Start der Paralympics Erstmals nehmen Athleten aus Nordkorea an den Paralympics teil

Verbotener Botschafter

Wenn nun alle wieder über Frieden sprechen, denkt Choi Kwang-hyouk, 30, an die Wunden seiner Vergangenheit. Wenn es um die Begegnungen zwischen Süd- und Nordkoreanern geht, dann sagt der in Nordkorea geborene, südkoreanische Sledge-Eishockeyspieler: "Ich glaube, sie werden nicht glücklich sein, mich zu sehen."

Zwei Behindertensportler aus Nordkorea sind samt Delegation erstmals bei den Paralympics dabei.

(Foto: Thomas Lovelock/AP)

So wie die Teilnahme russischer Athleten war auch die Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea eine der Geschichten der Olympischen Spiele; beide werden fortgeschrieben. Erstmals nehmen Athleten aus Nordkorea an den Paralympics teil, zwei Langläufer. Choi erzählte der Zeitung Guardian den Teil der Geschichte, der von den Inszenierungen versteckt zu werden droht. Er stürzte als Kind vor einen Zug, der ihm über den linken Fuß fuhr. Anstatt den Fuß zu behandeln, hätten die Ärzte ihm das Bein unterhalb des Knies amputiert, ohne Narkose, eine Prothese bekam er auch nicht, so erzählte er es. Choi sagte, er habe als Kind betteln müssen, um zu überleben. In Nordkoreas Gesellschaft gebe es überall Hierarchien, auch unter Bettlern: "Menschen mit Behinderung sind ganz unten." UN-Berichten zufolge werden Behinderte in Nordkorea diskriminiert, manche in Gefangenenlager geschickt.

Choi gelang 2001 die Flucht, weil sein Vater, der in Südkorea lebte, einen Schleuser bezahlte. Er wurde mehrmals operiert, studierte Prothesentechnik, begann mit dem Sledge-Hockey. Er sagt, er würde gerne als Sportler wahrgenommen werden, nicht als Deserteur. Doch es ist eben nicht so einfach mit der Freundschaft, wie es auf Olympia-Bildern manchmal aussieht. Die Mannschaften aus Nord- und Südkorea haben sich entschieden, bei der Eröffnungsfeier nicht gemeinsam einzulaufen.

Neuer Strippenzieher

Der Brasilianer Andrew Parsons, 41, aus Rio de Janeiro hat im vergangenen September Philip Craven als Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees abgelöst. Der Brite führte in seiner 16 Jahre dauernden Amtszeit das IPC aus der Nische ins Rampenlicht, er genoss einen Ruf als Charismatiker. Über Parsons' Ruf ist sich die paralympische Welt noch uneins.

Andrew Parsons, 41, ist neuer Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees.

(Foto: imago)

Man sagt dem studierten Marketing- und Kommunikationswissenschaftler und früheren Journalisten großes Karrierebewusstsein nach, er formuliert geschliffen und tritt auf wie ein Manager. Wie Craven beschreibt er die Paralympics gerne als gesellschaftspolitische Bewegung. Doch ob er in heiklen Fragen Haltung zeigt, darf noch bezweifelt werden. Craven hatte bei den Paralympics 2016 alle russischen Athleten nach dem Dopingskandal ausgeschlossen, Parsons wurde für den anderslautenden Entschluss kritisiert. Er sprach danach lieber über Friedensbotschaften.

IOC-Präsident Thomas Bach, dessen Verhältnis zum IPC nach der Russland-Entscheidung 2016 durchaus als angespannt gelten darf, erwähnte in seiner Rede auf der olympischen Schlussfeier in Pyeongchang die Paralympics mit keinem Wort. Parsons scheint Interesse daran zu haben, die Wogen zu glätten. Bach, sagte er der Deutschen Presse-Agentur, werde zur Eröffnungsfeier kommen. "Und ich denke, er wird Spaß haben."

"Es geht nicht mehr darum, welchen Unfall ein Athlet hatte"

An diesem Freitag starten die Paralympics. Die zwölffache Goldmedaillen-Gewinnerin Verena Bentele spricht darüber, wie die Spiele Menschen mit Behinderung im täglichen Leben und bei der Jobsuche helfen. Interview von Max Ferstl mehr...