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Start der Australian Open:Unvergessenes Zähnefletschen

Natürlich übten sich die Protagonisten bislang in Diplomatie, man ist ja Gentleman im Tennis, aber hie und da blitzte schon alte und neu belebte Rivalität durch. Als Lendl, Beckers einstiger Lieblingsfeind, gefragt wurde, wie Murray den Djoker besiegen könne, lächelte er und sprach vergnügt: "Keine Chance - Sie sind ja ein lustiger Mann!" Federer rutschte süffisant heraus, dass er überrascht sei, "ich hätte nicht gedacht, dass Boris so was machen würde".

Becker indes blieb ganz bei sich und meinte, er habe sich schon bei Lendls Verpflichtung durch Murray gefragt, warum erst jetzt frühere Topspieler gefragt würden. Sein Glück demnach: Djokovic hat ihn vom Warten erlöst. Und Edberg? Der schwieg bislang diskret. Vielleicht musste er noch letzte Finanzgeschäfte abwickeln, er verwaltet ja Kapitalanlagen und hält sich gerne im Hintergrund.

Leicht geschwollener Hals

Mit offenen Rechnungen, über die noch nicht offiziell gesprochen wird, dürfte aber auch Edberg zu tun haben, zur Erinnerung: 1985 besiegte der damals 19-Jährige den damaligen Tschechen Lendl (er hat nun die US-Staatsbürgerschaft) im Halbfinale der Australian Open und holte sich seinen ersten Grand-Slam-Titel. 1988 bezwang er überraschend Becker im Wimbledon-Finale, und nachdem diesem 1989 die Revanche gelungen war, drehte er 1990 den Spieß noch einmal um. Lendl, 1989 seinerseits von Becker im US-Open-Finale zerstört, hatte auf Rasen ohnehin in großen Momenten das Nachsehen gegen alle, weshalb sein Hals trotz Dementi sicher noch leicht angeschwollen sein dürfte.

Ja, so ging das damals zu. Alles längst vergessen? Eher ist es so, dass manche Erinnerung erst recht hochkochen wird. Dafür werden schon die Medien sorgen, das Interesse von Presse, Funk und Fernsehen sei noch größer als gewöhnlich, gab die PR-Abteilung zu verstehen.

Dass es Becker indes ernst meint und er sein Engagement nicht in eine seiner Poker-Werbungen einbauen wird, darauf deutet eine erste unübersehbare Verhaltensänderung hin. Becker twittert nicht mehr wie verrückt. Immer öfter sind seine Beiträge sogar verständlich. Seine Kommentatorentätigkeit beim britischen Sender BBC während des Turniers in Wimbledon will er ruhen lassen. Begründung: "Ein bisschen schwanger geht nicht." Dass er sich und seinem Darstellungsdrang aber nicht ganz zu trauen scheint, darauf verweist sein neuester Schachzug. Becker hat einen neuen Manager, der ihn führen soll. Es ist der gleiche Manager, den auch Oliver Pocher beschäftigt.

Solche Mätzchen hat Michael Chang, gerade vom Japaner Kei Nishikori (Weltranglisten-Nr. 17) als Coach verpflichtet, nicht nötig. Er kann die Sache gelassener angehen, er stand nie im Fokus wie Becker. Doch auch er sollte wissen: Gerade eine Person hat eine Rechnung mit dem nun 41-jährigen Amerikaner offen. Als Chang 1989 im Achtelfinale von Paris von Muskelkrämpfen geplagt war, schaufelte er Mondbälle übers Netz und schnibbelte den Aufschlag von unten ins Feld. Sein entnervter Gegner damals: Lendl. Dessen Zähnefletschen bei dieser Vorführung - unvergessen.

Wie twitterte Becker? "Lasst die Spiele beginnen."