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Sportpolitik: Sepp Blatter:"Ich bin bereit, wenn ihr wollt!"

Fifa-Präsident Joseph Blatter, 74, strebt eine vierte, vielleicht eine fünfte Amtszeit an. Es geht ihm nicht nur um Fußball, sondern auch darum, die Welt zu retten.

Jens Weinreich

Als alles gelaufen war, begann für Joseph Blatter die Arbeit. Er nahm die Huldigungen entgegen. Gut 100 Fußballfunktionäre, die den Kongress des Weltverbandes Fifa besucht hatten, defilierten am großen Vorsitzenden vorbei, der diese WM auf den schwarzen Kontinent gebracht hat, und schüttelten ergriffen dessen Hände. Blatter bewies Ausdauer und ließ zudem Dutzende Freundschaftsfotos machen. Ungezählte Male erklärte er in allen denkbaren Varianten: "Ich bin glücklich! Ich bin ein glücklicher Fifa-Präsident! Unsere Familie ist vereint!"

60th FIFA Congress

Fifa-Chef Sepp Blatter.

(Foto: dpa)

Es war nur eine Formsache, dass er vor dem 60. Fifa-Kongress seine Kandidatur für eine weitere Amtszeit erklärte. Den Kameraden rief er zu: "Ich bin bereit, wenn ihr wollt!" Bei allen möglichen Gelegenheiten hatte er seine Bereitschaft zuvor verkündet. "Wir sind eine transparente Organisation, ich musste das jetzt offizialisieren", sagte er.

Im Verlauf des Frühjahres, so scheint es, ist es Blatter gelungen, die kleine Palastrevolte der mächtigsten asiatischen Funktionäre niederzuringen: Es ist derzeit unwahrscheinlich, dass Mohamed Bin Hammam (Katar) und der Milliardär Chung Mong-Joon (Südkorea) ihre Ankündigung wahr machen, und auf dem nächsten Fifa-Kongress im Juni 2011 in Zürich einen Herausforderer stellen werden.

Sogar über 2015 hinaus?

Nein, Blatter ging sogar noch weiter - und auch das durfte nach den jüngsten Indizien erwartet werden. Auf der Pressekonferenz wurde er gefragt, ob das dann endgültig seine letzte Amtszeit werde. Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke hätte fast losgeprustet, instinktiv hielt er sich die Hand vor den Mund. Dann grinste er, weil er wusste, was er hören würde. "Ich bin noch immer motiviert", sagte Blatter: "Ich würde nie sagen, das sei meine letzte Amtszeit. Man weiß nie." Er weiß es schon. Sein Lachen verriet es.

Blatter will nicht nur 2011, sondern auch 2015 antreten, wenn die Gesundheit es gestattet. Derzeit ist er in guter Verfassung mit seinen 74 Jahren. Er weiß aber auch, dass sich das schnell ändern kann. Wenigstens den Launen der Natur gibt sich einer wie Blatter geschlagen.

1975 hatte er bei der Fifa als Technischer Direktor begonnen. 1981 wurde er Generalsekretär. 1998 wurde er Präsident, wurde 2002 wieder gewählt und 2007 per Akklamation bestätigt. Er wird weiter machen, bis es nicht mehr geht, und er wird dann argumentieren, dass seine Ära die Amtszeiten aller vorherigen Fifa-Präsidenten überstrahlt.

Schweigen in einer einer zentralen Frage

Für seinen Vorgänger Joao Havelange, der im Alter von 94 Jahren daheim in Rio de Janeiro im Krankenbett liegt, hatte er nur Lob übrig in Johannesburg. "Die Idee, den Fußball zu einem Weltsport zu machen, kam von Havelange", sagte Blatter. "Ich war nur sein Entwicklungsoffizier und darf mich glücklich schätzen, die Aufgabe bekommen zu haben." So ging das am Donnerstag in einem fort.

Blatter sieht sich als Chef von 300 Millionen aktiven Fußballern und - er zählt stets deren Angehörige dazu - als Familienoberhaupt von einer Milliarde Menschen weltweit. Da im Fußball alles getan sei, geht er nun daran, die Welt zu retten. Bildung, Armut, Hunger, Frieden - das sind seine Themen. Darunter macht er es nicht. "Ich arbeite für die Zukunft! Für die Jugend! Das ist meine Mission."

Seinem Fußvolk versprach er wie erwartet eine Erhöhung der Bezüge. Seit 1999 erhält jeder der 208 Nationalverbände jährlich 250.000 US-Dollar. Demnächst ist erstmals eine Bonuszahlung fällig. In der Kaffeepause, plauderte Blatter fröhlich, hätten sich einige Kameraden für den Bonus bedankt und gefragt, wann sie endlich Fifa-Aktien bekommen. Noch ist es nicht so weit. Schade eigentlich, dass Blatter bei dieser Gelegenheit nicht endlich erklärt hat, wie hoch seine Boni sind, die er schon einige Jahre kassiert. Dafür blieb auch diesmal keine Zeit. Beschwingt verließ Blatter das Podium und rief den Reportern zu: "Genießt die WM!"

© SZ vom 11.06.2010
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