Im Jahr 2011 haben sie den „Hachinger Weg“ eröffnet, so nennen sie beim Fußball-Drittligisten das Konzept, das den Fokus auf die Einbindung eigener Talente legen soll. Solch ein Weg wird im Fußball meist dann beschritten, wenn man sich die großen Alleen nicht leisten kann, manchmal entsteht auf solchen Trampelpfaden dann auch viel Innovatives. Zuletzt schien es jedoch, als führe dieser Weg wieder in den Amateurfußball, also haben sie jetzt eine andere Richtung eingeschlagen. So schloss sich am Freitag mit der Verpflichtung von Trainer Heiko Herrlich ein Kreis: Der frühere Bundesligaprofi war es nämlich, der diesen Hachinger Weg einst eröffnet hatte.
Es gibt auffällige Parallelen zwischen der Herrlich-Verpflichtung vor zwölfeinhalb Jahren und heute. Haching ist zurzeit auch wieder Drittligist und geplagt von finanziellen Sorgen. Allein dieser Umstand führt schon dazu, dass junge Spieler ins kalte Wasser geschmissen werden müssen – im Sommer konnte noch Johannes Geis verpflichtet werden, doch jetzt ist für erfahrene Routiniers wohl kaum noch Geld da. Solche Nöte hatten Heiko Herrlich schon damals nicht abgehalten, jetzt spricht der Verein sogar von einem „längerfristigen“ Vertrag. „Ich freue mich sehr darauf, wieder ein Teil der Haching-Familie zu sein. Meine Erinnerungen an die zurückliegende Zeit bei der Spielvereinigung sind nur positiv, insbesondere, was die familiäre Atmosphäre und den Zusammenhalt in Unterhaching angeht“, so wird der 53-Jährige in der offiziellen Erklärung zitiert.
2011 war Schwabl noch nicht Präsident, aber er stellte damals als Jugendleiter den Kontakt zu Herrlich her. Als dann mit Klaus Augenthaler nicht verlängert wurde, wurde Herrlich statt U17- einfach Cheftrainer. Obwohl er damals sein Amt offiziell erst zum 1. September antreten konnte, sorgte er schon davor für Furore. Haching gelang nach den ersten Trainingseinheiten unter Herrlich ein viel beachteter 3:2-Sieg gegen den SC Freiburg im DFB-Pokal, Spieler wie Sascha Bigalke oder Florian Niederlechner wurden damals bundesweit bekannt.
Nach seinem bislang letzten Engagement beim Bundesligisten FC Augsburg von März 2020 bis April 2021 war es zwar recht still geworden um Herrlich, vor anderthalb Jahren soll er kurz einmal in der ersten ägyptischen Liga im Gespräch gewesen sein. Trotzdem ist seine Rückkehr für die Vorstädter natürlich ein gelungener Coup. Schwabl war es offenbar besonders wichtig, einen erfahrenen Trainer präsentieren zu können, dessen Name allein schon Schubkraft besitzt. Zuerst hatte er es mit Felix Magath versucht, einige Tage lang blieb offen, ob der Meistertrainer von 2009 in Haching übernimmt, dann sagte der 71-Jährige doch noch ab. Herrlich sollte deshalb aber nicht als Notlösung verstanden werden, zumal er ein ausgewiesener Jugendfußball-Experte ist.
Der Deutsche Fußball-Bund dürfte bezüglich der Bußgeldzahlungen mit einem ganzen Zaun gewunken haben
2011 holte er einen Trainer-Novizen als Assistenten, Manuel Baum nämlich, diesmal wird es Sven Bender sein. Dessen Verbleib gab der Verein ebenfalls am Freitag nicht ohne Stolz bekannt. Bekanntlich hält Schwabl viel von jenem 35-jährigen früheren Dortmunder, dessen aktive Karriere Ähnlichkeiten zu jener Herrlichs aufweist (265 Bundesliga- und 33 Champions-League-Spiele, Herrlich 256 und 29, beide je zweimal deutscher Meister und Pokalsieger). Auf Nachfrage erklärt Schwabl, dass ihn nun vor allem „die Kombination Erfahrung und aufstrebender junger Trainer“ hoffnungsvoll mache, „beide sind sehr akribisch und bodenständig“.
Hätte Bender die nötige Lizenz, hätte Schwabl dem jungen Coach auch die alleinige Verantwortung übergeben. Doch nach allem, was zu hören ist, dürfte der Deutsche Fußball-Bund bezüglich der zu erwartenden Bußgeldzahlungen nicht nur mit einem Zaunpfahl, sondern mit einem ganzen Zaun gewunken haben, und dann wäre der Hachinger Weg versperrt gewesen. Am Samstag wird das neue Team erstmals das Training leiten. Es sei für ihn eine „Herzensangelegenheit“ gewesen, so Bender, dem Verein im Dezember als Interimstrainer zu helfen, mehr als das sei aber angeblich nie geplant gewesen. „Nun freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Heiko Herrlich. Gemeinsam werden wir alles dafür tun, um den Klassenerhalt zu erreichen.“
Es gibt allerdings auch Unterschiede zu damals. Heiko Herrlich konnte bei seiner ersten Verpflichtung viele hoffnungsvolle Talente schleifen und polieren, aktuell scheint die Mannschaft nicht viel Entwicklungspotential herzugeben. Unterhaching ist Tabellenletzter, weil vor allem das Toreschießen schwerfällt. „Wir halten Augen und Ohren offen“, erklärt Schwabl auf die Frage, ob der Kader noch verbessert werden kann.

