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Stärke der Bundesliga-Aufsteiger:Kontrastmittel für die Liga

Das gab's noch nie: Erstmals in der Bundesliga-Historie sind die Aufsteiger nach den ersten beiden Spieltagen ohne Niederlage. Die Erfolge von Köln und Paderborn in Hamburg und Stuttgart illustrieren, was in den Krisen-Zentren der Vorsaison noch immer im Argen liegt.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Alles schon mal da gewesen? Von wegen! Auch zum Auftakt der 52. Saison der höchsten deutschen Unterhaltungsklasse gibt es frische Fakten. Zum Beispiel: Erstmals sind die Aufsteiger nach den ersten beiden Spieltagen ohne Niederlage. Na und? Strohfeuer, Euphorie des Anfangs, werden viele sagen, Emporkömmlinge werden eh unterschätzt, und sobald die Verteidiger den Kölner Ujah oder Paderborns Kachunga kennen, wird sich das alles schon wieder eingrätschen . . .

Möglich, aber jetzt hat erst einmal der 1. FC Köln, der Rückkehrer, in Stuttgart mit 2:0 seinen nun auch schon 594. Sieg in der Bundesliga gelandet. Und der SC Paderborn, der Debütant, beim Hamburger SV mit 3:0 seinen ersten Sieg überhaupt. Da aber niemand an Zufälle glauben sollte, muss wohl ein perfider Plan der Spielplan-Gestalter dahinter vermutet werden, dass die Emporkömmlinge so früh in die Krisen-Zentren der vorigen Saison geschickt wurden. An Orte, in denen über den Sommer alles besser werden sollte.

In Stuttgart haben sie ihren alten Meistertrainer (Veh) zurückgeholt und den Manager (Bobic) auf Bewährung angezählt, in Hamburg machten sie es ebenso, nur umgekehrt: Angezählt wurde der Trainer (Slomka), geholt ein Manager (Beiersdorfer), mit dessen Namen sich die Erinnerung an eine bessere Zeit verknüpfen lässt.

Veh passt die Mannschaft nicht

Nahezu deckungsgleich waren also die Reflexe auf diesen beiden Dickschiffen, die den Anschluss an die moderne Fußball-Flotte verloren haben. Zudem bestärkte beide ein Remis zum Saisonstart darin, in der Vorbereitung nicht zu viel falsch gemacht zu haben. Derart euphorisiert, rauschten HSVler wie VfBler dann aber blindlings in eine Asterix-Falle.

Die Kunst der Aufsteiger, sich wie Asterix unterschätzen zu lassen, um dann raffiniert zuzuschlagen, dokumentiert die Statistik: Die Tore erzielten die Kleinen, den Ballbesitz - Hamburg 66,9 zu 33,1 Prozent; Stuttgart 68,5 zu 31,5 - überließen sie generös den Großen. Die aber hätten gewarnt sein müssen: Paderborn reist bequem auf dem Ticket, nicht weniger als "der größte Außenseiter" zu sein, den die Welt je sah. Und die sonst auf Dom-Höhe schwebenden Kölner verstehen sich im Moment bestens darauf, sich grau zu geben wie die Kirchenmaus.

Köln und Paderborn wirken wie ein Kontrastmittel, das der Liga injiziert wurde. Beleuchtet wird, was im Argen liegt. In Hamburg diskutieren sie über den Trainer, als sei nichts gewesen; in Stuttgart fordert Armin Veh mit seinem späten Lausbuben-Charme, was er anderswo auch schon tat: Er will eine neue Mannschaft. Die aktuelle passt nicht.

Mancherorts war der Sommer nicht nur verregnet. Es tat sich auch nicht viel.

© SZ vom 01.09.2014

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