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SSV Jahn Regensburg:Jubel vor dem Wiedersehen

Jubel nach dem Tor zum 1:1, nach dem Tor zum 1:1 in der letzen Minute der Nachspielzeit, jubelnd, bejubelt, jubelt, jub

Ekstase nach dem Tor in letzter Sekunde: Die Regensburger begräbt ihren Torschützen Kaan Caliskaner voller Freude unter sich.

(Foto: Heiko Becker/HMB-Media/imago)

Der 21-jährige Kaan Caliskaner schießt den SSV Jahn mit seinem ersten Profitor in letzter Minute zum Remis gegen Darmstadt. Nicht nur deshalb kam der Treffer für ihn zum richtigen Zeitpunkt.

Von Johannes Kirchmeier

Ein Angriff noch, länger war nicht mehr Zeit für den Ausgleich, das wussten alle Beteiligten am Samstagnachmittag im Regensburger Jahnstadion. Also steckten die Spieler des Gastgebers eben all ihre Kraft in diesen letzten Anlauf in der Zweitliga-Partie gegen den 1:0 führenden SV Darmstadt 98. Torwart Alexander Meyer schoss einen Freistoß nach vorne, der Linksverteidiger Erik Wekesser flankte den Ball in den Strafraum, wo neben sechs Mitspielern auch alle elf Darmstädter warteten.

Am Ende der Kette verschätzten sich die in Überzahl angetretenen 98-Verteidiger jedoch. Der eingewechselte Stürmer Kaan Caliskaner staubte am zweiten Pfosten ab und traf mit seinem ersten Saisontor zum 1:1 (0:1). Der Rest war ekstatischer Jubel dieser so zähen Mannschaft des SSV Jahn Regensburg, die ihr Ziel in der 97. Minute, mehr als eine Minute nach dem eigentlichen Ende der Nachspielzeit, doch noch erreichte. "Mentalitätsmonster" nennen sich die Regensburger gerne selbst - zumindest am Samstag traf diese Zuschreibung wieder mal zu. Wie ein Sieg fühle es sich an, sagte Trainer Mersad Selimbegovic: "Schade, dass das Stadion leer war. Ich kann mir schon vorstellen, was hier passiert wäre."

Caliskaner passt zum schnellen Umschaltspiel der Regensburger

Es gibt trotzdem nicht viel schönere Zeitpunkte, um sein erstes Tor im Profifußball zu erzielen. Caliskaner half auch mit, dass der Jahn als Elfter mit 24 Punkten vor den Darmstädtern (22) bleibt. Caliskaners Premiere kam aber nicht nur wegen des späten Ausgleichs zum richtigen Zeitpunkt: Denn der 21-Jährige, der im Sommer zum SSV Jahn wechselte, ist pünktlich vor einem Wiedersehen in Form: Er trifft am Mittwoch (20.45 Uhr) im DFB-Pokal auf den 1. FC Köln, seinen ehemaligen Klub. Erstmals seit 2004 steht Regensburg wieder im Achtelfinale - und Caliskaner sagt: "Ich würde gerne eine Runde weiterkommen." Als 18-Jähriger wechselte er von Bergisch Gladbach in die Kölner Jugend, er schoss später auch noch zehn Regionalliga-Tore für die zweite Mannschaft, ehe er dann in die Oberpfalz weiterzog.

Trotz der zwei Ligen Unterschied sah Geschäftsführer Christian Keller in Caliskaner im Sommer eine Soforthilfe. Und tatsächlich hat der Angreifer sich vom Start weg gut präsentiert, alle 19 Partien absolviert und dabei drei Torvorlagen gegeben. Weil er neben seiner 1,90 Meter Körpergröße und der damit einhergehenden Robustheit in den Zweikämpfen zusätzlich eben auch sehr wendig und flink ist - und so perfekt zum schnellen Umschaltspiel des Klubs passt.

Lediglich mit dem Toreschießen klappte es lange nicht: Das war ja in der Saison bislang die Geschichte des Jahn im Allgemeinen, der zeitweise Chance um Chance vergab und sich so um verdiente Punkte brachte, und daher auch die Geschichte von Caliskaner im Besonderen: Vor seinem Treffer am Samstag gab er in der Spielzeit 21 Torschüsse ab. Nur Gerrit Holtmann vom VfL Bochum wartet nach noch mehr Schüssen (29) auf einen erfolgreichen Abschluss. "Ich hoffe, dass der Knoten jetzt geplatzt ist und er sieht, dass er das Toreschießen kann", sagte Selimbegovic deshalb.

Der Coach sah von der Seitenlinie aus fast eine Kopie des Tores beim 1:0-Derbysieg gegen den 1. FC Nürnberg am Mittwoch. Wieder brachte eine späte Flanke von der linken Seite den Erfolg - statt Andreas Albers traf nun eben Caliskaner. Der rundete so die mit vier Punkten ganz ordentliche Englische Woche in der zweiten Liga ab. Und nun gilt sein ganzer Fokus natürlich dem Pokal-Highlight.

© SZ/and
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