Es ist erst ein paar Tage her, da lebten im Unterhachinger Sportpark die alten Zeiten wieder auf: Im Rahmen eines Fanfestes hatten sich ein paar frühere Helden die Ehre gegeben, etwa Jörg Bergen und Dennis Grassow, die Teil des Kaders waren, der zwischen 1999 und 2001 in der Bundesliga für ein paar denkwürdige Fußballmomente sorgte. Oder Darlington Omodiagbe, der fast 150 Mal für die SpVgg Unterhaching in Liga zwei auflief.
Mittlerweile ist der Verein wieder einmal auf dem harten Boden der Realität angekommen: In der Regionalliga Bayern müssen die Hachinger einen Neuanfang machen nach einer schlimmen Saison in Liga drei, die man als abgeschlagenes Tabellenschlusslicht abschloss. Man sei von der „Wüste in die Ober-Wüste“ abgestiegen, sagt Manfred Schwabl. Aber es gebe „immer irgendwo Wasserstellen“, so der Klubpräsident weiter. „Erstmal müssen wir jetzt den Boden unter den Füßen zurückbekommen, durchschnaufen und eine neue Mannschaft aufbauen.“
Die Frage sei, wer aus dem Kreis der Fans, Sponsoren und Mitarbeiter den neuen Kurs tatsächlich mitgehe, mit Talenten aus dem Nachwuchsleistungszentrum „ein bis drei Jahre bodenständige Arbeit“ zu leisten. „Wenn nicht, sind sie nicht die Richtigen“, so Schwabl. Ein konkretes Ziel wolle er für die Saison, die für Haching am Samstag mit dem Auswärtsspiel bei der DJK Vilzing beginnt, nicht ausgeben.
Das gilt auch für Trainer Sven Bender, der sich nach kurzer Bedenkzeit dann doch dazu entschied, bei der SpVgg zu bleiben. Er habe erst reflektieren müssen, welche Möglichkeiten der Verein habe und ob „auf Teufel komm raus“ der Wiederaufstieg angegriffen werde. „Als junger Trainer geht es auch darum, sich zu entwickeln“, sagt Bender. Die Möglichkeit dazu sehe er in Unterhaching. Womit es ihm vermutlich ähnlich ergeht wie seinem um zwölf Minuten älteren Zwillingsbruder Lars, der als Coach von Wacker Burghausen in die Regionalligasaison geht. Diese Konstellation sei aber „kein Thema in der Familie“, wie Sven betont.
Im Rahmen seiner Möglichkeiten scheint der runderneuerte Kader der Rot-Blauen bestens präpariert. Man gewann alle Testspiele, etwa gegen den Ligarivalen Buchbach (6:0), den ambitionierten Bayernligisten Landsberg (3:1) und sogar gegen Zweitligaabsteiger Jahn Regensburg (2:1). Die Generalprobe am Dienstag im Toto-Pokal beim Passauer Kreisligisten TSV Karpfham war lange durchwachsen, erst in der letzten halben Stunde kam der standesgemäße 5:0-Erfolg zustande.

Wozu der mit 21 einsatzfähigen Spielern „kleine Kader“ (Bender) fähig ist, werde sich erst in den Punktspielen zeigen, wenn der Druck da sei. „In der Liga wird guter Männerfußball gespielt, da kommt es für unsere jungen Spieler auch darauf an, sich körperlich zu behaupten“, so der 36 Jahre alte Coach. „Wir sind vom Namen und vom Stadion her die Großen, jeder will uns schlagen“, sagt Bender, der nur noch drei „Ankerspieler“ zur Verfügung hat: Präsidentensohn und Sportdirektor Markus Schwabl, Mittelfeldspieler Simon Skarlatidis, beide 34, sowie Defensivallrounder Manuel Stiefler, 36. Alle anderen sind junge Eigengewächse, dazu kommen eine Handvoll externer Zugänge wie der österreichische Ex-U17-Nationalspieler Luis Pfluger, 18, von Rapid Wien oder der frühere deutsche Auswahlspieler Christopher Negele, 20, vom 1. FC Heidenheim.
Das Feld ist also bereitet für eine solide Saison. Doch Präsident Schwabl hat wegen zahlreicher Nebenkriegsschauplätze nur bedingt gute Laune. In der kurzen Sommerpause poppten unangenehme Nachrichten hoch, etwa Berichte über Sanierungsbedarf im Stadion, für dessen Kauf die SpVgg weiterhin nach einem „wirtschaftlichen Mitspieler“ (Schwabl) sucht.
Und dann war da noch ein „offener Brief“ von Eltern, der so offen dann doch nicht war, weil die Verfasser anonym bleiben wollten, aber mit markigen Worten Missstände im Nachwuchsleistungszentrum anprangerten. Es ging um fehlende Umkleiden und Toiletten, darum, dass Trainingsbälle von den Kindern selbst finanziert werden sollten und um den Stil, den der Verein pflege, wenn dem ein oder anderen Nachwuchsspieler verklickert werde, dass es für ihn in Haching nicht weitergehe.
Schwabl wollte das zunächst gar nicht kommentieren („interessiert mich nicht“), um dann doch noch ein paar Sätze loszuwerden. Man kenne die Mängel, die es rund um die Plätze gebe. Aber andererseits „wissen wir auch sehr genau, was wir gut machen bei der Ausbildung“. Und überhaupt könne auch er mal einen offenen Brief über das Verhalten der Eltern schreiben, „aber dann ganz sicher nicht anonym“, so Schwabl. Sven Bender nickte wissend. Immerhin hat der neue Trainer einst als kleiner Junge selbst in Haching gekickt. Und so sprach er eine Wahrheit gelassen aus: „Wir sind nicht Bayern oder der BVB, wir sind ein Viertligist.“

