SpVgg Greuther Fürth Lernerfolg im Misserfolg

Szene einer Niederlage: Fürths Paul Jaeckel (links) und Richard Magyar wirken nach dem Gegentreffer zum 3:0 ratlos.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Für ganz oben wird es nicht reichen: Fürth verabschiedet sich nach dem 0:4 in Köln von großen Träumen.

Von Christoph Ruf

Die Frage eines Fürther Journalisten war eigentlich freundlich gemeint gewesen. Ob sein Team beim 0:4 denn wirklich um vier Tore schlechter gewesen sei als der 1. FC Köln, wollte ein Reporter der Fürther Nachrichten von Sascha Burchert wissen. Der verneinte das auch prompt, schob aber Überraschendes nach: "Ich glaube, wir waren um sechs oder sieben Tore schlechter."

Das war nun etwas arg negativ, denn zumindest im ersten Durchgang hatte Fürth bei konzentrierten und offensiven Kölnern noch ganz ordentlich mitgespielt. Doch dann passierten ein paar Dinge, die nun gar nicht gut liefen für die Franken. Zum ersten, dass Köln immer stärker wurde. Und zum zweiten, dass der Schiedsrichter Sören Storks ein paar Wahrnehmungsprobleme zu viel hatte. Vor dem Kölner 1:0 durch Dominick Drexler standen zuerst Passgeber Simon Terrodde und dann der Schütze abseits. Und das relativ deutlich.

Zunächst wehrte sich Fürth weiter, doch nach dem 2:0 durch einen verwandelten Foulelfmeter von Terodde war das Spiel entschieden. Denn gefoult hatte der junge Maximilian Bauer, und da der zuvor bereits verwarnt worden war, flog er damit vom Platz. "Wenn du 2:0 gegen Köln zurückliegst und zu zehnt auf dem Platz bist, wird's halt sauschwer", fand Fürths Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi, was Verteidiger Mario Maloca auch so sah: "Nach dem 2:0 wusste jeder im Stadion, dass es vorbei ist." Pro forma ließen Jhon Cordoba und Terrodde noch die Treffer drei und vier folgen. Danach ging es nur noch darum, nicht mehr in den Dimensionen zu verlieren, in denen der Lokalrivale aus Nürnberg in Leipzig und Dortmund unterging (mit sechs bzw. sieben Gegentoren).

Dass die neun Fürther Feldspieler ab der 75. Minute dementsprechend konzentriert in der eigenen Hälfte blieben, freute dann auch niemanden mehr als den Keeper: "Ich war froh, dass wir dann nicht mehr so vorne drauf gegangen sind und nicht mehr so naiv gespielt haben." Burchert, mit 29 Jahren eine Art Vaterfigur in der jungen Fürther Mannschaft, lag damit ganz auf der Linie von Trainer Damir Buric, der schon nach dem Sieg gegen Magdeburg in der vergangenen Woche seine Mannschaft durchaus liebevoll als "lieb" und "zu gut" bezeichnet hatte. Zu wenige taktische Fouls, zu wenige Schauspielereien, zu wenig Zeitspiel, all das meinte Buric. Und all das sah er auch am Samstag nicht, was man ja auch ganz sympathisch finden kann: "Wir haben bei den Kölner Angriffen zu viele Fehler gemacht. Aber darüber, dass das erste Tor gegeben wurde, bin ich immer noch sauer."

Der Lernerfolg der jungen Fürther bestand in Köln also vielleicht darin, nicht auch noch ein fünftes oder sechstes Gegentor bekommen zu haben. Zumal sich nach so einem 0:4 vielleicht schon mehr herleiten lässt als ein Spieltagsfazit. Man sei wohl gut präpariert für eine sorgenfreie Saison, die auch im ersten Tabellendrittel enden könne, prognostizierte Burchert. Aber für ganz oben werde es nicht reichen. Das Gute an dieser Prognose: Man läge damit weit über dem gesteckten Saisonziel, das nur eine Saison ohne langes Zittern vorgesehen hatte.