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Aus für Stefan Effenberg:Der Kurzzeit-Funktionär wirft hin

Pressekonferenz KFC Uerdingen

Für den Manager Stefan Effenberg ist schon wieder Schluss in Uerdingen.

(Foto: dpa)

Stefan Effenberg war ein großer Spieler - jedoch nur acht Monate Manager in Uerdingen, zuvor fünf Monate Trainer in Paderborn. Die Skeptiker haben recht bekommen.

Von Ulrich Hartmann

1994 wurde der Fußballer Stefan Effenberg aus der Nationalmannschaft verbannt, weil er Zuschauern den Mittelfinger gezeigt hatte. 2015 wurde Effenberg als Trainer beim damaligen Zweitligisten SC Paderborn nach fünf erfolglosen Monaten entlassen. Und in dieser Woche endete auch Effenbergs erstes Engagement als Sportdirektor vorzeitig. Beim Drittligisten KFC Uerdingen in Krefeld hat der 51-Jährige nach acht Monaten hingeschmissen - so die offizielle Lesart, vielleicht wurde er auch dazu gedrängt, man weiß es nicht genau. Effenberg, einst erfolgreicher Fußballer, hadert jedenfalls mit dem zweiten und dem dritten Bildungsweg.

Missratene Winter-Trainingslager haben in beiden Fällen, damals mit dem SC Paderborn und zuletzt mit dem KFC Uerdingen, offenbar eine Rolle gespielt. Im Januar 2015 hatten alkoholisierte Paderborner Spieler nachts im türkischen Hotel Mobiliar zerstört und der Stürmer Nick Proschwitz hatte sich in der Hotelbar entblößt, woraufhin er den Verein verlassen musste. Effenberg wurde zwei Monate später mangels Erfolg entlassen.

Im Trainingslager des KFC Uerdingen im Januar in der Toskana gab es ein anderes Problem: Der Fußballplatz in der Nähe jenes Golfhotels, das zur Holding eines Effenberg-Freundes gehört, erwies sich als derart unbrauchbar und sogar gefährlich für die Spieler, dass die Mannschaft nach nur zwei Tagen wieder abreiste. Seither soll Effenbergs Einfluss beim KFC überschaubar geworden sein. An der Verpflichtung des schon früher einmal in Krefeld tätigen Trainers Stefan Krämer im März soll er keinen Anteil mehr gehabt haben. Nach Ausbruch des Coronavirus schickte der Klub Effenberg in Kurzarbeit.

Die Skeptiker haben recht bekommen

Als er im vergangenen Oktober als Sportdirektor vorgestellt worden war, saß er gemeinsam mit dem Vereinsboss Michail Ponomarew vor einem blau-roten Klubbanner, auf dem stand: "Weil das Blau für die Treue und das Rot für Liebe steht." Schon damals fragten sich skeptische Beobachter, wie treu sich der emotional sprunghafte Effenberg und der emotional explosive Ponomarew wohl werden könnten, doch der russische Mäzen aus dem Städtchen Meerbusch zwischen Düsseldorf und Krefeld insistierte damals, dass Effenberg den Vertrag bis Juni 2022 ganz sicher erfülle.

Nun haben die Skeptiker recht bekommen, wobei noch niemand gemeldet hat, mit einer Wette auf Effenbergs vorzeitigen Weggang viel Geld bei einem englischen Buchmacher gewonnen zu haben. Es wäre leichtverdientes Geld gewesen.

2004 hatte der gebürtige Hamburger eine stolze Fußballkarriere beendet, deren Höhepunkte ein Pokalsieg mit Borussia Mönchengladbach sowie drei Meister- und ein Champions-League-Titel mit dem FC Bayern München waren. 2012 erwarb er die Fußballlehrerlizenz und war sich 2013 angeblich mit Schalke 04 über einen Trainervertrag bereits einig, ehe die Schalker Abstand nahmen. Im Oktober 2015 heuerte er überraschend beim SC Paderborn an, wo man ihn fünf Monate später wieder entließ.

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