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SpVgg Greuther Fürth:Unangenehme Geräusche

VfB Stuttgart - SpVgg Greuther Fürth

„Da waren schon viele große Dinger dabei, wo du mit Glück so ein Spiel gewinnen kannst.“ – Havard Nielsen (vorne, gegen Holger Badstuber).

(Foto: Thomas Kienzle / dpa)

Das Kleeblatt verliert beim VfB Stuttgart 0:2, ist mit der Leistung aber zufrieden - Pfosten und Latte stehen einem Erfolg im Weg.

Von Thomas Gröbner

Dieses Geräusch, das wird Tobias Mohr wohl noch eine Weile verfolgen. Zweimal hatte der Flügelspieler gehört, wie der Ball an den Pfosten klatschte, und am Ende produzierte auch sein Kollege Stefaniak nochmal Schwingungen mit ähnlichen Frequenzen. Dieses Geräusch erinnert die Fürther an diesem Samstagnachmittag daran, wie knapp sie davor standen, den heimlichen Bundesligisten VfB Stuttgart in dessen Stadion zu besiegen.

Man werde wohl nicht so oft in Ballbesitz kommen wie zuletzt gegen Aufsteiger Wiesbaden, so dachte Fürths Trainer Stefan Leitl vor der Partie. Doch wie sich das Spiel dann entwickelte, das dürfte auch ihn überrascht haben. Sie begann nämlich mit einem Schock: Nach zwei Minuten drückte Daniel Didavi den Ball über die Linie, die Führung für den Spitzenreiter der zweiten Liga, einen "eigentlichen Bundesligisten", der sich im Moment als Zweitligist ausgibt; so sah es Tobias Mohr danach. Doch wer erwartet hatte, dass nun der VfB die Fürther vor über 50 000 Zuschauern nun übers Feld treiben würden, der musste sich die Augen reiben. Die Spielvereinigung hielt dagegen - und tauchte immer wieder gefährlich vor dem Tor auf. "Da waren schon viele große Dinger dabei, wo du mit Glück so ein Spiel gewinnen kannst", sagte Angreifer Havard Nielsen. Nach dem schnellen Tor, da "haben wir gedacht, dass alles von alleine geht", schimpfte Stuttgarts Trainer Tim Walter. Aber es ging nicht weiter, im Gegenteil: Fürth stemmte sich dagegen, Mohr traf die Unterkante der Latte (29.) und nach einer guten Stunde den Pfosten. "Wir haben ein gutes Pressing gespielt und haben nur wenige Situationen zugelassen, in denen sich der VfB entfalten konnte", so sah es Fürths Trainer Leitl.

Wie umkämpft diese Partie war, lässt sich auch an der Verletztenliste des VfB ablesen. Torhüter Kobel musste früh mit einer Risswunde vom Platz, Havard Nielsen war dem Schlussmann unglücklich aufs Knie getreten. Zuvor war Gonzalo Castro (18.) schon vom Feld gehumpelt. Und nach einem schwungvollen Tritt von Paul Seguin gegen Gonzales musste erneut die medizinische Abteilung der Stuttgarter aufs Feld laufen - auch er musste ausgewechselt werden. Erst als Fürth in den letzten zehn Minuten alles nach vorne warf und sich hinten entblößte, tauchte Philipp Förster auf, zog an Margim Mavraj und Sascha Burchert vorbei und traf zum 2:0 (82.). Auch da gab sich Fürth nicht auf. In der Nachspielzeit scheiterte Marvin Stefaniak ein drittes Mal am Aluminium. Und so kam Tobias Mohr trotz der Niederlage zu der Einschätzung: "Ich denke, dass das vielleicht sogar eine unserer besten Saisonleistungen war." Was fehlte, war einzig das Geräusch, wenn das Netz sich spannt, weil ein Ball ins Tor fliegt.

© SZ vom 23.09.2019

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