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SpVgg Unterhaching:Engagiert in der Tristesse

Tanz durch den Regen: Unterhachings Jim-Patrick Müller (re.) trotzt dem miserablen Wetter.

(Foto: Claus Schunk)

Die SpVgg Unterhaching vergibt im Aufstiegskampf Chance um Chance gegen Waldhof Mannheim - und liegt fünf Spiele vor Saisonschluss fünf Punkte hinter dem vierten Platz.

Von Stefan Galler

Nächste Woche fragt schon keiner mehr, wie das Ergebnis zustande gekommen ist. Diese Weisheit gehört zum Standardrepertoire aller, die mehr oder weniger schlau über Fußball sprechen. Und sie gilt nicht nur für jene Spiele, in denen ein Team mit allen unsichtbaren Mächten im Bunde einen Sieg einfährt, der dem Spielverlauf nie und nimmer entspricht. Sie gilt auch für Partien wie jene am Mittwochabend im Unterhachinger Sportpark: Da trafen zwei Mannschaften aufeinander, die beide siegen mussten, wenn sie im Kampf um den Aufstieg nicht endgültig entscheidend zurückfallen wollten. Und obwohl Waldhof Mannheim und vor allem Gastgeber SpVgg Unterhaching jede Menge bester Möglichkeiten hatten, traf keiner der eingesetzten 31 Spieler ins Schwarze. "Jeder wollte gewinnen und jeder hätte die drei Punkte gut brauchen können", sagte Unterhachings Trainer Claus Schromm später. "Aber um ein Spiel zu gewinnen, musst du halt ein Tor schießen."

Zum Wohlfühlen war die Atmosphäre nicht gerade angehalten. Beißende Kälte und prasselnder Dauerregen verliehen dem ohnehin schon trostlosen Szenario etwas beinahe Apokalyptisches. Wie gut, dass sich wenigstens die Spieler auf und neben dem Platz mächtig engagiert zeigten. Hachings Felix Schröter traf beim ersten gelungenen Angriff den Pfosten (6. Minute), dann verhinderte SpVgg-Torwart Nico Mantl gegen Mounir Bouziane einen möglichen Rückstand (12.). Fortan hatten in erster Linie die Gastgeber allerbeste Chancen, etwa als Mannheims Verteidiger Michael Schultz in Bedrängnis seinen eigenen Torwart Timo Königsmann prüfte und Hachings Christoph Greger den Nachschuss in Rücklage in die Wolken donnerte (44.).

Auch im zweiten Durchgang war die SpVgg das gefährlichere Team, so setzte Max Dombrowka einen Kopfball ans Lattenkreuz (59.). "Wir haben alles rein gehauen und hätten den Sieg am Ende einen Tick mehr verdient gehabt, weil wir die knapperen Dinger hatten", sprach Dombrowka nach dem Spiel ins mit Folie verpackte Mikrofon von MagentaTV.

Das sah auch sein Trainer so, Schromm hatte viel Lob ("brutales Tempo, Mann gegen Mann auf dem ganzen Platz") für sein Team übrig. Aber er sparte auch nicht mit Kritik: "Ein paar Mal hatten wir einen schlechten ersten Kontakt, kamen zu spät oder schlecht zum Abschluss." Bei diesen Bedingungen hätten es seine Offensivleute mit "Flachschüssen ins Eck" versuchen sollen, so der frühere Stürmer.

Letztlich hatten aber die Defensivreihen das bessere Ende für sich, nachdem beide Teams zuvor in zwei Spielen jeweils insgesamt sechs Gegentore kassiert hatten. "Wir haben gut verteidigt, obwohl wir größenmäßig unterlegen waren", sagte Waldhof-Trainer Bernhard Trares.

Dass sich die verletzten Hachinger Spieler von der Tribüne aus unentwegt mit lauten Zwischenrufen am Coaching beteiligten, störte den Mannheimer Übungsleiter nicht. Bei Geisterspielen müsse man "emotional etwas reinbringen, sonst schläft man ja ein". Claus Schromm fand das Engagement von Endres, Welzmüller und Co. ebenfalls gut: "Alle rechts hinter mir waren sehr positiv und laut."

Fünf Spiele vor Saisonschluss liegt Haching nun fünf Punkte hinter dem vierten Platz, der zur Relegation berechtigen würde. Doch dazwischen rangieren drei weitere Teams, darunter der SV Waldhof. Selbst wenn die Rot-Blauen jetzt eine Serie starten würden, ist nicht gesagt, dass es noch etwas wird mit ganz oben. Und wenn im Juli Feierabend ist, gilt folgende Weisheit: Die Tabelle lügt nicht.

© SZ vom 19.06.2020

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