SpVgg Greuther Fürth Im Loblied-Modus

Sparringspartner Eckfahne: Der Fürther Daniel Keita-Ruel jubelt über seinen Treffer zum 1:0.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der Fürther Trainer Damir Buric lässt seine jungen Spieler Fehler machen - und hat damit Erfolg. Im nächsten Spiel gegen den 1. FC Köln hofft er auf einen Ex-Kölner.

Es dauerte nach dem Abpfiff mehr als eine Viertelstunde, ehe die Feiergemeinschaft der Spielvereinigung Greuther Fürth unter die Dusche kam. Auch bei arktischen Temperaturen denken Fußballer ja nicht zuerst an Erkältungen und warme Handtücher, wenn sie aus einer Niederlage, die sich zu diesem Zeitpunkt folgerichtig angefühlt hatte, noch einen Ausgleich machen. Und dann noch einen 3:2-Sieg in der dritten Minute der Nachspielzeit. Die freudigen Ereignisse geschahen in der 88. und in der 93. Spielminute.

Auch die Fürther Haupttribünenbesucher, die sich zu einem beträchtlichen Teil schon im Schimpf-und-Schande-Modus befanden, hatten kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit gemerkt, dass dieser Abend noch nicht vorbei war und sangen nun Loblieder auf ihre Mannschaft. Viele schauten aber auch mitleidig auf Magdeburgs neuen Trainer Michael Oenning, der einem aber auch wirklich leidtun konnte. Oenning hatte in den Tagen zuvor Passfolgen einstudiert und: Spielzüge. Der ehemalige Club-Trainer ist ja ein Freund der offensiven Spielweise, und in Fürth hatte man tatsächlich bis zur 80. Minute den Eindruck, dass das der Magdeburger Mannschaft auch ganz gut zupass kommt. Zwei Gästetore durch Christian Beck (40.) und den starken Felix Lohkemper (49.) fielen dann auch, ehe ab der 75. Minute die Kräfte schwanden, während Fürth noch die Power hatte aufzudrehen. Dieser ererbte Konditionsrückstand dürfte für Oenning, der "vieles gesehen hat, was ich eingefordert habe", dann wohl auch noch besorgniserregender sein als der niederschmetternde Punktestand von gerade mal neun Zählern.

Viele Junge in verantwortlicher Position anstatt teurer Zugänge

Selbstkritisch gingen die Fürther nach dem Spiel mit ihrer Leistung um. "Wir haben gefühlt jeden Zweikampf verloren", sagte Damir Buric, der um den statistischen Wert von Standards weiß. "Durch die fallen etwa 30 Prozent aller Tore." Auch am Freitag schepperte es nach einem Freistoß. Und wie das kam, lohnt nacherzählt zu werden. Denn während sich Lukas Gugganig auf der Markierung des Fünfmeterraums aufbaute und den Magdeburger Keeper irritierte, stellten sich zwei andere Fürther vor den Ball, so dass auch die Magdeburger Mauer nicht viel sehen konnte. Währenddessen dealten Tobias Mohr und der spätere Schütze Shawn Parker aus, wer denn nun zur Tat schreiten würde. "Tobi wollte auch schießen, hat dann aber gesagt: Ich vertraue dir, mach den Ball rein", berichtete Parker. In der Nachspielzeit traf dann Richard Magyar mit der Schulter zum 3:2-Endstand und sprach lächelnd ein paar strenge Worte: "Das Einzige, womit wir zufrieden sind, sind die drei Punkte. Mit dem Spiel können wir gar nicht zufrieden sein." Ganz so negativ hörte sich das ein paar Minuten später dann allerdings nicht mehr an. "Wille und Moral", seien auch gut gewesen, stellte Buric fest. Und das Große und Ganze eben auch. "Dass die Jungen Fehler machen, ist doch einberechnet", sagte auch Sportdirektor Rachid Azzouzi, der im Sommer für zwölf Zugänge exakt 800 000 Euro ausgeben durfte.

Statt teurer Stars hat man in Fürth auch in diesem Jahr also wieder viele junge Leute in verantwortlicher Position. Maximilian Bauer, 18, Paul Jaeckel, 20, und Fabian Reese, 20, zum Beispiel. Oder David Atanga, 21, bei dem es am Freitag nicht ganz so gut lief. Die 23-jährigen Sebastian Ernst, Mohr, Guggenig und Julian Green sind eigentlich sowieso Stammspieler. "Wir haben fast immer die jüngste Mannschaft in der Liga auf dem Platz", sagte Buric, der damit ein gutes Stichwort für seinen Sportdirektor lieferte. Mit Blick auf das anstehende Spitzenspiel beim 1. FC Köln konnte sich Azzouzi einen kleinen Seufzer nicht verkneifen. "Vielleicht holen sie nach Modeste ja jetzt auch noch Aubameyang." Ihren Toptransfer haben die Fürther dafür den Kölnern abgeluchst. Nicht dem FC, sondern der kleinen Fortuna. Daniel Keita-Ruel hat 200 000 Euro gekostet. Gegen Magdeburg hat er mit dem 1:0 (30.) seinen achten Saisontreffer geschossen.