Meine dritte Saison ist bis jetzt meine stärkste hier in Straubing", sagt Vogl, der wie ein verlässlicher Partner dann immer da ist, wenn man ihn braucht.

Zudem hat er gerade die stärkste Mannschaft vor sich, die die Straubing Tigers je hatten. Anderthalb Monate vor dem Saisonende sind sie mit 76 Punkten nur noch fünf Zähler vom eigenen Hauptrundenrekord aus der Vorsaison entfernt. Und so hoch droben in der DEL-Tabelle wie aktuell waren die Niederbayern auch noch nie. "Am wichtigsten finde ich unseren Zusammenhalt", sagt Vogl. "Zum Beispiel am Sonntag in Düsseldorf: Wir haben zwar verloren, aber dann bauen wir uns danach wieder gegenseitig auf." Zudem passe die Mischung, "wir haben Jungs drin mit richtig viel Energie, aber auch Leute, die Ruhe bewahren".

Zweifelsohne zu den Letzteren gehört der Torhüter. Wenn man ihn danach fragt, was einen Goalie "Nummer 1B", wie er selbst sagt, auszeichnet, dann sagt er: "Als junger Torwart ist das glaube ich noch schwerer, diese Rolle zu übernehmen." Eine gewisse Routine gehört dazu - und daneben eben auch die Gelassenheit, sich in der zweiten Reihe einordnen zu können. "Man muss ein Teamplayer sein und die ganze Mannschaft unterstützen, auch wenn man nicht mitspielt."

Im Training geben sich die beiden Torhüter Tipps, nach den Spielen gratulieren sie sich

In Straubing hat ihm diese Bescheidenheit Respekt unter den Fans eingebracht. Aber auch die Menschen in seinem Heimatort haben ihn offenbar nicht vergessen. Wenn er mit Landshutern redet, dann hört er raus, dass sie ihn schon gerne mal wieder im Verein hätten, sagt er. Aktuell zählen für ihn aber die anstehenden Aufgaben mit den Tigers, mit denen seine Familie ohnehin eine besondere Tradition verbindet: Sowohl sein Vater Christian als auch sein Bruder Thomas waren für den EHC aktiv - und auch der fünfjährige Sohn Tristan spielt schon bei den Kleinen im Eisstadion am Pulverturm mit.

Dort, wo Vogl statt alleine zu glänzen, gemeinsam mit Zatkoff eines der besten Tandems der Liga bilden will. Im Training geben sich die beiden Torhüter Tipps - und nach den Spielen gratulieren sie sich. Ganz genau habe der Trainer Tom Pokel ihre Rollen ohnehin nie festgelegt. Einen Tag vor den Partien erfahren sie daher jeweils, wer im Kasten steht. "Das fußballerische Schema der Nummer eins und zwei ist im Eishockey sowieso veraltet", findet Vogl. "Das ist von der Intensität des Spiels und dem Spielplan her fast nicht mehr so zu lösen." Und nicht nur das ist anders im Vergleich der Mannschaftssportarten: Beim Fußball trägt schließlich höchstens mal der Stammtorwart ein Basecap.

© SZ vom 21.01.2020
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