Dritte LigaNicht auf der Sonnenseite

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Bange Blicke: Bei Haching läuft es nicht, das machen auch die Mienen der Trainer Thomas Kasparetti  und Sven Bender sowie von Präsident Manfred Schwabl (von links) ziemlich deutlich.
Bange Blicke: Bei Haching läuft es nicht, das machen auch die Mienen der Trainer Thomas Kasparetti  und Sven Bender sowie von Präsident Manfred Schwabl (von links) ziemlich deutlich. Oryk Haist/Imago

Die SpVgg Unterhaching geht mit einer 0:3-Heimniederlage gegen Dynamo Dresden in die Winterpause. Sven Bender soll das Team auch in der Rückrunde betreuen. Zusätzlich ist der Verein von finanziellen Problemen geplagt.

Von Stefan Galler

Es fiel Sven Bender nicht leicht, das gerade Erlebte in Worte zu fassen. Die Enttäuschung saß tief beim Interimstrainer der SpVgg Unterhaching nach der ziemlich klaren 0:3 (0:1)-Heimniederlage gegen Dynamo Dresden im letzten Spiel des Jahres. Auch weil die Lage im Tabellenkeller der dritten Liga nach nun 15 Spielen in Serie ohne Sieg immer düsterer wird. „Zur ersten Halbzeit gibt es von meiner Seite nicht viel zu sagen, weil wir nichts von dem gemacht haben, was wir uns vorgenommen haben. Das ist ehrlicherweise nicht annähernd etwas, mit dem man im Abstiegskampf irgendwie überleben kann“, sagte Bender. Nach ein paar Anpassungen habe es dann in der zweiten Halbzeit etwas besser ausgesehen. Dennoch: „Es ist sehr ernüchternd gerade.“

Doch wie es sich für einen Profi gehört, hielt er sich mit der Analyse gar nicht lange auf, sondern richtete den Fokus auf die Zukunft: „Mit einem guten Spiel zu Hause wären wir mit einem anderen Gefühl in die Winterpause gegangen. So wird es keine richtige Pause, kein richtiger Urlaub“, resümierte der frühere Nationalspieler und machte eine klare Ansage für den Jahreswechsel: „Es ist die Zeit, dass jeder sich reflektiert, dass jeder an sich arbeitet. Zum Vorbereitungsstart soll jeder da sein und wissen, worum es geht und dafür alles geben.“

Die Partie hatte mit einer halbstündigen Verspätung begonnen, weil viele der geschätzt 5000 Dynamo-Anhänger bei der Anreise in einen Stau geraten waren. Dresden brauchte trotz der Verzögerung nicht lange, um ins Spiel zu kommen, Aljaz Casar traf früh per Kopf nach Flanke von Jonas Sterner (8.). Haching hatte durch Lenn Jastremski nur eine Chance vor der Pause, er scheiterte aus etwa sechs Metern (45.+3).

Haching muss zwei Millionen Euro einsparen. Präsident Schwabl sagt, das sei „kein Ad-Hoc-Thema“

Nach dem Wechsel hatten die nun deutlich engagierteren Gastgeber eine weitere Gelegenheit, der trotz einer heftigen Nebenhöhlen-Entzündung eingewechselte Simon Skarlatidis schickte Julian Kügel auf die Reise, doch der traf nur den linken Innenpfosten (66.). Und wie es eben so ist, wenn man sich gerade nicht auf der sportlichen Sonnenseite befindet, erhöhte Dynamo zwei Minuten später durch einen Kopfball von David Kubatta auf 0:2; Stefan Kutschke setzte mit einem von Johannes Geis verursachten Handelfmeter den 0:3-Schlusspunkt (74.).

Und so blicken sie im Sportpark in eine ungewisse Zukunft. Das beginnt schon beim Übungsleiter, denn Sven Bender, der seit der Freistellung von Marc Unterberger vor drei Wochen in die Chefrolle rückte, hat keine Uefa-Pro-Lizenz, was den Verein für jede Partie, die der 35-Jährige coacht, eine Strafe kosten würde. Dennoch scheint Manfred Schwabl dazu zu tendieren, dem gebürtigen Rosenheimer dauerhaft das Vertrauen zu schenken. „Wir stecken diese Tage die Köpfe zusammen, dann werden wir schnell entscheiden“, sagt der Präsident. Man hört die Tendenz, dass es wohl auf Bender hinauslaufen wird, ziemlich klar heraus, auch wenn dieser abwiegelt: „Es geht doch nicht um mich. Jeder Einzelne, aber auch der gesamte Verein, das gesamte Team müssen alles tun, um aus der Situation herauszukommen.“

Als wäre die sportliche Misere nicht schon schlimm genug, wurde zum Wochenende auch noch publik, dass die SpVgg mit gravierenden Finanzproblemen zu kämpfen habe und bis zu zwei Millionen Euro einsparen müsse, das sind 25 Prozent des Jahresbudgets. Präsident Manfred Schwabl wiegelt auf Nachfrage ab: „Das ist kein Ad-Hoc-Thema. Ein normaler Prozess, den wir im Verein schon lange diskutieren.“ In der Liga schreibe man „strukturell immer ein Minus“, das man zuletzt oft durch Spielertransfers habe ausgleichen können. Diesmal eben nicht. Dazu werde auch noch alles teurer. Als Beispiel sei der Pachtzins für das Sportparkstadion genannt, den die Gemeinde in der vergangenen Woche um mehr als 300 Prozent erhöht hat – auf nunmehr über 26 000 Euro im Monat.

Da die Kooperation mit dem FC Bayern nicht wie ursprünglich kolportiert „Geisterzahlen“ (Schwabl) in die Kassen spült, sondern nur eine Million Euro im Jahr, müsse „in allen Abteilungen gestrafft werden“, wie der Präsident sagt. Das gelte auch für die florierende Gastronomie. Bis zu 25 Arbeitsplätze sollen insgesamt wegfallen, dabei gehe es unter anderem auch um Kaderplätze, etwa bei der U21.

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