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Staffel bei der Biathlon-WM:Fünf Pointen am Ende

Biathlon World Championships

Simon Schempp: zehn von zehn Schüssen im Ziel.

(Foto: dpa)

Zuletzt wurden die deutschen Männer bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Nove Mesto noch verkohlt, weil sie so schrecklich geschossen hatten. Bei der Staffel schaffen sie dann beinahe eine perfekte Leistung - und gewinnen Bronze hinter Norwegen und Frankreich.

In Nove Mesto erzählen sich die Menschen in diesen Tagen eine witzige Anekdote: Selbst die Rehe würden sich wieder aus den böhmischen Wäldern trauen, wenn sie bemerken würden, dass die deutschen Biathlon-Männer unterwegs sind - denn so, wie die mit ihren Gewehren umgehen, drohe nicht einmal dem größten Getier Gefahr.

Bei der Staffel am Samstag sah es lange Zeit so aus, als könnten die deutschen Männer den Witz umschreiben mit einer Pointe, die nicht die anderen, sondern sie selbst zum Lachen bringen würde. 35 von 35 Schüsse trafen sie und lagen hinter Norwegen auf Platz zwei - doch dann schoss Erik Lesser fünf Mal daneben und rettete gerade noch die Bronzemedaille hinter Norwegen und Russland.

"Ich habe keinen Druck verspürt, das war einfach Unvermögen", sagte Lesser danach, "ich weiß nicht, warum ich die Dinger daneben schieße. Man kann sich natürlich über die Bronzemedaille freuen, aber ich brauche noch ein bisschen"

Keine Medaille hatten die Männer bei den Wettbewerben zuvor geholt, in den drei Einzelrennen hatten sie sich bei 200 Schüssen insgesamt 29 Fehler geleistet - das war freilich zu viel, um eine Medaille gewinnen zu können. Vor der Staffel sagte deshalb Arnd Peiffer: "Wir müssen am Stand gut arbeiten und uns richtig kräftig zusammenreißen, damit wir eine Chance haben."

Die Favoriten in diesem Rennen über 4 x 7,5 Kilometer waren die Mannschaften aus Norwegen, Russland und Frankreich, deren Trefferquote bislang deutlich besser war als die der Deutschen. "Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, nicht unbedingt in der Favoritenrolle zu stecken. Dass wir ganz einfach lockerer in das Rennen gehen, mit gedämpfteren Erwartungen", sagte Andreas Birnbacher.

Die Trainer Mark Kirchner und Fritz Fischer hatten das Team vor dem Start ordentlich durcheinandergewürfelt: Simon Schempp sollte beginnen, Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer folgen - als Schlussläufer hatten sie überraschend Erik Lesser nominiert. "Wenn man am Anfang nicht vorne dabei ist, dann hat man keine Chance. Der Sichtkontakt ist wichtig", begründete Chefbundestrainer Uwe Müssiggang die Entscheidung seiner beiden Kollegen, die starken Läufer früh auf die Strecke zu schicken.

"Es gibt keine Taktik", sagte Kirchner direkt vor dem Rennen, "einfach vorne mitlaufen und gut schießen." Dann sah er hinüber auf die Rennstrecke - und sah, wie Simon Schempp vorne mitlief, dann musste er schießen: fünf von fünf! Beim zweiten Schießen: fünf von fünf! Da dürfte sich das Getier im böhmischen Wald erst einmal verwundert die Augen gerieben haben.

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