SSV Jahn Regensburg:Kein Witz

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SSV Jahn Regensburg: Zuschauen bis Winter: Sarpreet Singh ist nach dem Versäumnis des SSV Jahn nicht spielberechtigt - dabei könnte der ihn so dringend gebrauchen.

Zuschauen bis Winter: Sarpreet Singh ist nach dem Versäumnis des SSV Jahn nicht spielberechtigt - dabei könnte der ihn so dringend gebrauchen.

(Foto: Wolfgang Zink/Imago)

Jahn Regensburg liefert die spektakulärste Transferpanne des Sommers. Der Fußball-Zweitligist hat es versäumt, Sarpreet Singh als Leihspieler zu melden - weshalb dieser nun zuschauen muss. Der überraschende Weggang des Sport-Geschäftsführers Roger Stilz könnte damit zusammenhängen.

Von Johannes Kirchmeier

Nein, mit einem Faxgerät hat die Geschichte dieser Regensburger Panne nichts zu tun. Telefaxe benötigt die Deutsche Fußball Liga (DFL) bei Spielerwechseln inzwischen gar nicht mehr. Und so wird der im Jahr 2011 missglückte Wechsel des heutigen FC-Bayern-Spielers Eric Maxim Choupo-Moting zum 1. FC Köln wohl weiter als berühmteste Transferpanne Deutschlands im Gedächtnis bleiben, schon aus Folkloregründen. Das Fax mit Choupo-Motings Unterschrift landete damals verspätet in Köln - und daher 13 Minuten zu spät in der DFL-Zentrale.

Die wohl spektakulärste Transferpanne dieses deutschen Fußballsommers unterlief dem SSV Jahn Regensburg. "Höchst peinlich" nennt sie dessen Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer. Denn der Jahn hat schlicht vergessen, den Neuseeländer Sarpreet Singh nach der Leih-Verpflichtung vom FC Bayern bei der DFL als SSV-Akteur zu registrieren. Der 23-Jährige darf damit bis zur Öffnung des Winter-Transferfensters im Januar nicht für den Klub spielen, ein beispielloser Vorgang in Deutschlands Top-Ligen. Besonders bitter: Anders als bei Choupo-Moting hatte der Jahn bis Anfang September genügend Zeit, die Leihe im Transfer-Online-Registrierungssystem (kurz heißt es wirklich TOR) der DFL zu melden. Singh zählt seit Juli zum SSV-Kader.

"Erst einmal muss man natürlich sagen, dass dieser Vorfall in die Verantwortung des Geschäftsführers Sport fällt. Das ist gar keine Frage", sagt Rothammer. Das lenkt den Blick auf die überraschende Trennung vom Sportgeschäftsführer Roger Stilz, in dessen Zuständigkeitsbereich der Fauxpas fiel. Es sind ja gerade turbulente Tage beim sonst so unaufgeregten Verein aus der ruhigen Unesco-Welterbestadt. Vor einer Woche löste Stilz seinen Vertrag aus "persönlichen Gründen" auf. Er steht nicht mehr auf der Gehaltsliste des Jahn.

Für einen neuen Geschäftsführer wäre dies die ideale Zeit für den Einstieg

Ob beide Vorfälle zusammenhängen? Denkbar, aber Spekulation. Rothammer sagt dazu: "In welchem Umfang diese Panne in seine Entscheidung, Regensburg verlassen zu wollen, eingeflossen ist, das kann ich nicht sagen." Nach Angaben der Mittelbayerischen Zeitung sollen Stilz' Lebensgefährtin und Sohn bereits wieder in Hamburg wohnen und auch er dorthin zurückkehren wollen.

Der Verein sucht einen Nachfolger - und will diesen zügig, aber nicht hastig vorstellen. Rothammer sagt mit einem Lachen: "Der allgegenwärtige Fachkräftemangel ist auf dieser Position noch nicht angekommen." Eine Vielzahl von Bewerbungen sei eingetrudelt, der Jahn sei ein "interessanter Arbeitgeber" geworden. Wenn es überhaupt einen guten Zeitpunkt gebe für so eine Personalentscheidung, dann jetzt: Das Transferfenster ist bis Januar geschlossen, ein neuer Geschäftsführer hätte Zeit, den Klub kennenzulernen und in seine Rolle zu finden.

Der Schweizer Stilz tat sich schwer damit, in die Fußstapfen von Christian Keller (mittlerweile in Köln) zu treten, der den Jahn nach Jahren des Schlingerns auf ein sportlich und wirtschaftlich solides Gerüst gestellt hatte. Nur ein Teil der jüngsten Transfers erwies sich als hilfreich, zudem hat Stilz die Abhängigkeit von Leihspielern nicht verringern können, wie er es vorhatte. Sieben stehen aktuell im Kader.

Für Singh tue dem Vorstandsvorsitzenden die Situation "unendlich leid". Aber: "Es ist nun mal so: Wo Menschen sind, passieren auch Fehler." Die Mannschaft kümmere sich um Singh. "Wir reden viel. Sadi ist auch ein sehr cleverer Bursche", sagt Trainer Mersad Selimbegovic vor dem im Kampf um den Klassenverbleib wichtigen Spiel beim Tabellenletzten Magdeburg am Sonntag (13.30 Uhr). Der Mittelfeldspieler schrieb am Montag auf Instagram: "2022 what a joke", also was für ein Witz. Auch er selbst weiß ja erst seit kurzem vom Versäumnis des Klubs.

Dass dieses überhaupt auffiel, hängt mit Singhs Fortschritten zusammen. Nach einer Schambeinentzündung, die ihn seit Frühjahr außer Gefecht setzte und einen Wechsel zum Erstligisten Werder Bremen verhinderte, trainiert er mittlerweile wieder eifrig, kurz wirkte er schon in einem Testspiel mit. Nun hätte er in der Liga erste Einsätze bekommen können - wenn er denn gemeldet gewesen wäre. Als er informiert wurde, habe er keine "Sachen rumgeschmissen", sagt Selimbegovic, aber: "Es war ein harter Schlag, weil wir wissen, was er für Qualitäten hat."

Der Jahn hatte Singh bereits in der Vorsaison ausgeliehen, damals war er mit fünf Toren und acht Vorlagen in 25 Partien Topscorer. Dank jener Qualitäten, die dem mit sieben Toren aus neun Spielen angriffsschwächsten Zweitligateam gerade so empfindlich fehlen.

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