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SpVgg Unterhaching:"Da haut's mir den Schalter raus"

„Wir müssen da jetzt wie ein ICE durchrauschen.“ – Manfred Schwabl will die zerstrittene und kaum finanzierbare dritte Liga verlassen.

(Foto: Claus Schunk)

Manfred Schwabl, Präsident des Fußball-Drittligisten Unterhaching, über sein Unverständnis für die Abbruch-Befürworter, Unehrlichkeit in Sachsen und Hotelpreise in Mannheim.

Am Sonntagnachmittag ist Fußball-Drittligist SpVgg Unterhaching nach Holzkirchen ins Quarantäne-Hotel gefahren, am Samstag startet der Tabellendritte bei Sonnenhof Großaspach in die Restsaison. Präsident Manfred Schwabl hatte vor der Abfahrt daher Lust auf eine nicht digitale Videokonferenz, und so gab es die erste Zusammenkunft mit Journalisten seit über zwei Monaten - im Stadion-Biergarten: Auf einem Tisch lag eine Schachtel mit Schutzmasken bereit, alle erforderten Abstände wurden eingehalten. Schwabl war auch auf Distanz gut zu verstehen, denn die Streitereien mit einigen ostdeutschen Klubs und Waldhof Mannheim ringen ihm wenig Verständnis ab.

SZ: Herr Schwabl, Sie fahren gleich mit Kleinbussen in die sechstägige Quarantäne. Wo steht das Team sportlich, was ist wichtig, um in den Rhythmus zu finden?

Manfred Schwabl: Du musst aufpassen, dass du nicht zu viel trainierst. Es ist ein Kaltstart ohne Freundschaftsspiele, und dann hast du nur noch englische Wochen, dann heißt es nur noch: regenerieren, spielen regenerieren, spielen. Da geht es um das Fingerspitzengefühl der Trainer. Ich freue mich auf Samstag um 14 Uhr in Großaspach. Aber ich habe bis dahin ehrlich gesagt ganz andere Themen, mit denen ich mich beschäftigen muss.

Es gab viel Streit und Chaos in den vergangenen Wochen, manche Vereine wollen nicht weiterspielen.

So, wie sich manche verhalten, da frage ich mich schon, ob wir noch eine Profiliga oder eine Amateurliga sind. Wenn ich ein Profiverein bin, dann sollte ich mich auch messen wollen, auf dem Spielfeld und nicht am grünen Tisch. Wenn ich heute schon wieder lese, was in Sachsen passiert, mit dem Chemnitzer FC und dem FSV Zwickau - das ist, glaube ich, ein Paradebeispiel, dass es nicht immer ganz ehrlich zugeht. Und in Mannheim ist es ja so: Da haben sie jeden Tag einen anderen Grund, warum sie nicht spielen wollen. Ich finde: Wenn du Sportler bist, dann musst du alles dafür tun und alles in die Waagschale schmeißen, dass man seinen Beruf ausüben kann.

Was genau meinen Sie damit, dass in Sachsen manches nicht ganz ehrlich läuft?

Der sächsische Verbandspräsident Hermann Winkler sagt, er trägt eine Weiterführung der Saison nur mit, wenn beide Vereine dafür sind. Ohne ihm zu nahe zu treten, aber das hat mir sportlichem Fairplay nichts mehr zu tun. In Chemnitz waren sie völlig überrascht von diesem Antrag! Ich weiß nicht, was sie in Sachsen die letzten Wochen gemacht haben. In Thüringen wird die Maskenpflicht aufgehoben, aber Carl Zeiss Jena sagt, sie können nicht trainieren. Das Außenbild der dritten Liga ist eine Katastrophe.

Sehen Sie denn den Spielbetrieb gefährdet, wenn so viele Steine im Weg liegen?

