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SpVgg Unterhaching:Hübsche Braut

"Die Aktienbewertung beinhaltet praktisch einen Aufstiegszwang": Der Klub geht an die Börse und erhofft sich davon ein stabiles Finanz-Fundament für die nächsten drei Jahre - um Liga zwei zu erreichen.

Ein erhöhtes Aufkommen an Kamerateams gehört bei Profi-Fußballvereinen kurz vor dem Saisonstart zur Normalität. Bei der SpVgg Unterhaching tummelten sich zuletzt allerdings auch einige Wirtschafts- und Finanz-Journalisten. Verantwortlich für deren Interesse an Haching ist die Wertpapierkennnummer A2TR91. Sie steht für die SpVgg-Aktie, die seit Montag am Börsenplatz München gezeichnet werden kann. Eine Aktie ist zum Festpreis von 8,10 Euro erhältlich, benötigt wird dafür lediglich ein Wertpapierdepot bei einer Hausbank oder Online-Bank. Laut Verein wird nach Ende der Zeichnungsfrist - voraussichtlich am 30. Juli 2019 - der freie Handel der Aktien an der Börse München beginnen.

Der Klub, der nach dem Börsengang mindestens 50 Prozent der Aktien halten wird, hat auch künftig die Kontrolle über die Geschäftsführung der börsennotierten Gesellschaft. Präsident Manfred Schwabl ist der größte Einzelaktionär, sollten alle 954 365 ausgegebene Aktien platziert werden, beliefe sich sein Anteil an der Hachinger Fußball GmbH & Co. KGaA auf 16,66 Prozent. Mit den knapp zwölf Millionen Euro, die im Falle der Zeichnung aller Aktien erzielt würden, sichert sich der Klub nach eigenen Angaben den Etat für die kommenden drei Spielzeiten. Schwabl möchte mit dem Börsengeld den Kader verbessern, das Stadion zweitligatauglich machen und das Nachwuchsleistungszentrum optimieren. Er spricht von einem "Mix aus Steinen und Beinen".

"Man spürt jetzt so richtig, wie der Zug Unterhaching ins Rollen kommt." - SpVgg-Kapitän Josef Welzmüller ist recht euphorisiert.

(Foto: Claus Schunk)

Dieses Zitat verwendete im Jahr 2000 auch Michael Meier, der damalige Manager von Borussia Dortmund. Der BVB war der erste und bisher einzige deutsche Fußballverein, der den Gang an die Börse wagte. Unterhaching tritt also in große Fußstapfen. "Die Fußball-Aktie hat in den vergangenen Jahren eine völlig neue Bedeutung bekommen. Profivereine werden längst wie Unternehmen geführt, und entsprechend interessant sind sie für Investoren", erklärte Marcus Silbe, Chef des Analysehauses FMR Frankfurt Main Research, gegenüber der Welt. Wie riskant dieses Unterfangen aber auch sein kann, zeigt die BVB-Börsengeschichte. Am 31. Oktober 2000 war die Aktie für 11,00 Euro ausgegeben worden, 2009 war sie weniger als einen Euro wert. "Das Risiko bei Fußballaktien ist immer hoch", erklärte ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, die mit Blick auf die SpVgg sagte, in Unterhaching regiere eine "Mischung aus Wagemut und Kalkül". Obwohl Schwabl darauf hinweist, dass der Verein "konservativ kalkuliert" habe und die SpVgg mit gut 40 Millionen Euro bewertet worden sei, der Börsenwert sich bei Ausgabe aller Aktien aber "nur" auf 36,5 Millionen Euro belaufe und damit rund zehn Prozent "Sicherheitspuffer" vorhanden sei, ist auch Silbe vorsichtig. Die "Zweitliga-Fantasie" sei in der vom Verein angepeilten Bewertung bereits zu einem Großteil enthalten, sagte er, "die Aktienbewertung beinhaltet praktisch einen Aufstiegszwang". Das sei sehr riskant für den Kurs. Schwabl hält dagegen. Die SpVgg habe ein "gutes Grundfundament", die Reise gehe jetzt eigentlich erst los. Wer ein bisschen Geduld und Weitsicht habe, sei mit einem Einstieg gut beraten. Selbst wenn nur 50 Prozent der Aktien gezeichnet würden, "hätten wir ein bombenfestes finanzielles Fundament", betonte der Präsident.

Dass Fußballaktien durchaus Potenzial haben, macht ein Blick ins Ausland deutlich. Jene von Juventus Turin steigerte sich in den vergangenen fünf Jahren um 580 Prozent, die von Benfica Lissabon um 192 Prozent. Selbst die BVB-Aktie legte in diesem Zeitraum um 84 Prozent zu. Allerdings bewegen sich diese Verein in anderen sportlichen und wirtschaftlichen Dimensionen als die SpVgg. Schwabl weiß: "Geld allein bringt nichts", sportliche und wirtschaftliche Kompetenz müssten Hand in Hand gehen. Der Präsident rechnete in der Wirtschaftswoche vor, dass die SpVgg in der anstehenden Saison etwa zweieinhalb Millionen Euro brauchen wird. Wer in der dritten Liga um den Aufstieg mitspielen wolle, mache "operativ einfach Verlust". Der Aufstieg wird in dieser Spielzeit noch nicht als Ziel ausgegeben, Schwabl möchte den Klub erst einmal "in der oberen Tabellenhälfte stabilisieren". Danach soll der Aufstieg angegangen werden.

Der erste Spieltag

Freitag, 19,7., 19 Uhr

1860 München - Preußen Münster

Samstag, 20.7., 14 Uhr

Würzburger Kickers - Bayern München II

1. FC Kaiserslautern - SpVgg Unterhaching

MSV Duisburg - SG Sonnenhof Großaspach

SV Meppen - FSV Zwickau

Hansa Rostock - Viktoria Köln

Samstag, 20.7., 17.45 Uhr

1. FC Magdeburg - Eintracht Braunschweig

Sonntag, 21.7., 13 Uhr

Chemnitzer FC - Waldhof Mannheim

Sonntag, 21.7., 14 Uhr

KFC Uerdingen - Hallescher FC

Montag, 22.7., 19 Uhr

Carl Zeiss Jena - FC Ingolstadt

Unterhaching-Trainer Claus Schromm geht mit großem Enthusiasmus in die neue Saison, die für die SpVgg am Samstag mit dem Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern beginnt. "Wir haben uns kadertechnisch sehr, sehr stark optimiert", sagte er, so einen starken Kader habe er in Haching noch nicht gehabt. "Die Braut SpVgg Unterhaching wird von Tag zu Tag schöner", säuselte er, "wir sind uns manchmal gar nicht bewusst, wie schön wir eigentlich schon sind." Kapitän Josef Welzmüller ist ähnlich euphorisch: "Man spürt jetzt so richtig, wie der Zug Unterhaching ins Rollen kommt." Er könne nur alle einladen, noch aufzuspringen.