Sportschießen:Nord-Süd-Gezänke

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Sportschießen: "Ich weiß, dass ich es kann. Aber die Bestätigung ist dann umso schöner." - Isabella Straub ist mit dem SV Germania Prittlbach fürs Finale qualifiziert.

"Ich weiß, dass ich es kann. Aber die Bestätigung ist dann umso schöner." - Isabella Straub ist mit dem SV Germania Prittlbach fürs Finale qualifiziert.

(Foto: Sven Körper/oh)

Das letzte Bundesliga-Wochenende der Luftgewehrschützen wird überschattet von Diskussionen um den Final-Wettkampf. Prittlbach und der Bund München erreichen die Endrunde als bayerische Vertreter, Kastl steigt dagegen ab - und Dießen ringt noch um den Klassenverbleib.

Von Jonas Kraus

Nach ihrem letzten Schuss legte Isabella Straub das Gewehr beiseite und lächelte breit, ehe sie sich die FFP2-Maske übers Gesicht streifte und ihren Teamkollegen Sebastian Franz umarmte. 399 Ringe hatte sie geschossen und mit fast perfekter Leistung ihr Duell gewonnen. Und weil es ihr zwei Mannschaftskameraden gleichtaten, setzte sich der SV Germania Prittlbach am Sonntag 3:2 gegen die SSG Dynamit Fürth durch und sicherte sich so den zweiten Platz der Luftgewehr-Bundesliga Süd. Prittlbach ist somit eines von vier Südteams, das gegen die vier besten Mannschaften der Nordstaffel um die deutsche Meisterschaft schießen darf. Das war der erfreuliche Teil des Wochenendes aus Sicht von Straub.

Weniger erfreulich: Gesehen hatten den knappen 3:2-Sieg der Prittlbacher beim Heimwettkampf nur ein paar Helfer, Zuschauer waren keine zugelassen. Neben dem motivierten Hallensprecher kämpften lediglich das Klacken der Gewehrschüsse und das Pop-Gedudel aus einer Musikbox gegen die Stille an. Und dann ist da noch die Debatte ums Meisterschaftsfinale, die den Prittlbachern das sportlich erfolgreiche Wochenende etwas vermieste. Denn das große Messen mit den Vertretern aus dem Norden könnte erneut ein Geister-Schießen werden - obwohl es eine Alternative gäbe.

Ursprünglich war angedacht, das Finale im Februar in Neu-Ulm durchzuführen. Mit Zuschauern und Party-Stimmung. "Ein wenig wie die Darts-WM", sagt Sven Körper, Schützenmeister bei Prittlbach. Den Sportschützen, die oft vergebens um Aufmerksamkeit kämpfen, sollte die größtmögliche Bühne geboten werden. Doch früh war absehbar, dass die Omikron-Variante das große Spektakel verhindern würde. Deshalb sollte das Finale im Juni stattfinden. Darauf hatte sich der Liga-Ausschuss geeinigt. Im Sommer, so die Hoffnung, könnte sich die Corona-Situation beruhigt haben.

Doch drei Teams aus dem Norden legten Protest ein, das Finale soll ihrer Meinung nach im Februar durchgezogen werden. "Von uns will das keiner", klagt Körper. Eine Entscheidung wird in den nächsten Tagen erwartet, laut Körper haben die protestierenden Nordvereine wohl das Recht auf ihrer Seite. Und so wird die Entscheidung um den Meistertitel voraussichtlich doch noch im Winter fallen. Als Austragungsort ist die Finalhalle der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück im Gespräch, dort absolvierte Prittlbach aus organisatorischen Gründen auch seinen Heimwettkampf am Wochenende.

"Wir hoffen auf den Juni", sagt Isabella Straub, "vor Zuschauern zu schießen wäre geiler."

Dieses Hickhack ärgert auch Straub. "Wir hoffen auf den Juni", gibt sie zu, "vor Zuschauern zu schießen wäre geiler." Auch wenn sie aus sportlicher Sicht nichts gegen eine zeitnahe Ansetzung einzuwenden hätte. Nach einem durchwachsenen Saisonstart steigerte sich die 30-jährige Lehramtsstudentin zuletzt und war mit ihren 399 Ringen vom Sonntag sehr zufrieden. "Ich weiß, dass ich es kann. Aber die Bestätigung ist dann umso schöner."

Ganz andere Sorgen als das Meisterschaftsfinale haben dagegen die Schützen von Hubertus Kastl. Die Oberpfälzer hätten am Wochenende zwei Siege gebraucht, um noch auf den Relegationsplatz zu springen. Stattdessen unterlagen sie schon am Samstag dem SSV Kronau 2:3. Am Sonntag ging es nur noch darum, sich mit einem Sieg aus der Bundesliga zu verabschieden - auch das misslang. Kastl verlor erneut mit 2:3, dieses Mal gegen Coburg. Zwei Ringe fehlten zum ersten Saisonsieg. "Das passt zu unserer Saison", klagte Mannschaftsführer Lukas Haberkorn. Während Kastl direkt absteigt, hat die FSG Dießen die Chance, den Klassenverbleib über die Relegation zu schaffen. Die Schützen vom Ammersee unterlagen am Wochenende im Parallel-Wettbewerb der Bundesliga Süd 1:4 den Gastgebern vom SV Niederlauterbach und 2:3 gegen Eichenlaub Saltendorf.

Neben Prittlbach qualifizierten sich auch der Tabellenerste Vöhringen, der Bund München sowie Niederlauterbach für das Finale. Anders als im Vorjahr, als die komplette Saison wegen der Pandemie abgesagt worden ist, wird es 2022 wieder einen deutschen Meister geben. Ansonsten aber ist vieles noch unklar.

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