SpVgg Greuther Fürth Viele Tore für wenig Geld

Erfolgreich gekämpft: Die Fürther mit Maximilian Wittek (rechts) und Kenny Prince Redondo sicherten sich am vorletzten Spieltag im Erzgebirge den entscheidenden Zähler.

(Foto: imago)

Nach dem Klassenverbleib treibt Geschäftsführer Rachid Azzouzi die Pläne für die nächste Saison voran. Dabei hängt einiges von den Leiharbeitern ab.

Von Sebastian Leisgang

Wahrscheinlich haben es die Spieler der SpVgg Greuther Fürth gar nicht böse gemeint. Vielleicht haben sie sich bloß gedacht: Der Fußball, und das eint ihn ja mit einem guten Film, lebt doch von seiner Spannung. Wo ist also der Reiz, wenn man schon am Anfang weiß, wie's ausgeht? Dann haben die Fürther vier Spiele aneinandergereiht, ohne auch nur ein einziges zu gewinnen - um am vorletzten Spieltag in Aue schließlich doch den vorzeitigen Klassenverbleib in der zweiten Liga sicherzustellen. Das 1:1 im Erzgebirge war jener Punktgewinn, den sie noch benötigten, damit sie auch im nächsten Jahr wieder nach Aue fahren dürfen.

Kapitän Marco Caligiuri hat seinen Vertrag - natürlich - noch mal verlängert

Schon in der vergangenen Saison hatten die Fürther ein Faible für Spannung offenbart, ehe sie am letzten Spieltag in Heidenheim, ebenfalls bei einem 1:1, zu erkennen gaben, dass sie doch nicht allzu viel für Fahrten nach Lotte, Meppen und Großaspach übrig haben. Und jetzt, als der Klassenverbleib im Grunde sehr viel früher sehr nahe und der Kopf daher vielleicht schon am Ziel war, verweigerten die Beine auf einmal den Weg. "Unser Minimalziel war, eine ruhige Saison zu spielen", erklärt Geschäftsführer Rachid Azzouzi.

Vollkommen ruhig, das ist dann aber offenbar doch nichts für die SpVgg Greuther Fürth. "Durch die letzten Ergebnisse mussten wir noch ein bisschen rechnen", sagt Azzouzi und betitelt die Spielzeit deshalb als "okay, nicht gut - dafür hätten wir mehr Punkte holen müssen. Aber mit der offensiven Ausrichtung der Mannschaft bin ich sehr zufrieden."

Rachid Azzouzi, 48, war früher ein zentraler Mittelfeldspieler, dem ab und an sogar mal ein hübsches Tor unterlief. Vielleicht sieht er auch deshalb den Sinn des Spiels darin, ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Diese Auffassung deckt sich mit jener, die Stefan Leitl vertritt, der Fürther Trainer, der im Februar auf Damir Buric folgte, der den Sinn des Spiels eher darin sah, ein Tor weniger zu kassieren als der Gegner. Dass die Mannschaft in 13 Partien unter Leitl aber erst 14 Tore geschossen hat, stimmt die Fürther in diesen Tagen etwas nachdenklich. Azzouzi weiß: Wenn die SpVgg in der nächsten Saison erfolgreicher sein will als im zurückliegenden Spieljahr, wäre es eine feine Sache, nicht nur etwas häufiger ein Tor mehr zu schießen als der Gegner - sondern einfach generell mehr Tore zu schießen. Daniel Keita-Ruel hat zwar immerhin deren zehn vorzuweisen, doch die nach ihm erfolgreichsten Schützen, Tobias Mohr und Julian Green, bringen es nur auf vier Treffer.

Geld schießt Tore - zumindest meist dann, wenn es mit Verstand angelegt und nicht bloß aus dem Fenster geschmissen wird. Da sie in Fürth das eine, Geld, aber nicht gerade im Überfluss haben und das andere, Tore, dennoch dringend benötigen, hoffen sie, dass sich die Dinge irgendwie anders regeln lassen. In Zeiten, in denen es auf dem globalen Transfermarkt immer verrückter zugeht, werden Klubs wie die SpVgg in immer kleiner werdende Nischen gedrängt. Dort müssen sie dann zurechtkommen. Sie sind darauf angewiesen, auch mal in verwinkelten Gassen fündig zu werden - oder sich ganz bewusst bei Spielern zu bedienen, die einen Karriereknick hinter sich haben, um diese dann wieder aufzumotzen. "Wir wollen die Mannschaft im Großen und Ganzen zusammenhalten und den Konkurrenzkampf auf verschiedenen Positionen erhöhen", sagt Azzouzi. Das Ziel sei, "den Kader sukzessive zu verstärken", aber "uns fehlen wirtschaftliche Mittel. Es ist schon ein Akt für uns, die ausgeliehenen Spieler zu halten."

"Wir wollen viel, es funktioniert aber nicht alles. Das müssen die Leute auch mal verstehen."

Drei Neue? Oder doch eher sechs? Das sei "schwer zu sagen", meint Azzouzi, schließlich hängen die Fürther Pläne wesentlich von Fabian Reese (Schalke), David Atanga (Red Bull Salzburg) und Yosuke Ideguchi (Leeds United) ab, den Leiharbeitern, deren Arbeitspapiere in Fürth Anfang Juli nicht mehr gültig sind. Die ersten Personalien für die nächste Saison sind zwar bereits geklärt. Kapitän Marco Caligiuri hat seinen Vertrag - natürlich - noch mal verlängert, auch Paul Seguin, die Leihgabe des VfL Wolfsburg, bleibt. Außerdem kommt Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer von Waldhof Mannheim - was sich aber darüber hinaus tut, ist noch ungewiss. "Wir wollen viel, es funktioniert aber nicht alles", sagt Azzouzi, "das müssen die Leute auch mal verstehen."

Azzouzi kennt das: wie es ist, mit begrenzten Mitteln auskommen zu müssen. Er ist ja schon zum zweiten Mal in Fürth, und seine erste Amtszeit steht im Zusammenhang mit dem größten Erfolg der Klubgeschichte. Vor sieben Jahren, kurz bevor sich Azzouzi zum FC St. Pauli aufmachte, stieg Fürth in die erste Bundesliga auf. Die damalige Mannschaft hatte mehr als doppelt so viele Tore als die heutige. Der Kader gab gleich eine ganze Reihe an zuverlässigen Torschützen her. Einer hieß: Gerald Asamoah - ein Name aus einer anderen Epoche.