Springreiten:Aufs richtige Pferd gesetzt

Lesezeit: 3 min

Daniel Deusser of Germany jumps with his horse Cornet d'Amour during the Longines FEI World Cup Jumping Final I event in Gothenburg

Rang drei in Göteborg - und jetzt mit Medaillenhoffnungen nach Rio: Daniel Deusser und sein Schimmel Cornet d'Amour.

(Foto: Reuters)

Daniel Deusser wird beim Finale in Göteborg mit seinem Schimmel Cornet d'Amour Dritter, auch andere Deutsche überzeugen.

Von Gabriele Pochhammer, Göteborg/Hamburg

Der Schweizer Titelverteidiger Steve Guerdat konnte seinen Weltcupsieg beim Finale in Göteborg wiederholen. Der Olympiasieger von London 2014 blieb auf dem zehnjährigen Corbinian in den beiden Runden des letzten Springens ohne Abwurf, wie schon in den drei Parcours zuvor, und beendete seinen Auftritt am Sonntag mit dem Idealergebnis von null Fehlerpunkten. Der westfälische Wallach verfügt zwar über weniger Erfahrung als die meisten seiner Konkurrenten und hat zuweilen auch eine sehr spezielle Manier, über die Stangen zu turnen, aber sein überlegter Reiter steuerte ihn souverän über alle Klippen.

Zugute kam Guerdat dabei, dass er sich als Vorjahressieger nicht fürs Saisonfinale qualifizieren musste, sondern sich und sein Pferd in aller Ruhe vorbereiten konnte. Ein Abwurf im letzten Parcours hätte ihn allerdings den Sieg gekostet, hinter ihm lauerten mit je drei Minuspunkten der Niederländer Harry Smolders auf Emerald und der Sieger von 2015, Daniel Deusser auf Cornet d'Amour. Aufgrund der besseren Zeit im B-Kurs des Finalspringens wurde Smolders Zweiter, Deusser wurde Dritter und damit bester der fünf Deutschen.

Deussers Schimmel zeigte sich in einer souveränen Form, ihm unterlief lediglich ein Abwurf in der zweiten Wertung. Der dreimalige Weltcupsieger Marcus Ehning fiel nach einem Abwurf des 13-jährigen Cornado vom zweiten auf den vierten Platz zurück, aber der springgewaltige Schimmelhengst, der im vergangenen Jahr lange wegen einer Verletzung pausieren musste, hat gezeigt, dass er wieder voll da ist: Vor allem für Bundestrainer Otto Becker ist das im Hinblick auf Rio vielleicht noch wichtiger als das Ergebnis von Göteborg. "Ich bin super happy", sagte Becker, "die Paare, die in den letzten Jahren gut waren, sind toll in Form, die Reiter sind konzentriert geritten, das war einfach klasse."

Der Favorit indes hatte definitiv aufs falsche Pferd gesetzt. Christian Ahlmann war als souveräner Punktbester aus den Qualifikationen nach Schweden gereist. Als er die Arena des Skandinaviums in Göteborg nach der vierten fehlerlosen Runde des 16-jährigen Hengstes Taloubet Z verließ, zeichnete sich ein kleines erleichtertes Lächeln auf seinem Gesicht ab. Aber zum Strahlen gab es keinen Grund. Denn in der ersten Wertung hatte Ahlmann sich auf sein Zweitpferd Colorit verlassen, es sollte den Routinier Taloubet Z entlasten. Doch nach zwei Abwürfen des Schimmels war für Ahlmann das Finale im Grunde gelaufen. Am Ende arbeitete er sich von Platz 25 auf Rang sechs vor. Auch hier wiegt die gute Nachricht mehr als die Enttäuschung: Ein weiterer vierbeiniger Olympiakandidat zeigt sich in verheißungsvoller Form.

Drei schwere Springen an vier Tagen forderten von Reitern und Pferden mehr Kraft, als mancher aufbringen konnte. So brach die zehnjährige, noch relativ unerfahrene Chaccorina nach sehr guten Runden an den Vortagen am Finaltag regelrecht ein und warf Marco Kutscher nach drei Abwürfen auf Platz zwölf zurück. Nicht mit einer vorderen Platzierung, aber um etliche Erfahrungen reicher fuhr der 22-jährige Niklas Krieg nach Hause. Er hatte nach nur zwei Qualifikationen, von denen er die in Leipzig gewonnen hatte, einen Platz in Göteborg als Nachrücker ergattert. Im ersten Springen blieb er mit der elfjährigen Holsteiner Stute Carella ohne Abwurf, aber in der zweiten Prüfung fielen zweimal die Stangen, wie auch im A-Kurs im Finale. Insgesamt blieb Platz 24, ein respektables Ergebnis für einen Debütanten - aber im Lichte von Kriegs Ambitionen dennoch eine Enttäuschung. Der Bundestrainer sah es positiv: "Niklas hat einen Superjob gemacht, das Ergebnis sieht schlechter aus als es wirklich ist."

Der Dressurweltcup litt in diesem Jahr unter prominenten Absagen, wie von Titelverteidigerin Charlotte Dujardin mit Valegro, aber auch von Isabell Werth, deren Hannoveraner Wallach Don Johnson sich verletzt hatte. Jessica von Bredow-Werndl (Tuntenhausen) verpasste den möglichen Sieg durch zwei Patzer, die sich ihr 15-jähriger Rapphengst Unée in der entscheidenden Kür leistete. Übrig blieb mit 80,464 Punkten Rang drei. Sie bemühte sich nicht, ihre Enttäuschung zu verbergen: "Im ersten Moment ärgert man sich. Der Sieg ist zum Greifen nah, und dann passieren da drin komische Dinge." Der Pokal ging an den Niederländer Hans-Peter Minderhout auf Flirt (82,352 Prozent), vor der Schwedin Tinne Vilhelmson-Silfven auf Don Auriello (81,429). Nadine Capellmann-Lütkemeyer auf D'Agostino wurde Sechste (78,339).

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema