Es ist eine bewegte Woche für den Fußball-Drittligisten SpVgg Unterhaching: Der desillusionierenden 0:2-Niederlage bei Energie Cottbus folgte am Sonntag die Freistellung von Trainer Marc Unterberger. Gleichzeitig präsentierten Klubpräsident Manfred Schwabl und sein Sohn Markus, der Kapitän der Mannschaft und Sportdirektor des Vereins ist, den Nachfolger: Sven Bender, bisher Assistenzcoach, rückt in die Chefrolle, zumindest für die drei Partien bis zur Winterpause. Und am Donnerstagvormittag wurde dann auch noch die Kooperation mit dem FC Bayern München endgültig offiziell gemacht.
Man werde beim Sichten, Austausch und Fördern von Talenten eng zusammenarbeiten, zudem Trainern aus dem Unterhachinger Nachwuchsleistungszentrum Hospitanzen auf dem Bayern-Campus ermöglichen. „Spieler beider Klubs sollen im Zuge einer optimalen, individuellen Förderung die Möglichkeit zum internen Vereinswechsel bekommen“, heißt es in der Pressemitteilung vom Donnerstag. Man kann davon ausgehen, dass der Wechsel von Junioren-Nationalspieler Maurice Krattenmacher von der SpVgg zu den Bayern und die darauffolgende Leihe zum Zweitligisten SSV Ulm im vergangenen Sommer bereits ein Ergebnis dieser Kooperation ist, ebenso der Transfer von Gibson Adu, 16, zu den Münchnern – er spielt wiederum leihweise weiter bei Haching.
Die Bekanntgabe der Kooperation zum jetzigen Zeitpunkt wirft allerdings auch Fragen auf. Seit acht Monaten wird sie kolportiert, und für das, was nun in der Mitteilung drinsteht, hätte man eigentlich nicht so lange warten müssen. Unklar ist nämlich weiterhin, wie das wahre Ausmaß der Zusammenarbeit aussieht – zu hören war von einer finanziellen Unterstützung für Unterhaching in Höhe von zehn Millionen Euro für drei Jahre. Nun gibt es Aussagen der Verantwortlichen, die Zuwendung werde geringer ausfallen als ursprünglich geplant.
Aber um Geld soll es bei der Zusammenarbeit ohnehin nur am Rande gehen. Hachings Sportdirektor Markus Schwabl deutet an, dass die abstiegsgefährdeten Vorstädter schon im Winter-Transferfenster auf frische Kräfte hoffen können: „In einer Situation, in der wir jetzt stecken, muss man immer über potenzielle Anpassungen sprechen, die man im Winter machen kann“, sagt Schwabl junior: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass man mit Bayern mal darüber spricht, welche Möglichkeiten es gäbe. Das ist aber bisher nicht passiert.“ Eine Äußerung von Bayern-Sportvorstand Max Eberl zur Zusammenarbeit könnte man durchaus in diese Richtung interpretieren: „Die SpVgg Unterhaching möchte sich mittelfristig als bodenständiger, wirtschaftlich solider Profiverein etablieren. Auf diesem Weg wollen wir den Klub begleiten.“
Wenn sich die Hachinger langfristig für Sven Bender als Trainer entscheiden, könnte es sogar einen Punktabzug geben
Für den neuen Cheftrainer Sven Bender ist all das noch kein Thema, wie er am Donnerstag in der Pressekonferenz vor dem richtungsweisenden Heimspiel am Samstag (14 Uhr) gegen Hannover 96 II betonte. Er habe sich die ganze Woche ausschließlich mit dem nächsten Gegner auseinandergesetzt, der als 18. der Tabelle zwei Punkte vor den Hachingern liegt. Deshalb habe er sich auch noch keinerlei Gedanken darüber gemacht, ob sein Engagement tatsächlich an Weihnachten schon wieder beendet sein wird. „Wir brauchen mal wieder das Gefühl des Sieges, um den Glauben zu haben, dass wir gut sind“, sagte der 35-jährige frühere Profi: „Wir haben noch eine lange Saison vor uns, deswegen zählt erst mal wirklich nur der Samstag.“
Ihn erinnere die aktuelle Situation der SpVgg an die schwierige Saison mit Borussia Dortmund 2014/15, so Bender, als man nach 19 Bundesligaspieltagen auf dem letzten Platz lag: „Man muss sein Ego hinten anstellen, positiv denken, denn positive Energie bewirkt viel. Fehler müssen angesprochen werden, alles muss der Sache dienen. Das habe ich damals mitgenommen“, so Bender.

Markus Schwabl sagt, in der Winterpause werde man entscheiden, ob es mit Sven Bender als Cheftrainer weitergeht. Sollte das Experiment mit dem Interimstrainer fortgesetzt werden, dürfte Haching wohl wieder vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zur Kasse gebeten werden, weil Bender nicht die nötige Uefa-Pro-Lizenz besitzt. Das war bereits bei Unterberger der Fall, er legte kurioserweise erst in dieser Woche – also nach der Entlassung – seine letzten schriftlichen Prüfungen ab. „Wenn man sich dafür entscheidet, mit Sven weiterzumachen, wird es wohl keine Sonderregelung geben, dass es beim zweiten Mal für uns umsonst ist“, scherzt Markus Schwabl.
Sein Vater, Präsident Manfred, sei schon mit dem DFB in Kontakt, um die Meinung dort auszuloten. Wenn sich die Hachinger für Bender entscheiden, könnte dies nicht nur teuer werden, weil der junge Trainer noch einen sehr langen Ausbildungsweg vor sich hat. Es ist darüber hinaus möglich, dass der DFB sogar einen Punktabzug verhängt. Das hatte der Verband schon einmal bei Türkgücü München getan. Anfang 2022 war die Zwei-Punkte-Strafe aber etwas untergegangen, weil der Verein ohnehin schon im Insolvenzverfahren steckte. Für Unterhaching im Abstiegskampf wäre ein entsprechendes Signal des DFB dann wohl ein Argument dafür, Bender zumindest einen Lizenzinhaber an die Seite zu stellen.
Gut zu sprechen ist man in Frankfurt auf die Hachinger aktuell vermutlich nicht. Schon allein deshalb, weil der Verband eigentlich am Samstag eine Delegation zum Drittliga-Spiel entsenden wollte. Die Partie gegen Hannover 96 II wäre nämlich eine Art Praxis-Abschlussprüfung für Unterberger gewesen. Für den über Jahre in Unterhaching hochgelobten Übungsleiter müssen sie jetzt beim DFB eine andere Abschlusslösung finden.

