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Start der Euroleague:Topspieler aus Moskau oder Madrid pfeifen auf die NBA

Westbrook und seine Kollegen hätten sogar einiges gelernt bei ihrem Ausflug nach Spanien, fand der mehrfache NBA-Allstar. "Es war eine gute Erfahrung für uns, in Europa zu spielen und gegen diese Angriffsreihen zu verteidigen." Ähnliche Beobachtungen hatte auch sein Coach Billy Donovan gemacht, der Real und Barcelona Respekt entgegenbrachte. "Unsere Jungs mussten sich erst an die Geschwindigkeit und an die hohe Laufintensität gewöhnen. Im ersten Spiel hatten wir noch deutlich Probleme damit und haben beispielsweise viele offene Würfe zugelassen. Das hat erst im zweiten Match besser funktioniert."

Muskeln gegen Pfiffigkeit - diese Zuspitzung ist für das internationale Kräfteverhältnis sicher zulässig. Amerikas Basketballer sind größer, wuchtiger, sprunggewaltiger. Ihre Dunks (auch die von Westbrook) begeistern die Welt - aber in Europa ballen sich derzeit die ausgefuchsteren Systeme für Wurfspezialisten. Natürlich spielt mit Steph Curry weiterhin der beste Schütze des Spiels in den USA, natürlich holte das "Dream Team" in Rio die Goldmedaille, doch in manchen Bereichen scheint das europäische Spiel dem amerikanischen mindestens ebenbürtig.

Die Idee vom Teambasketball haben Topklubs wie Real, Barcelona, ZSKA Moskau oder Fenerbahçe Istanbul mittlerweile so verfeinert, dass sie in der Athleten-Liga NBA wohl durchaus mithalten könnten. Selbst Alba Berlin gelang im Rahmen der "Global Games" 2014 ein 94:93-Erfolg gegen den beinahe in Bestbesetzung angetretenen NBA-Champ San Antonio Spurs. Und es gibt weitere Indizien dafür, dass in der Euroleague mehr als anständiger Sport stattfindet: Bekanntheiten wie Europas schlauster Aufbauspieler Miloš Teodosić oder neuerdings der Spanier Sergio Llull pfeifen auf die NBA, weil sie in Moskau oder Madrid für sich den besseren Basketball sehen - und nebenbei auf US-Niveau verdienen.

Llull, mit 28 im besten Alter für einen Umzug nach Übersee, lehnte diese Woche eine 24-Millionen-Dollar-Offerte der Houston Rockets ab. Ihm geht es prächtig am königlichen Basketball-Hof von Real Madrid. Er war es übrigens, der Russell Westbrooks NBA-Klub im Test in Madrid fast im Alleingang besiegte.

© SZ.de/jbe/fued
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