Fußball:Nix Neues! Oder doch?

Fußball: Erstaunlich offen: Noch-Trainer Sandro Wagner.

Erstaunlich offen: Noch-Trainer Sandro Wagner.

(Foto: Sven Leifer/foto2press/Imago)

Sportlich ist die SpVgg Unterhaching nach dem glanzlosen 2:0-Erfolg gegen Türkgücü München weiterhin auf dem besten Weg in die dritte Liga. Und finanziell? Präsident Schwabl sagt nichts bis wenig, Trainer Sandro Wagner dafür umso mehr.

Von Christoph Leischwitz

Bernd Neuendorf war am vergangenen Samstag zu Gast im Hachinger Sportpark, der DFB-Präsident sah sich die Regionalliga-Partie zwischen der SpVgg Unterhaching und Türkgücü München an, aber das war nicht der einzige Grund seines Besuchs. Dieser, so der 61-Jährige, sei nach einem gemeinsamen Treffen mit Hachings Präsident Manfred Schwabl, 57, im vergangenen Jahr noch ausgestanden. Vor dem Spiel habe man sich über viele verschiedene Themen ausgetauscht. Und das in einer Zeit, in der sich der Spitzenreiter so lange bedeckt hält in der Frage, ob er die Auflagen des Deutschen Fußball-Bunds für die dritte Liga erfüllen kann. "Es wäre Unterhaching zu gönnen", ließ sich Neuendorf dann bei bfv.tv zitieren.

Neben Neuendorf und dem BFV-Präsidenten Christoph Kern war auch Kerns Vorgänger Rainer Koch im Stadion; fast könnte man von einer Task Force sprechen, die gewiss nicht zum Ziel hat, die Hachinger vom Aufstieg abzuhalten. Im Gegenteil: Die ohnehin als Schuldenliga verschriene dritte Liga würde weiter an Attraktivität verlieren, wenn ein Traditionsklub auf den Aufstieg verzichtet.

"Ich freue mich richtig drauf, was gibt's Schöneres", sagt der scheidende Trainer Sandro Wagner über die Aufstiegsspiele Anfang Juni

Sportlich ist Haching nach wie vor auf dem besten Weg. Gegen Türkgücü siegten die Vorstädter zwar glanzlos, aber doch verdient 2:0. Bei neun Punkten Vorsprung auf Verfolger Würzburger Kickers ist die Meisterschaft nur eine Frage der Zeit. Aber nicht der Aufstieg, denn nach der Spielzeit stehen ja noch zwei Entscheidungspartien gegen den Meister aus der Nordost-Staffel an, wo sich wohl Energie Cottbus oder Rot-Weiß Erfurt durchsetzen werden. Die Frage ist nur, ob Unterhaching den Würzburgern vorher das Feld überlässt, oder doch selbst angreift. Insofern war eine Aussage des im Sommer scheidenden Trainers Sandro Wagner beachtlich: "Ich freue mich richtig drauf, was gibt's Schöneres", sagte er über die Aufstiegsspiele, die Anfang Juni anstehen würden. Nachfrage: Finden die Spiele seiner Information nach also mit Unterhachinger Beteiligung statt? "Ja."

Fußball: "Es wäre Unterhaching zu gönnen", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf (links), der am Wochenende in der Vorstadt unter den Zuschauern weilte.

"Es wäre Unterhaching zu gönnen", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf (links), der am Wochenende in der Vorstadt unter den Zuschauern weilte.

(Foto: Faf/Imago)

Der Präsident, also Schwabl, hatte am Samstag kurz vor Anpfiff auf Nachfrage noch gesagt: "Nix Neues". Doch dem Vernehmen nach sind die Auflagen, die im April vom DFB nachgereicht wurden, nicht besorgniserregend ausgefallen. Viele im Umfeld des Vereins halten sie jedenfalls für erfüllbar. Aus diesem Umfeld ist auch zu hören, dass Schwabl von dem Klub nahestehenden Personen geradezu gedrängt wird, den Schritt zu wagen. Wilde Spekulationen ranken sich seit Monaten um seine Absichten. Auch deshalb, weil der Präsident vor der Saison einen teuren Kader zusammengestellt hatte, was nur Sinn ergibt, wenn man auch aufsteigen will. Schwabl selbst hat immer wieder betont, dass die dritte Liga aus strukturellen Gründen ein Hochrisikoprojekt für jeden Verein sei. Doch der Imageschaden für den Klub bei einem Verzicht, sagte am Samstag ein Kenner der Branche im VIP-Haus neben dem Spielfeld, sei doch möglicherweise sogar größer als bei einer konservativ finanzierten Drittliga-Saison.

Die Entscheidung sollte wegen der Aufstiegsspiele jedenfalls sehr bald fallen. Am 11. Mai findet in Unterhaching eine Mitgliederversammlung statt. Irgendwie schwer vorstellbar, dass der langjährige Präsident dann vor hunderten neugierigen, hoffnungsvollen Mitgliedern sagt: ,Machen wir nicht, ist mir zu teuer.'

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