Überhaupt nicht. Der DFB hat klare Kante gezeigt gegen die Anschuldigungen, sie trieben die Vereine in die Insolvenz. Ich sehe da nichts anbrennen, außer natürlich es kommt eine zweite Welle und fünf Vereine müssen in Quarantäne, aber dann ist das eben so und wir müssen das akzeptieren. Aber wenn ich die ganze Zeit nach Gründen suche, warum es nicht gehen soll - da haut's mir den Schalter raus. Wenn ich mir keinen Hygiene-Beauftragten leisten kann - also, ich glaube nicht, dass der mehr verdient als ein Top-Stürmer in Mannheim... Waldhof Mannheim hat gesagt, das Hotel kostet sie 58 000 Euro. Steigen die in Dubai im Tower ab? Ich komme gerade aus dem Hotel in Großhartpenning bei Holzkirchen, ich hab' grad noch die Preise fixgemacht. Wir liegen dort ungefähr bei einem Drittel davon.

War es nicht absehbar, dass es beim Restart zu dieser Eskalation kommt? Es wurde ja schon lange gestritten.

Im Endeffekt ist diese Nichteinigkeit dem grundsätzlichen System geschuldet. Wenn jetzt die vierte Rate der Fernsehgelder so hoch wäre, dass jeder überleben kann, dann wären wir uns doch alle einig. Es geht doch immer nur ums Pulver! Dass sich in der ersten und zweiten Liga alle so einig sind: klar, wenn die vierte Rate so hoch ist, dann nimmt man als Profiverein auch Geisterspiele in Kauf. In der dritten Liga ist die Rate wesentlich geringer als das, was manche in Kurzarbeit reinholen. Ich bin froh, dass wir als einziger Klub neben Bayern II auf Kurzarbeit verzichtet haben. Denn das hat aus meiner Sicht nichts mit einem Profiverein zu tun, aber das kann jeder für sich entscheiden. Wir haben einen Monat mit 25 Prozent Gehaltsverzicht ausgemacht, das war im April, dabei bleibt es.

Wenn die vierte Rate so gering ist: Haben Sie also auch ein Stück weit Verständnis für die Vereine, die sagen, für uns wäre es einfach günstiger, nicht zu spielen?

Im Endeffekt ja, weil es ums Geld geht und weil da noch Haftungsthemen von Geschäftsführern und anderen daran hängen. Das Thema fällt uns auf die Füße. Aber ich sage auch: Ich muss so eine Krisensituation irgendwie auch managen können. Das predige ich ja seit Jahren, dass die Diskrepanz zur zweiten Liga viel zu hoch ist, das ist einfach nicht stimmig. Sportlich ist die dritte Liga ein Traum, aber so wie jetzt die Lage ist, hast du die wirtschaftlichen Zwänge, dass du einfach hochmusst. Wenn ich ein Talent reinwerfe, dann spielt der sicher für weniger als der Dominik Stroh-Engel. Ihn zu verpflichten haben wir ja auch nur gemacht weil wir gesagt haben: Jetzt probieren wir es, dass wir irgendwie raufkommen, dass wir die finanziellen Sorgen mal los sind. Ich habe den Jungs gesagt: Wir haben jetzt fünf Wochen Zeit, von der Hölle ins Paradies aufzusteigen. Da will ich, dass jeder alles reinhaut. Wer dem Druck nicht standhält in diesen fünf Wochen, der muss aussteigen. Wir müssen da jetzt wie ein ICE durchrauschen.

Am Montag findet der DFB-Bundestag per Videokonferenz statt. Wird da schon ein Meinungsbild zu diesem Thema entstehen, erwarten Sie sich Impulse?

Nein, da wird es um Haftungsthemen gehen, und darum, ob das Präsidium alleine Auf- und Abstiegsregelungen beschließen kann, wenn die Saison nach zwei Spieltagen doch noch abgebrochen werden muss. Und der Antrag von Sachsen, die Saison abzubrechen, wird mit Pauken und Trompeten abgelehnt.

© SZ vom 25.05.2020

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