Dritte Fußball-Liga:Auswärtige Kennzeichen

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Dritte Fußball-Liga: "Der Radius weitet sich": Die SpVgg Bayreuth freut sich nach dem Drittliga-Aufstieg über etliche neue Anhänger.

"Der Radius weitet sich": Die SpVgg Bayreuth freut sich nach dem Drittliga-Aufstieg über etliche neue Anhänger.

(Foto: Titgemeyer/Osnapix/Imago)

Die SpVgg Bayreuth überzeugt nach der Rückkehr in den Profifußball mit Gastfreundschaft und einem eigenen Museum. Was ihr bislang fehlt, sind Punkte.

Von Christoph Ruf

Seit er denken kann - und das ist seit etwa 50 Jahren der Fall - ist Jürgen Rank Fan der Spielvereinigung Bayreuth. Von so etwas Banalem wie einem Sommerurlaub mit der Familie lässt man sich da nicht vom Vorhaben abbringen, möglichst alle Heim- und Auswärtsspiele seines Vereins live im Stadion zu sehen. Nicht, wenn der endlich wieder in der dritten Fußball-Liga spielt. Und nicht, wenn sich die Entfernung zwischen Südspanien und Oberfranken per Flugzeug überbrücken lässt: "Wenn alles klappt, fliegen wir am Samstag frühmorgens los, und ich bin mehr als rechtzeitig im Stadion."

Nach dem Spiel geht es dann natürlich "ins Museum", wie sie hier der Einfachheit halber sagen: Seit 2017 betreiben Rank und seine Kollegen vom "Altstadt-Kult" nun in einem schönen Altbau am Rand der Innenstadt einen Fan-Treffpunkt, der gleichzeitig als Bayreuther Fußball-Museum fungiert. Es ist der dritte Standort des seit 2001 existierenden Museums. 70 Jahre alte Spielankündigungsplakate hängen dort neben Zeitungsartikeln, Spielertrikots und Fanartikeln der letzten Jahrzehnte.

Und da sie beim "Kult" nicht zufrieden mit sich sind, wenn ihnen nicht alle paar Wochen etwas Neues einfällt, hat der kollektive Erfindungsgeist seine Spuren hinterlassen. Sei es das riesige Fenster, das wie in einer Kathedrale ein Glasmalerei-Porträt des einstigen Stürmerstars Manfred Größler ziert, sei es die Schaufensterpuppe, die dem mittlerweile 73-Jährigen Rudolf Hannakampf nachempfunden wurde: mit Trikot, Perücke, 70-er-Jahre Schnauzbart und Brusthaartoupet. "Bisher", so berichtet Rank, "waren nach jedem Spiel auch Gästefans da, und die sind immer ziemlich begeistert." Was wiederum die Gastgeber freut, die ritualisierten Fan-Feindschaften eher wenig abgewinnen können. Selbst die traditionell unbeliebten Fans der in der Bayernliga spielen Spielvereinigung Bayern Hof können derzeit mit Milde rechnen. "Die spielen so weit unten", lacht Rank. "Die wertet man nur künstlich auf, wenn man sie erwähnt."

Es sei "immer klar gewesen, dass wir erst in der Liga ankommen müssen", sagt Geschäftsführer Born

Auch Michael Born war schon im Museum. "Mehrfach", wie er betont. "Ich fand das sehr beeindruckend, zumal sich alles über Mitgliedsbeiträge und Spenden trägt." Bevor Born als Geschäftsführer in Oberfranken anfing, arbeitete er für Dynamo Dresden - einen Verein mit zehntausenden Anhängern und einer, nun ja, heterogenen Fanszene. "Ich habe die Fans hier in Bayreuth bisher nur positiv wahrgenommen", sagt Born. "Es gibt einige Jüngere, aber auch viele ältere Anhänger, die dem Verein in all den langen Jahren ohne Profifußball die Treue gehalten haben." Nach dem Auswärtsspiel in Zwickau habe sich selbst sein sächsisches Pendant überrascht gezeigt, was da in der Auswärtskurve los war: "Mit 500 Bayreuthern hatte er offenbar nicht gerechnet."

Auch das Spiel in Zwickau ging allerdings verloren, mit vier Punkten aus sieben Partien belegt die SpVgg den drittletzten Tabellenplatz. Und zu allem Unglück ist nach der Niederlage in Würzburg auch im Landespokal Schluss. Glaubt man Born, ist all das allerdings kein Grund, in Panik zu verfallen. Ihm und dem neuen Trainer Thomas Kleine sei "immer klar gewesen, dass wir erst in der Liga ankommen müssen. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass wir die Klasse halten." Doch selbst wenn sich das ligaunerfahrene Team, das im Großen und Ganzen aus der Aufstiegsmannschaft besteht, nicht vom Tabellenende lösen kann - mit Panikkäufen sei auch im Winter nicht zu rechnen. "Wir werden sicher keinen Alles-oder-nichts-Kurs fahren, sondern verantwortungsbewusst mit unseren finanziellen Mitteln umgehen", betont Born.

Die Spielvereinigung zählt nach eigener Einschätzung zu den drei Vereinen mit den geringsten Etats der dritten Liga. Immerhin: Mit den Spielen in Mannheim und Ingolstadt waren nicht nur Born und Kleine, sondern auch die Fans zufrieden. Nur für einen Sieg hat es auch da nicht gereicht. Der müsste jetzt bald mal eingefahren werden, am besten schon am Samstag gegen Saarbrücken. Auch Rank hofft darauf. Und das nicht nur, damit die 2000 Kilometer Anreise aus Südspanien sich lohnen: "Es wäre auch für die Entwicklung der Fanszene wichtig, dass wir uns mal ein paar Jahre in der Liga halten."

Schon nach der einzigen Saison der letzten 32 Jahre, in der die SpVgg 2005/2006 mal zwölf Monate drittklassig spielte, seien einige Fans dauerhaft geblieben. Und auch seit diesem Sommer begrüßen sie wieder einige hundert neue Fans. "Der Radius weitet sich", freut sich Rank. "Man sieht hier jetzt immer öfter auch Leute aus Autos steigen, die ein anderes Kennzeichen als BT haben." Kürzlich waren sogar welche aus Hof da.

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